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Ringerin Laura Mertens NGZ-Sportlerin des Monats November

NGZ-Sportlerwahl des Monats : Ein ganzes Leben für den Traum von Tokio

Die Ringerin Laura Mertens hat ihr großes Ziel trotz diverser Rückschläge nie aus den Augen verloren.

  New York, Rom, Tokio. Im Idealfall sieht so Laura Mertens’ Fahrplan aus. Die erste Station hat die Ringerin des AC Ückerath schon abgehakt. Im „Big Apple“ gab die 26-jährige Dormagenerin ihr Wettkampfcomeback nach zwölfmonatiger Verletzungspause. Für den dritten Platz in Amerika und die Vizemeisterschaft bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften erhielt Mertens die Auszeichnung zur Sportlerin des Monats. Doch die Ziele der sympathischen Kampfsportlerin reichen weit über die Grenzen des Rhein-Kreises hinaus.

Sucht man im Lexikon nach dem Begriff „Powerfrau“, dürfte es als Definition eigentlich reichen, wenn man ein Bild von Laura Mertens beifügt. Mertens ist Spitzensportlerin in einer Amateursportart. Das bedeutet für eine Athletin in Deutschland ohnehin schon enormen Kraftaufwand. Laura Mertens musste auf dem Weg zu ihrem großen Traum jedoch noch zusätzliche Rückschläge verkraften. Ihr großer Traum sind die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020. Ihr Wille und ihre Hingabe, diesem Ziel alles unterzuordnen, sind so gestärkt wie nie zuvor. Die Geschichte, wie Mertens eine „Jetzt-erst-Recht-Mentalität“ entwickelte und nie die Hoffnung verlor, kann jedem als Vorbild dienen.

Sommer 2016. Kurz vor den Qualifikationsturnieren für die Olympiade in Rio de Janeiro kommt es zum ersten Rückschlag. Im letzten Kampf vor den entscheidenden Quali-Kämpfen, die über die Plätzevergabe für Olympia entscheiden, verletzt sich Laura Mertens am Innenband. Der Traum vom Olympiastart ist geplatzt. „Danach fragt man sich natürlich, ob man nochmal vier Jahre auf die nächste Olympiade hinarbeitet“, sagt Mertens. Doch die Dormagenerin, die beim AC Ückerath trainiert, ist eine Kämpfernatur. Sie richtet ihr ganzes Leben auf die Olympischen Spiele in Tokio aus. Bereits mit 16 Jahren zog Mertens aus Aachen nach Dormagen ins Sportinternat. Am Bundesstützpunkt für Ringen entdeckte sie damals die optimalen Trainingsbedingungen für sich. „Ich habe mich damals bewusst entschieden, nach Dormagen zu ziehen. Jetzt lebe ich des Ringens wegen hier“, erklärt Mertens. Die 1,63 große Ringerin verkörpert seitdem den Vorzeige-Leistungssportler. Neun bis zehn Trainingseinheiten sowie regelmäßige Lehrgänge mit der Nationalmannschaft sind fester Bestandteil ihres Spitzensportlerlebens – und das trotz Ausbildung zur und Arbeit als Ergotherapeutin bei der medicoreha in Neuss. Die ersten internationalen Erfolge nach der Verletzung sollten nicht lange warten  2017 holte sie Bronze bei der EM, 2018 wurde sie Fünfte.

Ende 2018 dann der erneute Schock. Nach langen Hüftschmerzen und einer daraus resultierenden Arthroskopie musste Mertens wieder pausieren. „Ich hatte einen Ärzte-Marathon hinter mir. Ich wusste nicht mehr, ob ich weitermachen kann“, schildert die gebürtige Aachenerin. Doch die OP im April diesen Jahres und die anschließende Reha verliefen nahezu optimal. Nach dem Comeback in New York und bei den Mannschaftsmeisterschaften flog die Ringerin vom AC Ückerath zum Jahresabschluss mit dem Nationalkader ins Trainingslager ins türkische Belek. „Ich bin froh,  wieder so schnell zurück zu sein. Die Verletzung hat meine Motivation nochmal gestärkt“, zeigt sich Mertens kämpferisch. Den großen Traum hat sie nie aus den Augen verloren. Trotz aller Rückschläge.

Mittlerweile ist Tokio viel mehr als nur ein Traum. Es ist ein klares Ziel. Die nächste Etappe lautet dabei Rom. Auf dem World-Ranking-Turnier in der italienischen Hauptstadt will sich Mertens dem Bundestrainer wieder aufdrängen. Denn am Ende entscheidet der Bundestrainer, wer zu den Quali-Turnieren fährt und um die Olympischen Tickets kämpft. Nominiert wird nämlich nur eine Kämpferin pro Gewichtsklasse. In Mertens Gewichtsklasse (bis 57 Kilogramm) gibt es drei weitere Konkurrentinnen. „Da muss ich abliefern“, weiß Mertens ganz genau.

Auch wenn Mertens selbst von sich sagt, „dass die Mentalität nicht zu ihren Stärken gehöre“, ist sie gewappnet für das Olympische Jahr. „Ich hab ein gutes Gefühl“, sagt die Dormagenerin.

Info Der Trainingsgutschein der medicoreha Neuss geht an Tanja Vellen aus Neuss. Der Gutschein wird auf dem Postweg zugeschickt