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Sarah Voss aus Dormagen bei Turn-EM in München

Turnen : Traum von einer internationalen Medaille

Im Rahmen der European Championships in München bestreitet die Dormagener Spitzenturnerin Sarah Voss ab Donnerstag ihre vierten Europameisterschaften. Für die deutsche Mannschaft ist die Heim-EM etwas Besonderes.

Seit Sonntag ist die deutsche Turnnationalmannschaft der Frauen in München, am Dienstag durften die Teammitglieder erstmals in der Wettkampfstätte trainieren, die Luft in der altehrwürigen Olympiahalle von 1972 schnuppern. Mit dabei ist freilich auch die Dormagenerin Sarah Voss, die als erfolgreichste Turnerin der nationalen Titelkämpfe in Berlin vor ein paar Wochen erst wieder eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass sie aus der deutschen Spitze nicht mehr wegzudenken ist. Edelmetall auf internationalem Parkett fehlt ihr allerdings noch. Ein Traum den sie sich gerne möglichst bald erfüllen würde, am besten schon bei den Europameisterschaften, die im Rahmen der European Championships ab Donnerstag in der bayerischen Landeshauptstadt über die Bühne gehen.

Hinter den European Championships verbirgt sich eine Multisport-Veranstaltung, bei der über elf Tage hinweg in neun Sportarten kontinentale Titelträger ermittelt werden. Bei der Premiere 2018 teilten sich Glasgow (Schottland) und die deutsche Hauptstadt Berlin die Gastgeberrolle, bei der zweiten Auflage vier Jahre später stemmt München das Event alleine und richtet somit die größte Veranstaltung in den eigenen Stadtgrenzen seit den Olympischen Sommerspielen 1972 aus. Passenderweise ist der historische Olympiapark auch das Herzstück des Sportspektakels. Und selbst wenn Sarah Voss (TZ DSHS Köln) sowie ihre Mannschaftskameradinnen Kim Bui (MTV Stuttgart), Emma Malewski (TuS Chemnitz-Altendorf), Pauline Schäfer-Betz (KTV Chemnitz) und Elisabeth Seitz (MTV Stuttgart) noch lange nicht geboren waren, als die bisher letzten Olympischen Sommerspiele in Deutschland über die Bühne gingen, sind sie sich der Tatsache bewusst, dass die Heim-EM in diesem Umfeld etwas Besonderes ist. „Für freuen uns alle extrem auf München“, erklärt Sarah Voss, zumal durch die relative Nähe auch viele Familienmitglieder und Freunde die Möglichkeit haben, bei den Wettkämpfen dabei zu sein. „Hinzu kommt, dass Kim Bui uns offenbart hat, dass sie ihren letzten internationalen Wettkampf bestreiten wird. Das macht das Ganze noch mal emotionaler“, betont Voss mit Blick auf die 33-Jährige, die schon seit 23 Jahren turnt.

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Klar, dass Voss & Co. der Grande Dame des deutschen Turnsports gerne dabei helfen würden, sich gebührend von der großen Bühne zu verabschieden. Dazu gehört ganz sicher auch, mit Deutschland das Finale der besten acht Mannschaften am Samstag zu erreichen. „Da wollen wir unbedingt hin“, sagt Voss. Insofern kommt der Qualifikation am Donnerstag gleich in mehrerlei Hinsicht eine ganz besondere Rolle zu. Zum einen geht es darum, genügend Punkte für die Teamwertung zu sammeln, die Leistungen an den vier Geräten gehen aber auch in eine Mehrkampfwertung ein, für die auch Medaillen vergeben werden, und dienen als Qualifikationskriterien für die Gerätefinals am Sonntag.

Apropos Medaillen, so erfolgreich die Dormagenerin Sarah Voss auf nationaler Ebene in den vergangenen Jahren auch war, bei den großen internationalen Meisterschaften ging sie bislang noch leer aus. Am dichtesten dran war sie bei ihrer zweiten EM-Teilnahme 2018 in Glasgow, als sie am Sprung den vierten Platz belegte. Bei ihren dritten Europameisterschaften vergangenes Jahr in Basel im Vorfeld der Olympischen Spiele von Tokio erreichte sie kein Gerätefinale, was sie in München naturgemäß liebendgerne ändern würde. Die größten Chancen rechnet sie sich am Sprung aus, wo zwei unterschiedliche Sprünge Voraussetzung sind. Die hat sie auf jeden Fall drauf. Und auch am Schwebebalken traut sie sich die Qualifikation für die besten Acht zu. „Natürlich habe ich den Traum von meiner ersten EM-Medaille. Aber ich schaue von Tag zu Tag, wie sich der Wettkampf entwickelt“, sagt Voss. Ein Vorteil könnte es für sie und die anderen deutschen Turnerinnen sein, dass Russland als führende europäische Nation im Geräteturnen wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine von den European Championships ausgeschlossen wurde.