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Rudern: Schwester übergibt Cecilia Sommerfeld die EM-Silbermedaille

Rudern : Gänsehautmoment bei der Siegerehrung

Cecilia Sommerfeld vom Neusser Ruderverein erhält bei U23-EM die Silbermedaille quasi aus den Händen ihrer älteren Schwester.

Der Sport schreibt einfach immer noch die besten Geschichten. Weil es für sie ganz normal ist, sich ehrenamtlich für andere zu engagieren, hatten sich Helena Spanke und Louisa Sommerfeld vom Neusser Ruderverein als Volunteers (freiwillige Helfer) für die im Sportpark Wedau ausgetragenen U23-Europameisterschaften beworben. Ihr Job: Gold, Silber und Bronze zu den unter strengen (Corona-)Auflagen mit Medaillen geehrten Gewinnern zu bringen. Eine an sich schon hochemotionale Angelegenheit – die in Duisburg sogar noch eine Steigerung erfuhr: Nach Platz zwei mit dem deutschen Leichtgewichts-Doppelvierer gab es für Cecilia „Cece“ Sommerfeld das verdiente Edelmetall quasi aus den Händen der älteren Schwester. Mehr Gefühl geht eigentlich nicht mehr. „Ich glaube, als sie ihrer Schwester die Ehre erwies, habe ich ein kleines Tränchen in Louisas Augen gesehen“, sagte der beim Neusser RV für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit zuständige Bernhard Spanke. Auch Cece Sommerfeld genoss diesen kostbaren Moment: „Das war großartig.“

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Genau wie die Leistung der gesamten Mannschaft. Obwohl erst seit vier Wochen in einem Boot, ließen es Sommerfeld, Pia Otto (Kölner RV), Natalie Weber (Koblenzer RC Rhemania) und Antonia Würich (Marbacher RV) krachen. „Wir wussten ja, wie stark die Italienerinnen waren, darum wollten wir unsere Geschwindigkeit auch auf dem mittleren Stück beibehalten“, verriet die 19-Jährige. Das sah in der Praxis dann so aus: Bei 250 Metern lag „Team Germany“ mit fast einer halben Länge vor den Topfavoritinnen, auch die 500m-Marke überquerten die Mädels von Trainer Frank Decke mit einem Luftkasten Vorsprung als Erste. Bei 1000 Metern trennten die der Konkurrenz längst enteilten Spitzenboote nur noch Siebenhundertstelsekunden, damit ging es Bug an Bug auf die zweite Streckenhälfte. Trotzdem blieb der wachsame Blick auf die Verfolger aus Frankreich und den Niederlanden gerichtet. „Denn sicher sein kannst du dir nie.“

Dass der Mut am Ende nicht mit Gold belohnt wurde, grämte Cece Sommerfeld nicht eine Sekunde, ganz im Gegenteil: „Wir haben uns sehr, sehr gefreut.“ Und ihre Teamkollegin Antonia Würich ergänzte: „Wir haben in den vergangenen Wochen viel Arbeit investiert, und das hat sich jetzt ausgezahlt.“

Genauso war’s. Die „Silver Girls“ waren im Vorfeld der EM für einen kompletten Monat unzertrennlich, brachten sich im Trainingslager am Essener Baldeneysee mit drei Einheiten pro Tag (!) in Form und schliefen in einer Ferienwohnung in Velbert. Für die Neusserinn keine außergewöhnliche Situation, sondern einfach „der normale Ryhthmus vor großen Wettkämpfen“. Rudern als Ausdauersportart erfordere nun mal erhebliche Trainingsumfänge. „Aber uns hat das super viel Spaß gemacht“, versichert sie.

Im Gegensatz zu ihrer Vereinkameradin Cosima Clotten, die im olympischen Doppelzweier der Leichtgewichte nach EM-Bronze in Duisburg mit ihrer Partnerin Luise Asmussen (Vegesacker RV) noch die Europameisterschaften im A-Bereich ansteuert (9. bis 11. Oktober in Polen), muss Cece Sommerfeld auf den nächsten sportlichen Höhepunkt lange warten. Die U23-WM im tschechischen Racice findet erst im August 2021 statt. Schwer beschäftigt ist sie in den kommenden Monaten trotzdem. Genauso konsequent wie ihren Sport verfolgt die 19-Jährige auch ihre berufliche Karriere. Nach dem Abitur am Gymnasium Marienberg – in einer Jahrgangsstufe mit ihrer Klubkollegin Olivia Clotten – startet sie schon in der nächsten Woche in ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Malteser Rettungsdienst Neuss. Das dient als Vorbereitung auf das im Anschluss ins Visier genommene Medizinstudium. Und auch das Rudern auf höchstem Niveau soll weiterhin eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielen. „Das mit dem Training muss man irgendwie passend machen.“