Rudern Ruderer trotzen Wetter, Wind und Wellen

Neuss · Tag des Rudersports: Verbandspräsident Siegfried Kaidel gibt beim Neusser Ruderverein den bundesweiten Startschuss für die Saison.

 Ein seltenes Bild: Drei Kirchboote einträchtig nebeneinander auf dem Rhein. Möglich machte das der "Tag des Rudersports", den der Neusser Ruderverein gestern anlässlich seines Jubiläums ausrichtete. Verbandspräsident Siegfried Kaidel gab dabei den Startschuss zur bundesweiten Wandersaison.

Ein seltenes Bild: Drei Kirchboote einträchtig nebeneinander auf dem Rhein. Möglich machte das der "Tag des Rudersports", den der Neusser Ruderverein gestern anlässlich seines Jubiläums ausrichtete. Verbandspräsident Siegfried Kaidel gab dabei den Startschuss zur bundesweiten Wandersaison.

Foto: A. Woitschützke

Das Wetter war - natürlich - eines der beherrschenden Themen auf der windgepeitschten Terrasse des Bootshauses an der Grimlinghauserbrücke: "Aber wir Ruderer sind das ja gewöhnt", sagt Hiltrud Döhmen. Die Medizinerin, seit zwei Jahren 2. Vorsitzende des Neusser Rudervereins, kennt sich da bestens aus, sitzt sie doch seit 41 Jahren im Boot - 1976 in Montreal im Achter des Deutschen Ruderverbandes, der im olympischen Finale Platz fünf belegte.

 Verbandspräsident Siegfried Kaidel überreicht Heide Barth den "doppelten Äquatorpreis", Bürgermeister Herbert Napp applaudiert.

Verbandspräsident Siegfried Kaidel überreicht Heide Barth den "doppelten Äquatorpreis", Bürgermeister Herbert Napp applaudiert.

Foto: NRV

Da war das Wasser bei weitem nicht so kabbelig wie gestern Mittag, als Ruderverbands-Präsident Siegfried Kaidel mit dem "Tag des Rudersports" den offiziellen Startschuss zur bundesweiten Saison im Wanderrudern gab. Dass er das symbolische Flaggensignal erst setzen konnte, als die meisten Ruderer schon geduscht und umgezogen mit dem ersten Tagesbier in der Hand vor dem Bootshaus des Neusser Rudervereins standen, nahm der 63-Jährige mit Humor: "Bei diesem Wind waren die einfach zu schnell für mich."

 Ruderveteranen: Während sich Otto Saarbourg an den "Tag des Rudersports" im Jahre 1970 erinnerte, feierte Paul Peiffer (r.) seine Premiere im Kirchboot.

Ruderveteranen: Während sich Otto Saarbourg an den "Tag des Rudersports" im Jahre 1970 erinnerte, feierte Paul Peiffer (r.) seine Premiere im Kirchboot.

Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Das blieb, abgesehen davon, dass das Bootsspektakel ein paar mehr Schaulustige verdient gehabt hätte, der einzige Schönheitsfehler der dritten Großveranstaltung innerhalb von acht Tagen, die der Neusser Ruderverein anlässlich seines 100-jährigen Bestehens ausrichtete. Es soll nicht die letzte im Jubiläumsjahr gewesen sein, wie Vorsitzender Joachim Goetz versichert: "Wir planen in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv noch eine Ausstellung in der Sparkasse."

 Windzerzaust, aber gut gelaunt: Joachim Goetz, Hiltrud Doehmen und der Vorsitzende des Deutschen Ruderverbandes Siegfried Kaidel (v.l.).

Windzerzaust, aber gut gelaunt: Joachim Goetz, Hiltrud Doehmen und der Vorsitzende des Deutschen Ruderverbandes Siegfried Kaidel (v.l.).

Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Genügend Material sollte vorhanden sein. Schließlich ist der NRV mit knapp 600 Mitgliedern nicht nur derb größte Ruderverein in Nordrhein-Westfalen, sondern, so Kaidel, "ein Vorzeigeverein innerhalb des Deutschen Ruderverbandes." Er kenne nicht viele, die "Breiten- und Leistungssport so unter einem Dach vereinen wie der Neusser RV", sagt der Verbandschef, der selbst Vorsitzender des Schweinfurter Ruderclubs ist.

Rudern: Ruderer trotzen Wetter, Wind und Wellen
Foto: Verein

Was ursächlich mit der Wanderruderriege zusammenhängt. "Sie ist seit Jahren bundesweit die Nummer eins, was die Zahl der Ruderkilometer angeht", weiß Kaidel. Der allerdings sichtlich überrascht war, dass es neben "Weltrekordler" Christoph Stephan, der jährlich rund 15 000 Kilometer zurücklegt und inzwischen bei 550 000 Kilometern angelangt ist, noch weitere "Kilometerfresser" in den Neusser Reihen gibt: So überreichte er Heide Barth den "doppelten Äquatorpreis" für ihre geruderten 83 895 Kilometer - den "einfachen" gibt's nach der ersten Erdumrundung, was genau 40 077 Kilometer ausmacht.

Gestern stand nur die vergleichsweise kurze Distanz bis zur Fleher Brücke und zurück auf dem Programm. Neben dem eigenen, auf den Namen des Stadtpatrons "Quirinus" getauften Kirchboot hatte der NRV zwei weitere dieser mit 14 Ruderern und einem Steuermann besetzten Großboote ins "Rennen" geschickt, "weil wir da Jung und Alt am besten mischen können", sagt Joachim Goetz. Eines der "älteren" Besatzungsmitglieder ist Paul Peiffer, der dabei seine "Kirchboot-Premiere" feierte: "Eigentlich bin ich ja eher ein Freund kleiner Boote, aber das hat Spaß gemacht", sagt der 73-Jährige, der seit 1955 NRV-Mitglied ist. So viel Spaß, dass er das Boot gleich für eine Ausfahrt mit seinem rudernden Schützenzug "Promenademischung" reserviert hat.

Wobei die Neusser in der vergleichsweise komfortablen Situation sind, nicht nur den Rhein direkt vor der Haustür zu haben, sondern mit Sandhofsee und dem Industriehafen auch über "zwei erstklassige Trainingsstrecken vor allem für das Leistungsrudern" zu verfügen, sagt Bürgermeister Herbert Napp und kündigt die Fertigstellung des neuen Trainingszentrums am Hafenbecken I für das kommende Jahr an.

Nicht alle Vereine sind so gut dran: "Viele fürchten um ihre Rudergewässer", sagt Siegfried Kaidel mit Blick auf die geplante Änderung des Bundeswasserstraßengesetzes, "wir müssen darum kämpfen, weiter überall rudern zu können." Das ist nichts Neues. Schon 1970, beim letzten "Tag des Rudersports" in Neuss, hatte sein Vorgänger Klaus Hess zu diesem Thema seine warnende Stimme erhoben. Damals war Otto Saarbourg als "Hauswart" für die Organisation des Festes verantwortlich. Gestern durfte der inzwischen 88-Jährige, seit 68 Jahren Mitglied im NRV, den Tag einfach nur genießen - auch wenn das Wetter nur durchwachsen war.

(NGZ)
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