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Ruderin Cecilia Sommerfeld ist die NGZ-Sportler des Monats Juli

NGZ-Sportlerin des Monats : Einsame Spitze im Boot und an der Uni

Die WM-Dritte Cecilia Sommerfeld vom Neusser Ruderverein studiert an der Elitehochschule in Princeton. Am 3. September geht es für sie zurück in die USA.

Wer sich mit Cecilia Sommerfeld unterhält, ist besser vorbereitet. Denn die 21-Jährige, von allen kurz „Cece“ gerufen, wählt ihre Worte mit Bedacht. Mit Belanglosigkeiten hält sich die Ruderin des Neusser RV erst gar nicht auf. Sie fällt ihrem Gesprächspartner nicht ins Wort und – ein höchst sympathischer Zug in diesen von Lautsprechern und Plappermäulern dominierten (Krisen-) Zeiten –, sie hört zu. Wer sich darauf einlässt, findet in ihr einen Menschen, mit dem sich herrlich unaufgeregt (tatsächlich) über Gott und die Welt reden lässt.

Diese ganz und gar angenehme Erfahrung haben offensichtlich auch die Menschen in ihrer Umgebung gemacht. Und weil davon praktischerweise viele die Neuß-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) lesen, wählten sie die Neusserin nach Platz drei bei den auf dem Lago di Varese in Norditalien ausgetragenen U23-Weltmeisterschaften zur „Sportlerin des Monats Juli“. Ihre diesem Votum zugrunde liegende Sturmfahrt aufs Siegerpodest im „leichten Zweier ohne“ an der Seite von Anna Händle (Würzburg) schildert sie so: „Bei 800 Metern habe ich gesehen, dass wir nicht so gut lagen, da hab ich dann Gas gegeben. Und das hat ja dann gut geklappt.“ Eine Bronzemedaille mit Ansage. Ziemlich genau vor einem Jahr hatte sie mit ihrer damaligen Partnerin Antonia Michaels (Hamburg) gegen nahezu identische Konkurrenz Silber bei der U23-WM im tschechischen Racice geholt.

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Dass es nun in Italien abermals Edelmetall gab, war freilich kein Selbstläufer, hatte sie ihr findiger Trainer Christian Stoffels doch erst kurz vor den mit dem Titel abgeschlossenen Deutschen U23-Meisterschaften auf dem Fühlinger See in Köln mit Anna Händle zusammengebracht. Ein Speed-Date wie im Traum. „Wir haben uns von Anfang an super verstanden – auch außerhalb des Bootes“, sagt die Ausdauerathletin, im Frühjahr 2019 mit gerade mal 17 schon einmal „NGZ-Sportlerin des Monats“.

Spontanes Teambuilding ist im Rudern indes fast üblich, denn weil das dieser sowohl im physischen als auch im psychischen Bereich extrem fordernden Sportart zugetane Klientel zumeist recht smart und zudem äußerst diszipliniert daherkommt, nimmt die akademische Ausbildung eine Hauptrolle ein. Das ist bei Cece Sommerfeld nicht anders. Nach dem Abitur am Gymnasium Marienberg und dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) beim Malteser Rettungsdienst Neuss verabschiedete sie sich zum Studium in die USA. Sie entschied sich gegen die renommierte Stanford University in Kalifornien mit dem benachbarten Silicon Valley und für Princeton im Bundesstaat New Jersey, das mit Brown, Columbia, Cornell, Dartmouth, Harvard, Pennsylvania und Yale zu den prestigeträchtigsten Universitäten nicht nur in den Vereinigten Staaten zählt. Diese Elite-Colleges bilden im Hochschulsport die berühmte Ivy League.

Ausgestattet mit einem Sportstipendium beginnt für die Neusserin der Tag nun regelmäßig schon um 6 Uhr mit knackigem Ruder- und Krafttraining vor dem Seminar. Eigentlich eine ziemliche Tortur, „aber in der Gruppe geht das schon“, versichert die 21-Jährige, die im Studium der Chemie den Vorzug vor der Medizin gegeben hat. „Ich mag das, aktiv in den Tag zu starten, bin früher auch immer mit dem Fahrrad zur Schule gefahren.“ Probleme mit der Sprache hat sie nicht. „Meine Mutter stammt aus den USA.“ Und obgleich der Alltag im eher ruhigen Princeton wenig Glamour versprüht, ist für Unterhaltung gesorgt. „Bis nach New York sind es nur anderthalb Stunden.“ Sie fühlt sich wohl in der Universitätsstadt mit ihren knapp 7000 Studierenden, plant, die vollen vier Jahre zu bleiben und an den Bachelor-Abschluss womöglich noch ein Masterstudium zu hängen.

Bis es am 3. September zurückgeht, ist freilich noch einiges zu erledigen: Nach dem Besuch der European Championships in München und den Einsätzen im Bundesliga-Achter der Bonner RG gemeinsam mit ihrer Schwester Louisa sowie den Vereinskolleginnen Alina Stammen und Paula Kuhn soll es nächste Woche noch rauf auf die 2962 Meter hohe Zugspitze und natürlich zum Neusser Schützenfest gehen. In Deutschland ist sie dann erst wieder im Dezember: am Morgen des Heiligen Abends.