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Ringer-Revue: Das Programmheft des KSK Konkordia Neuss

Ringen : Ringer-Revue schreibt Sportgeschichte(n)

Das seit 1982 zu jedem Heimkampf des KSK Konkordia Neuss erscheinende Programmheft ist selbst zu einem Zeitdokument geworden.

Auch mit fast 76 Jahren hat Hermann J. Kahlenberg noch Träume. Wenn der 1924 gegründete KSK Konkordia Neuss in drei Jahren 100 wird, will der Ehrenvorsitzende bei den Olympischen Sommerspielen in Paris einen Ringer des Kraftsportklubs auf der Matte sehen. „Und die Ringer-Revue berichtet darüber.“

So wie 2016, als Kampfrichter Michael Faller in erster Linie Deutschland, aber eben auch seinen Heimatverein bei Olympia in Rio de Janeiro vertrat. Oder wie 1988 mit dem KSK als Ausrichter des „Großen Preises der Bundesrepublik Deutschland“ in der Neusser Eissporthalle. „Da gab es Ärger“, erinnert sich Kahlenberg: „Weil Deutschland statt Bundesrepublik auf dem Banner stand, musste das über Nacht geändert werden, sonst wäre das Team der DDR abgereist.“

 Olympia-Grüße 1988: Die DFB-Kicker Wolfgang Funkel, Jürgen Klinsmann, Thomas Häßler & Co. holten Bronze.
Olympia-Grüße 1988: Die DFB-Kicker Wolfgang Funkel, Jürgen Klinsmann, Thomas Häßler & Co. holten Bronze. Foto: KSK



Grüße aus Seoul Das Programmheft war schon damals fast sensationell aktuell. Darauf, dass „wir noch in der Nacht nach der Waage alle Paarungen eingedruckt haben“, ist er immer noch genauso stolz wie auf die hochkarätige Besetzung: „Von den Teilnehmern in Neuss wurden acht Ringer im gleichen Jahr Olympiasieger in Seoul.“ Aus Südkorea kamen damals auch Grüße der deutschen Fußballer, die unter Trainer Hannes Löhr († 29. Februar 2016 in Köln) Olympia-Bronze holten. Die unter anderem von Wolfgang Funkel, Jürgen Klinsmann, Karl-Heinz Riedle, Frank Mill, Uwe Kamps und Thomas Häßler unterschriebene Karte schaffte es natürlich ebenfalls in die „Ringer-Revue“.



Kaleidoskop an Themen Denn die Macher schauten stets über den eigenen Tellerrand hinaus, bildeten die ganze Vielfalt des Sportgeschehens nicht nur in der Stadt Neuss ab: Kommentare, Grußworte, Ereignisse, Ergebnisse (immer wieder vom hocherfolgreichen Max Schwindt), Aktionsfotos, Portraits und Veranstaltungen wie Tandemtag, Jakob-Koch-Turniere, Autogramme mit Grüßen bekannter Sportgrößen an den KSK und eigene Recherchen  gehörten ebenso zum festen Programm wie historische Stücke, das legendäre Fussball-Turnier der Konkordia, der Preis des KSK auf der Neusser Galopprennbahn, Künstler mit ihren Zeichnungen sowie Radierungen unter anderem von Boris Fröhlich, Anatol, Michael Kortländer und Wilfried Küfen. Es gab Portraits von Nachbarvereinen, den Pressespiegel sowie Berichte von nationalen und internationalen Turnieren, der Talentsichtung und -Förderung des LSB an Schulen und Kitas. Nicht fehlen durften natürlich Neuigkeiten vom ringende Pater Wolfgang, der zwei Jahre für den KSK auf der Matte stand.

Dabei waren die Anfänge höchst bescheiden. Zum 50-jährigen Vereinsbestehen am 18. Mai 1974 gab der KSK Konkordia Neuss erst das dritte Programmheft nach dem Neuaufbau 1958 heraus. Wenige Texte und einige Anzeigen, die das Heft finanzieren sollten, bildeten den Inhalt. „Vom Anzeigenerlös gingen 30 Prozent an den Vermittler, die Kosten trug der Verein – auch den Ärger“, sagt Kahlenberg, der beim KSK noch im gleichen Jahr vom Posten des Geschäftsführers auf den des Vorsitzenden wechselte, rückblickend.

