Fußball-Landesliga Rückkehr zu den sportlichen Wurzeln in Kapellen

Kapellen · Als Eigengewächs schaffte Patrick Becker beim SC Kapellen den Durchbruch im Seniorenfußball, hatte aber in den vergangenen Jahren keinen Kontakt mehr. Am Sonntag reist er mit der Holzheimer SG zum Landesliga-Derby an.

 Patrick Becker (r.) als junger Spieler im Trikot SC Kapellen. Am Sonntag kehrt er mit der Holzheimer SG nach vielen Jahren zu seinem Heimatverein zurück.

Patrick Becker (r.) als junger Spieler im Trikot SC Kapellen. Am Sonntag kehrt er mit der Holzheimer SG nach vielen Jahren zu seinem Heimatverein zurück.

Foto: M. Reuter

So richtig erinnern kann sich Patrick Becker nicht, wann er das bislang letzte Mal im Jupp-Breuer-Stadion, früher Erftstadion, war. „Vor fünf, sechs Jahren habe ich mir dort mal ein Spiel angeschaut“, sagt der inzwischen 31-Jährige. Es gab Zeiten, da verbrachte er viele Stunden seines Lebens dort, denn nach der Jugendzeit in seinem Heimatverein gehörte er zu einer Generation von Eigengewächsen, die im gelb-schwarzen Dress in der Fußball-Oberliga unter Trainer Markus Anfang für Furore sorgten. Aber auch wenn die Eltern weiter in Kapellen leben, zog es ihn sportlich, beruflich und privat ins Bergische Land. Doch nun wollen es die Irrungen und Wirrungen des Lebens so, dass Becker am Sonntag fast neun Jahre nach seinem letzten Spiel für den SCK und ziemlich genau zwei Jahre nach seinem letzten Punktspieleinsatz anlässlich des Landesliga-Derbys ausgerechnet in Kapellen im Trikot der Holzheimer SG sein Meisterschafts-Comeback feiern könnte.

„Da werden viele Erinnerungen hochkommen, das war eine tolle Zeit beim SC Kapellen. Aber ein großes Wiedersehen auf persönlicher Ebene kann es nicht geben, weil mittlerweile die handelnden Personen im Verein im Vergleich zu früher ganz andere sind“, erklärt Patrick Becker. Dass er damals seinen sportlichen Wurzeln kappte, hatte einerseits damit zu tun, dass es nach dem Weggang des so beliebten Trainers Markus Anfang einen Umbruch gab, andererseits hatte Becker auch andere Vereine auf sich aufmerksam gemacht und erhielt attraktive Angebote. Zwar stellte sich das Engagement beim Ligakonkurrenten TuRU Düsseldorf als riesiger Irrtum heraus, doch anschließend fand Becker nicht nur sportlich sein Glück im Bergischen Land, wo er mit seiner damaligen Freundin und heutigen Frau zusammenzog. Nach zwei Spielzeiten beim Oberligisten SF Baumberg wechselte der Mittelfeldspieler zum FC Monheim, weil er wegen Beruf und begleitendem Studium in der Bezirksliga bewusst kürzertreten wollte. Doch dann gelang unter Trainer Dennis Ruess ein Durchmarsch bis in die Oberliga, wo Becker sogar die Kapitänsbinde trug.

„Dort hatte ich ohne Zweifel meine sportliche erfolgreichste Zeit, bin aber auch extrem enttäuscht worden“, sagt Becker. Als er nämlich 2018 in Form eines Nerventumors im Rücken, der sich im Nachhinein zum Glück als gutartige herausstellte, einen gesundheitlichen Schicksalsschlag erlebte und kurzfristig operiert werden musste, vermisste Becker die Unterstützung des Vereins. „Das Erste, was ich zu hören bekommen habe, war, wann ich meine Klamotten abgeben soll“, erinnert sich Becker. Weil der Fokus anschließend zunächst auf der Genesung lag, rutschte der Fußball ganz weit nach hinten in der Prioritätenliste und als er wieder durfte, ging es in der Saison 2019/20 beim Bezirksligisten HSV Langenfeld nur darum, mit ein paar Freunden Spaß beim Kicken zu haben. Doch mit dem Spaß war es spätestens in der Rückrunde vorbei, als die Saison wegen Corona abgebrochen werden musste. Dann kam für die Spielzeit danach eine Anfrage vom Landesligisten SC Reusrath, dort ins Trainerteam einzusteigen. Da zögerte Patrick Becker nicht lange, denn schon als junger Spieler hatte er sich von Markus Anfang für die Arbeit als Coach gerade im taktischen Bereich begeistern lassen. In dieser Zeit entstand dann auch der erste Kontakt zu Hamid Derakhshan, Cheftrainer bei der Holzheimer SG. „Ich habe mal eine taktische Analyse eines Gegners für ihn erstellt. Als er dann später mitbekam, dass ich mich privat wieder in Richtung Kapellen orientiere, hat er mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, ins Trainerteam der HSG einzusteigen“, erklärt Patrick Becker. In seinem Heimatort hat er auf einem Grundstück neben seinem Elternhaus zusammen mit seiner Schwester ein Haus für die beiden Familien geplant, der Baubeginn soll bald erfolgen.

„Patrick ist nicht nur ein cooler Typ, sondern auch ein akribischer und sehr ehrgeiziger Trainer. Er bringt sehr viel Erfahrung mit und hilft, wo er kann“, sagt Hamid Derakhshan über seinen Co-Trainer. Doch schon kurz nach der Bekanntgabe von Beckers Rückkehr in der Rhein-Kreis Neuss im Frühjahr 2021 machte der HSG-Coach keinen Hehl daraus, dass er sich auch gut vorstellen könnte, dass der Neuzugang im Idealfall auch auf dem Feld weiterhelfen könnte. Lust hat Becker schon, doch weil er noch in Langenfeld wohnt und als Projektleiter bei Covestro beruflich stark beansprucht ist, erreicht er nicht das Trainingspensum, das nötig wäre, um sein volles Leistungsvermögen zu erlangen. Deswegen will er auch vor dem Derby am Sonntag in Kapellen den Ball flach halten.

 „Comeback ist ein großes Wort. Mir fehlt einfach die Zeit, um mich optimal vorzubereiten“, sagt Becker, der auch nicht davon ausgeht, dass sich das alsbald ändert. Vor vier Wochen ist er nämlich Vater eines Sohnes geworden, und dann beginnt ja demnächst auch noch der Hausbau. Allerdings ist die personelle Lage in der Mittelfeldzentrale der Holzheimer aktuell derart angespannt, dass Becker gar nicht umhinkommt, sich zur Verfügung zu stellen. Am Dienstag bei der Niederlage im Kreispokal-Halbfinale beim VfL Jüchen-Garzweiler feierte er als Einwechselspieler sein Debüt im HSG-Trikot, am Sonntag könnte ausgerechnet in Kapellen der erste Einsatz in der Meisterschaft folgen. Becker: „Ich bin bereit, mich einzubringen, aber nur, wenn ich helfen kann. Wir müssen schauen, was das Beste für die Mannschaft ist.“

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