1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Säblfechter Benedikt Wagner trainiert nach Covid 19-Infektion wieder

Fechten : Wagner trotz Rückschlag schon wieder obenauf

Nach seiner Corona-Erkrankung ist der Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen ins Training zurückgekehrt und brennt auf Olympia.

Gibt es im Leben von Benedikt Wagner auch schlechte Tage? Natürlich, die gibt es. Der 18. März zum Beispiel. Ein düsterer Tag. Da bestätigte sich der Verdacht, dass sich der Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen beim mit der Mannschaft auf Platz zwei abgeschlossenen Weltcup-Turnier in Budapest ebenso wie sein Freund und Vereinskollege Matyas Szabo mit der britischen Corona-Mutation B.1.1.7. infiziert hat. Und das gut vier Monate vor den Olympischen Spielen in Tokio. Eine Katastrophe.

Film ab für das Kopfkino: Der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler, bei der EM in Warschau am Wochenende als Titelverteidiger schon nach dem ersten Kampf ausgeschieden, litt extrem unter seiner Corona-Infektion, büßte mehr als 20 Prozent seiner Leistungsfähigkeit ein. Fußballer Ilkay Gündogan klagte nach seiner Erkrankung im Herbst über Fieber, Glieder-, Hals- und Kopfschmerzen, dazu Geschmacksverlust. „Es war körperlich extrem anstrengend“, berichtete er. „Ich hatte das Gefühl, dass mein Immunsystem komplett runterfährt.“

  • Die Nervosität muss raus: Anna Limbach
    Fechten : Road to Tokyo: Es kann nur eine geben
  • Zeigte gegen Hanau eine starke Leitung:
    Jugendhandball : Starke Leistung des TSV zum Wiedereinstieg
  • Ein Mann und eine Frau gehen
    Drei Monate vor Olympia : Tokio ruft Corona-Notstand aus

Doch Wagner, den alle Fechter Peter rufen, weil es zu Beginn seiner Karriere am Höhenberg einfach zu viele Benedikts gab, tappte nicht in die Grübelfalle. Schon zu Beginn der zweiwöchigen Quarantäne stellte er fest: „Bis jetzt haben sich alle Sportler wieder erholt, keiner hat bleibende Schäden davongetragen. Ich bin fest davon überzeugt, dass man sich nicht mit negativen Berichten zuballern darf und so in eine Negativspirale gerät.“

Tatsächlich zieht der 30-Jährige aus Rückschlägen sogar Kraft. 2016 zum Beispiel, das Olympia-Ticket für Rio als Team-Weltmeister von 2014 hauchdünn verpasst, holte er bei der Europameisterschaft in Polen den Titel. Im Halbfinale gegen den Russen Kamil Ibragimow lag er schon mit 8:14 hinten, setzte dann aber alle weiteren Treffer und siegte noch mit 15:14. Auch im mit 15:13 gewonnenen Finale gegen den Franzosen Vincent Anstett war er 0:6 und 4:8 ins Hintertreffen geraten.

Mit bewundernswerter Zuversicht meisterte er auch die Monate der Rehabilitation nach seiner Operation an der gerissenen Patellasehne vor etwas mehr als einem Jahr, just als er mit Max Hartung, Matyas Szabo, Richard Hübers (alle Dormagen) und Björn Hübner-Fehrer (Werbach) beim Weltcup-Turnier in Luxemburg die Qualifikation für Tokio geschafft hatte.

Seiner ansteckend positiven Einstellung zum Leben vermochte auch das vermaledeite Virus nichts anzuhaben. „Ich bin wieder gesund“, sagt er – und das klinkt aus seinem Mund irgendwie federleicht. Um Gewissheit über seinen Gesundheitsstatus und die körperliche Belastbarkeit zu bekommen, hat er sich in die Obhut der mit dem Olympiastützpunkt NRW/Rheinland kooperierenden Ärzte der Deutschen Sporthochschule Köln begeben. Die unterzogen ihn vor der Rückkehr ins Training einem umfassenden internistisch-kardiologischen Gesundheitscheck – unter anderem mit Laboruntersuchungen, Lungenfunktionsprüfung, Ruhe-EKG, Belastungs-EKG (Ergometrie), Spiroergometrie und Herz-Ultraschall.

War er zum Einstieg noch froh, „mich überhaupt wieder bewegen zu dürfen“, ist er inzwischen wieder fast bei 100 Prozent. „Ich bin fit – und werde immer fitter.“  Also alles easy peasy? Selbstverständlich nicht. „Während der Quarantäne war es schon doof“, gibt er zu. „Ich habe mir schon so meine Gedanken gemacht. Man liest ja so viel über Long-Covid, die mit Corona verbundenen Langzeitfolgen. Im Gegensatz zu Matyas, der nur über Kopfschmerzen und eine verstopfte Nase klagte, hatte ich das volle Programm: Fieber, Kopfweh, Halsschmerzen, Schlappheit. Ich war so müde, dass ich die Nachmittage fast komplett verpennt habe. Dazu traten wieder Probleme am operierten Bein auf.“  

Auch wenn er „gerade als immun“ gilt, ist er noch vorsichtiger geworden, was seine Kontakte anbelangt. Nur nichts riskieren. „Wir sind wohl mit einem blauen Auge davongekommen, es hat uns genau an der 100-Tage-Schwelle getroffen. Somit bleibt bis zu den Sommerspielen noch genug Zeit.“ Schließlich will er die Millionenmetropole im Land des Lächelns nicht als Tourist erkunden. „Ich will da mit dem Team und im Einzel Erfolg haben.“ Und leise fügt er hinzu: „Im Moment geht es mir ganz gut, aber wir haben gelernt, dass man immer achtsam sein muss.“