Rudern: Olivia Clotten wurde zur NGZ-Sportlerin des Monats gewählt.

NGZ-Sportler des Monats : Beim Rudern kommt es auch auf die Socken an

Durch ihren erfolgreichen WM-Auftritt krönte sich Ruderin Olivia Clotten zur NGZ-Sportlerin des Monats August.

Von außen betrachtet wirkt es, als müsste man etwas verrückt sein, um in der Welt des Ruderns zu bestehen. Für Olivia Clotten hingegen gehören schmerzende Hände, der Glaube an glückbringende Socken oder Training um sechs Uhr morgens zum Alltag. Allerdings gibt die 17-Jährige zu, dass frühe Trainingseinheiten auch ihr gelegentlich schwer fallen.

Letztlich steigt die Athletin des Neusser Rudervereins doch ins Boot, denn Ruderer sind Teamplayer: „Wenn die Motivation mal fehlt, sind wir Sportler füreinander da. Zusammen geht es einfach besser“, sagt Clotten. Der Neusserin liegt viel am Verhältnis zu ihren Trainingskolleginnen. Sie hat erkannt, wie wichtig Harmonie und Kommunikation im Rudern sind. Auf dem Wasser läuft der Austausch dabei meist nur einseitig ab.

Hier ist es die Steuerfrau, die den Ton angibt. In den Pausen kommen dann alle zu Wort. Dabei geht es auch schon mal hitzig zu, die Fetzen fliegen aber nicht. „Nein, wir sind fair zueinander. Jeder darf offen die Dinge ansprechen, die stören“, sagt Clotten. Meistens ist es Trainer Christian Stoffels, der entscheidet, wie es für seine Sportlerinnen nach Diskussionen weitergeht. Was Stoffels sagt, hat Gewicht, denn er ist der Verantwortliche für Top-Leistungen. „Er hat wohl den größten Anteil am Erfolg. Er organisiert viele Abläufe und ist ansonsten immer für uns da“, sagt die NRV-Athletin, die 2013 vom Hockey zum Rudern gewechselt war „Am Anfang habe ich damals versucht, beide Sportarten parallel zu machen. Als die ersten Erfolge im Rudern kamen, bin ich dann voll umgestiegen“, erinnert sie sich.

Die Entscheidung von damals hat sie seither nicht bereut, auch wenn es stressige Zeiten gibt, in denen sich beispielsweise Training und Klausuren überschneiden. Dann hilft es, nicht die einzige Ruderin in der Familie zu sein. Auch Schwester Cosima ist für den NRV erfolgreich. Eine Rivalität gibt es zwischen den beiden nicht, da Cosima, anders als Olivia, in der Leichtgewichts-Klasse antritt. Stattdessen sind die Schwestern, besonders im Winter, füreinander da, wenn Ergometertraining an die Stelle des Sommertrainings auf dem Wasser tritt. „Auf dem Ergometer kann es echt eintönig sein. Da muss ich mich einfach durchbeißen“, erklärt die NGZ-Sportlerin des Monats. Dass sich die Schmerzen des vergangenen Wintertrainings gelohnt haben, zeigt ihre persönliche Zwischenbilanz für 2019: „Es war ein gutes Jahr für mich, in dem ich mit dem zweiten Platz bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Tokio meinen bislang größten Erfolg feiern konnte.“

Um erst einmal einen Platz im Tokio-Achter zu ergattern, musste sie zuvor ihre Form bei der Selektionswoche in Hamburg unter Beweis stellen. „Ob es klappt, hängt nur von der Leistung ab“, stellt Clotten klar, die dementsprechend eine Reihe von Tests absolvieren musste. Bei 2000 Metern auf dem Ergometer, einem Stufentest, Untersuchungen, Laktatmessungen und einer Schlag-Analyse wurde ihr alles abverlangt, doch die Anstrengung hat sich gelohnt. Ein Wettkampf in Japan bedeutete für das deutsche Team zwangsläufig elf Stunden im Flieger und anschließenden Jetlag. Clottens größte Herausforderung  war jedoch nicht die Schlafumstellung, sondern das Wetter: „Es hat mich erstmal umgehauen. Feuchte Luft und Hitze sind nicht mein Ding“, sagt die NRV-Ruderin. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig: Die japanische Küche, die den deutschen Gaumen durchaus strapazieren kann, sowie mehrstündige Transfers zum Wettkampfort. Das alles ging an Clotten nicht spurlos vorbei: „Ich musste mich schon ab und zu hinlegen“, gibt sie lachend zu. Trotz der suboptimalen Ausgangslage hatte das deutsche Team ein ambitioniertes WM-Ziel ausgerufen: „Wir wussten, dass es hart werden würde, wollten aber gewinnen. Falls es nicht reichen sollte, war das Ziel wenigstens eine Medaille.“

Obwohl die 17-Jährige wettkampferprobt ist, machte sich am entscheidenden Tag auch bei ihr Aufregung breit. „Ich habe mir dann eingeredet, dass ich nicht nervös wäre, wirklich geholfen hat das aber nicht,“ sagt Clotten. Dass es nicht komplett schiefgehen konnte, dürfte ihr jedoch klar gewesen sein, schließlich vertrauen Ruderinnen bei wichtigen Wettkämpfen auf Glückssocken. Am Effekt der Socken scheint etwa dran zu sein: Bei den Junioren-Weltmeisterschaften rauschte der deutsche Achter nur knapp am Titel vorbei, gefeiert wurde am Abschlussabend aber trotzdem.

Zurück in Deutschland geht die Saison nun weiter. Noch drei Wettkämpfe stehen für das NRV-Talent an. Am Wochende geht es für Clotten zur Krefelder Ruder-Regatta, wo sie wieder zuschlagen möchte. Die Glückssocken sind dann natürlich auch wieder mit im Gepäck.

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