 Am 11. September 1982 erschien zum Oberligakampf gegen den KSV Rheydt die erste Ausgabe der Ringer-Revue.
Am 11. September 1982 erschien zum Oberligakampf gegen den KSV Rheydt die erste Ausgabe der Ringer-Revue. Foto: KSK



Premiere von „sport aktuell“ In Ludger Baten, damals Sportredakteur der Neuß-Grevenbroicher-Zeitung (NGZ), fand er einen kompetenten Partner, der auch die finanzielle Seite im Auge hatte. „Denn letztendlich sollte ja auch Geld übrigbleiben, um den Sportbetrieb zu finanzieren.“ Ab 1980 erschienen in Zusammenarbeit mit dem 1. NTTC Nordstadt 38 die ersten Ausgaben von „sport aktuell“. Der KSK sorgte für die Texte aus der Ringerszene, Kahlenberg kommentierte mit „So sehe ich es“ das Geschehen auf der Matte und im Verein. Im Impressum tauchten nun neben Ludger Baten Autoren wie Manfred Schillings, Michael Scheffler und Meinolf Sprink auf. Bis 1985 wurde das gemeinsame Heft unter der Leitung von Werner Arndt (NTTC) und Hermann J. Kahlenberg (KSK) herausgegeben.



Investition in die Zukunft Indes: Das Sonderheft zur Deutschen Mannschaftsmeisterschaft der B-Jugend 1981 in Neuss geriet zum finanziellen Flop. Der für die Texte verantwortliche Ludger Baten sah es als „Investition in die Zukunft“ – und er sollte recht behalten. Zum Oberliga-Heimkampf des KSK am 11. September 1982 gegen den KSV Rheydt lag die erste Ausgabe der „Ringer-Revue“ vor, noch selbst gestaltet und zum Druck vorbereitet. Später ging der Auftrag an die Druckerei Wenger, nach Geschäftsaufgabe übernahm die Firma Decker. Federführend hier Sascha Krieg, der auch beim aktuellen Partner „Das Druckhaus“ für die Ringer zuständig ist. Beim Schreiben wurde Kahlenberg über die Jahre von Gastautoren wie Meinolf Sprink, Volker Koch, Ludger Baten, Michael Faller und Karl-Heinz Schwirz unterstützt, die Fotos lieferten vor allem Philipp Gross, Wolfgang Maes, Hans Jazyk, Andreas Woitschützke, Lore von der Linde, Gustav Schröder, Michael Reuter, Lothar Berns, Gerd Motes und Oliver Stach. Die öffentliche Anerkennung blieb nicht aus. Kahlenberg: „Beim 1. Wettbewerb des Landessportbundes 1988 belegte unser Heft den zweiten Platz, beim 2. LSB-Wettbewerb 1993 den ersten. Wir gewannen auch den Wettbewerb der NGZ.“

 Zu Beginn der 1980-Jahre wurde „sport aktuell“ noch mit dem 1. NTTC Nordstadt 38 herausgegeben.
Zu Beginn der 1980-Jahre wurde „sport aktuell“ noch mit dem 1. NTTC Nordstadt 38 herausgegeben. Foto: KSK



Ehrenamtliches Engagement Obwohl die 310. und vorerst letzte Ausgabe vom 5. Dezember 2020 wegen der Corona-Pandemie und dem Abbruch der Bundesliga-Saison nicht mehr in der Halle verteilt werden konnte, zähle die „Ringer-Revue“ auch nach 38 Jahren noch immer zu den bekanntesten Programmheften in der Ringerszene, sagt Kahlenberg. „Und weil alle ehrenamtlich mitmachen und auf jegliche Bezahlung verzichten, geht der Gewinn nach Abzug der Kosten voll an den KSK Konkordia Neuss.“ Der 75-Jährige, der den Vereinsvorsitz im Dezember 2012 nach fast vier Jahrzehnten abgegeben hatte, hat seit Heft 1 fast alle Anzeigen akquiriert und dabei nach eigener Rechnung mehr als 500.000 Euro eingenommen. „Damit kann der Sportbetrieb beim KSK auf hohem Niveau mit Unterstützung Externer aufrecht erhalten werden.“ Darum wird er weitermachen, rund vier Stunden am Tag ist er für die Ringer immer noch im Einsatz. „Das ist gut für den Kopf.“