Reitsport : RSV gelingt historischer Triumph

Mit dem siebten Deutschen Meistertitel in Folge haben die Voltigiererinnen des RSV Neuss-Grimlinghausen in Alsfeld einen neuen nationalen Rekord aufgestellt. Trainerin Jessica Schmitz konnte dabei auch verschmerzen, dass es im gestrigen zweiten Kürdurchgang einige Patzer gab

Alsfeld Die Voltigiererinnen des RSV Neuss-Grimlinghausen haben bei den 50. Deutschen Meisterschaften einen historischen Erfolg errungen. Im hessischen Alsfeld sicherten sich die Pferdeakrobatinnen den siebten nationalen Titel in Folge (2006 bis 2012) und sind in dieser Statistik nun alleiniger Spitzenreiter.

Das Endergebnis deutet auf einen ähnlich souveränen Durchmarsch wie bei allen vorangegangenen Wettkämpfen dieser Saison hin. 8,287 Punkte verbuchen die Neusserinnen im Endergebnis – über sechs Zehntel mehr als der bayrische Dauerrivale vom VV Ingelsberg (7,659). Doch beim allerletzten Test vor den Weltmeisterschaften im französischen Le Mans vom 15. bis 19. August verliefen in der Hessenhalle nur zwei der drei Durchgänge zur absoluten Zufriedenheit der Schützlinge um Trainerin und Longenführerin Jessica Schmitz.

Nach einem überragenden Pflichtauftakt mit neun Zehntel Punkten Vorsprung (die NGZ berichtete in ihrer Samstagausgabe) folgte am Samstag eine ebenso souveräne Kürdarbietung. Jeder Handgriff saß, beinahe jede Übung wurde exakt ausgeturnt. Selbst kleinere Unsicherheiten konnten die jungen Damen elegant kaschieren. 8,986 lautete die überragende Wertnote für den RSV. Ingelsberg kam auf 8,433. Bundestrainerin Ulla Ramge schwelgte in Zuversicht und wahrscheinlich schon WM-Titelträumen. "Neuss ist einfach eine sichere Bank", analysierte die 49-Jährige.

Am gestrigen Finaltag der Meisterschaft verlief dann allerdings nicht alles wie geplant. Die Turnerinnen rutschten mehrfach von der Schaumstoffunterlage und aus dem Gurt, retteten einige Passagen der schwierigen Kürchoreografie nur hauchdünn ins Ziel. Die Unsicherheiten machten sich auch auf den Wertungsbögen bemerkbar. 8,576 Punkte erhielten die Rheinländerinnen. Das war – ausnahmsweise – nur Rang zwei. Das Team Ingelsberg, welches sauber und nahezu fehlerfrei durch die Darbietung gekommen war, kassierte eine 8,583 und damit den Tagessieg. Schmitz freute sich dennoch über ein gelungenes Wochenende.

Die 31-Jährige empfand Pferd Arkansas im zweiten Umlauf sogar noch etwas besser als in Durchgang eins. Dass sich ihre Schützlinge den einen oder anderen Fauxpas leisteten, sah die Eventmanagerin als nicht allzu gravierend an. Ganz im Gegenteil. "Aus diesen Kleinigkeiten ziehe ich ein positives Fazit", erklärte die Sportwissenschaftlerin. Selbst so kurz vor dem Championat. Getreu dem Motto: Besser jetzt als bei der WM. "Heute sind Fehler passiert, die im Training noch nie vorgekommen sind. Aber daraus können wir lernen. An einer Stelle müssen wir etwas länger warten, an der anderen etwas besser auf Haltung und Haftung achten", analysierte Schmitz.

Dass sie mit dem Triumph einen neuen Serien-Rekord aufgestellt hat, hatte ihr ihr Freund Arne im Übrigen am Vorabend des Finals nach ausgiebiger Recherche per Telefon mitgeteilt. "Davon wollte ich vor dem Start aber nichts wissen", sagte die fokussierte Erfolgstrainerin.

Nach der Meisterehrung wurde ihr bewusst, welch historischer Erfolg den RSV-Akrobatinnen gelungen ist. Die bisherige Bestmarke stand bei sechs Siegen in Folge, aufgestellt von einem Team aus Stuttgart zwischen 1972 und 1978. Die Pferdeakrobatinnen vom Nixhof konnten diesen Rekord nun nach 34 Jahren knacken. "Das macht mich natürlich stolz", kommentierte Schmitz.

(daka)