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Ringen: Ringer kämpfen um ihr Olympia-Ticket

Ringen : Ringer kämpfen um ihr Olympia-Ticket

Dass Ringen ab 2020 nicht mehr olympisch sein könnte, entsetzt auch die Kampfsportler im Rhein-Kreis Neuss.

Hermann J. Kahlenberg ist ein Kämpfer. Und darum ist der ehemalige Vorsitzende des KSK Konkordia Neuss trotz der Entscheidung des Weltverbandes, Ringen 2020 aus dem olympischen Programm zu nehmen, nicht in Resignation verfallen. Ganz im Gegenteil sogar. "Ich persönlich bin guter Dinge, dass Ringen doch im Programm bleibt. Und das ist jetzt kein Zweckoptimismus."

Seine sofort in Angriff genommene Recherche hat ergeben, "dass der Ringkampfsport weltweit in 177 Ländern angeboten wird. In einigen Ländern ist Ringen sogar die Sportart Nummer eins — so wie bei uns der Fußball. Die Proteste werden also riesig sein." Das kann Michael Faller nur bestätigen. Den Kampfrichter aus Neuss, dessen Ziel die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio sind, erreichten seit Dienstag ungezählte E-Mails aus der ganzen Welt. "Der Papst-Rücktritt ist irgendwie kein Thema mehr. Alle sind fassungslos, geschockt — und sind dabei, sich zu verbünden. Türken mit Russen, Russen mit Amerikanern ..."

Unmittelbar betroffen ist von dem drohenden Olympia-Aus fürs Erste nur die Deutsche Vizemeisterin Anna Holtz vom KSK Konkordia Neuss. Die 17-Jährige wäre 2020 genau im richtigen Alter für Olympia. Die amtierende Junioren-Europameisterin Nina Hemmer (AC Ückerath) ist dagegen schon für Rio eine heiße Kandidatin. Trotzdem sieht Detlev Zenk, Vorsitzender des AC Ückerath, natürlich die langfristige Gefahr: "Ohne die Möglichkeit, sich bei Olympia zu präsentieren, nimmt man vor allem den Frauen, die keinen Ligabetrieb haben, die Motivation."

Michael Scharf, Leiter des Olympiastützpunktes Rheinland, sieht in dem möglichen Ausschluss "einen eindeutigen Verstoß gegen die olympischen Werte", rät aber von "Kurzschlussreaktionen dringend ab". So sei etwa der Bundesstützpunkt für Frauenringen in Dormagen vorerst nicht bedroht: "Da Ringen 2016 noch olympisch ist, sollte die Förderung gesichert sein. Ich glaube nicht, dass man morgen die Schlüssel ziehen kann in Dormagen ..."

Der Wegfall der Bestandsgarantie für das Ringen bei Olympia über das Jahr 2020 hinaus müsse nicht zwangsläufig das Ende aller Hoffnungen bedeuten, erklärt Scharf. Jetzt sei der Verband gefragt, "der muss seine Hausaufgaben machen. Die Diskussion ist noch nicht zu Ende". Bei der Fila ist man sich dessen durchaus bewusst. Präsident Raphael Martinetti hat bereits angekündigt, bei der Exekutiv-Sitzung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Ende Mai in St. Petersburg mit einer starken Präsentation aufzutrumpfen. Dass sich das Ringen dann unter anderem der Konkurrenz von Wakeboarden und der Kampfsportart Wushu stellen muss, findet Michael Faller schon ein bisschen befremdlich: "Davon habe ich noch nie in meinem Leben gehört."

Kahlenberg empfiehlt derweil, sich wieder mehr auf den Kern des Ringens zu besinnen und dabei auch vor harten Eingriffen nicht zurückzuschrecken: "Ich sage nicht, dass man das Damenringen streichen soll, aber ich finde es falsch, es so in den Fokus zu stellen. Das Allheilmittel habe ich auch nicht, vielleicht wäre die Beschränkung auf Freistil Herren denkbar." Die Zukunft des KSK sieht er im Übrigen nicht gefährdet: "Wir können auf treue Sponsoren bauen. Und der Zulauf im Nachwuchsbereich ist unverändert hoch. Da macht sich das Konzept bezahlt, das Ganze sozial aufzustellen."

(NGZ/rl)