Lokalsport: Sarah Voss beendet ihr Jahr mit Bravour

Lokalsport: Sarah Voss beendet ihr Jahr mit Bravour

Im japanischen Toyota City schafft die 18 Jahre alte Kunstturnerin in einem Weltklassefeld den Sprung aufs Treppchen.

So schließt man ein tolles Sportjahr ab: Von der herausragend besetzten "Toyota International Competition" in der japanischen Autostadt Toyota City brachte die Kunstturnerin aus Rheinfeld zwei Medaillen mit nach Hause.

Dabei glückte der 18 Jahre alten Schülerin des Norbert-Gymnasiums Knechtsteden in Dormagen ein traumhafter Start in den hochkarätigen Wettkampf. In der Disziplin Sprung musste sie sich mit starken 14,133 Punkten nur der Japanerin Sae Miyakawa (14,249) geschlagen geben. Ihr Abstand zum Platz ganz oben auf dem Siegertreppchen betrug lediglich 0,116 Zähler - eine Winzigkeit. Auf dem dritten Rang folgten Mai Murakami (Japan) und Ellie Black (Kanada), die es bei den im Oktober in Montréal ausgetragenen Weltmeisterschaften wie Sae Miyakawa ins Finale gebracht hatte. Da verwundert es nicht, dass Bundestrainerin Ulla Koch hin und weg war von ihrem jungen Schützling: "Sarah hat endlich mal gezeigt, was sie kann."

Die auf diese Weise entfachte Euphorie ließ das am Turnzentrum Deutsche Sporthochschule Köln ausgebildete Talent auch am Tag darauf aufs Podest springen. Am Boden zeigte sie gute Nerven. Als vorletzte Starterin sicherte sie sich mit 13,033 Punkten hinter den beiden Japanerinnen Mai Murakami (14,333) und Aiko Sugihara (13,266) Platz drei. Ausgerechnet an ihrem Spezialgerät, dem Schwebebalken, lief es gar nicht rund: Ein von ungewohnten Unsicherheiten geprägter Vortrag bescherte ihr 12,633 Punkte und Rang acht. Gut möglich, dass die als zweite Turnerin in den Wettkampf gegangene Sarah Voss doch der Mut verlassen hatte. Immerhin maß sie sich in der Sky Hall mit der Crème de la Crème in dieser Disziplin: Olympiasiegerin Sanne Wevers aus den Niederlanden, die Olympiafünfte und Vizeweltmeisterin Ellie Black sowie die WM-Zweite Jelena Jeremina aus Russland. Auch am Stufenbarren patzte die Gymnasiastin: Beim Bückumschwung mit ganzer Drehung musste sie sogar das Gerät verlassen und landete mit 12,1 Punkten abermals nur auf dem achten Platz, zwei Ränge hinter ihrer Mannschaftskollegin Helene Schäfer aus Chemnitz mit 12,733 Punkten. Die Bundestrainerin war trotzdem sehr zufrieden mit der Dormagenerin: "Sarah hat die Zielsetzung voll erfüllt", lobte Ulla Koch ihre ehrgeizige Athletin, die mit 52,366 Punkten ihr bestes Mehrkampf-Ergebnis 2017 ablieferte. Erst zu Beginn des Jahres hatte Sarah Voss Aufnahme in den B-Kader und zusammen mit elf weiteren Turnerinnen ins "Top-Team-Future" des Deutschen Turnerbundes (DTB) gefunden. Eine weitere Hürde auf dem Weg zu ihrem Traumziel, einer Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio. Bereits damals hatte sie gewusst: "In dieser Saison kann ich noch mal richtig Gas geben, dann muss ich mich aber um mein Abitur kümmern." Dass es ihr damit durchaus ernst ist, bewies sie in Japan eindrucksvoll. Anstatt ihren Erfolg mit den Teamkollegen ausgiebig zu feiern, war Erdkunde angesagt. Noch vor dem Abschlussbankett brütete sie in ihrem Hotelzimmer über ihrer Leistungskurs-Klausur.

Mit dem Turnteam der Deutschen Sporthochschule (DSHS) hatte Sarah Voss die Bundesliga-Saison auf dem fünften Rang beendet. Das Maß aller Dinge ist bei den Frauen weiterhin der MTV Stuttgart, der zum sechsten Mal in Folge Deutschen Meister wurde. Die Mannschaft um die WM-Turnerinnen Tabea Alt, Elisabeth Seitz und Kim Bui war auch im DTL-Finale vor 3000 Zuschauern in der Ludwigsburger MHP Arena ungeschlagen geblieben und hielt mit 207,65 Punkten die TG Karlsruhe-Söllingen (204,40) um Weltmeisterin Pauline Schäfer in Schach. Für Stuttgart war es der bereits elfte DM-Titel. Dritter wurde einigermaßen überraschend die TSG Steglitz.

(NGZ)