1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Ringer des KSK Konkordia Neuss bereiten sich auf Bundesliga-Start vor

Ringen : Ringer starten ins Abenteuer Bundesliga

17 Vereine nehmen am 3. Oktober den Kampfbetrieb in der Ringer-Bundesliga auf. Aufsteiger Neuss gehört der Gruppe Nordwest an.

Da waren’s nur noch 17. Bis Ende Juli hatten die Vereine der Ringer-Bundesliga Zeit, sich zu erklären, ob sie in der Corona-bedingt nach hinten verschobenen Saison 2020 auf die Matte steigen wollen. Das Angebot, ihr Team ohne Sanktionen abzumelden, nahmen neun der ursprünglich 26 Klubs an – die übrigen nehmen, auf drei Staffeln verteilt, am 3. Oktober den Kampfbetrieb auf.

Für den KSK Konkordia Neuss war eine Abmeldung seines Bundesliga-Teams keine Option. Acht Jahre nach dem freiwilligen Rückzug aus dem Oberhaus und dem mit der NRW-Vizemeisterschaft 2019 verbundenen Wiederaufstieg dorthin „waren die Jungs alle heiß darauf, zu kämpfen,“ sagt Hermann J. Kahlenberg. Der Ehrenvorsitzende, der den KSK fast ein halbes Jahrhundert prägte, ist auch acht Jahre nach seinem offiziellen Abschied von der Vereinsspitze immer noch mehr als nur die graue Eminenz im Hintergrund.

Auch wenn er im früheren Bundesliga-Ringer Fatih Cinar (39) inzwischen einen Mann gefunden hat, der sich um die sportliche Entwicklung kümmert. Und dem Trainergespann Oleg Dubov und Erich Marjalke tatkräftig zur Hand geht. Das Trio stürzt sich mit einem blutjungen Team ins Abenteuer Bundesliga, das den Neussern in der Gruppe Nordwest Altmeister KSV Witten, den ASV Mainz, den SV Alemannia Nackenheim und Mitaufsteiger Wrestling Tigers Untere Nahe als Gegner beschert. Die Kampfgemeinschaft aus TSV Langenlonsheim-Laubenheim, VfL Bad Kreuznach und RE Büdesheim, die ihre Heimkämpfe in der Bad Kreuznacher Jahnhalle austrägt, stellt sich am 3. Oktober als erster Gegner in der Neusser Stadionhalle vor.

In den Augen von Hermann J. Kahlenberg gleich eine Standortbestimmung: „Für uns ist das eine Saison zum Lernen,“ sagt der Ehrenvorsitzende. Schließlich sind zwölf Ringer aus dem insgesamt 23 Namen umfassenden Kader erst zwischen 17 und 19 Jahre alt. Doch genau sie sind, mit Deni Nakaev (18) und den Brüdern Aaron (17) und Samuel Bellscheidt (19) an der Spitze, die Hoffnungsträger – um die in Neuss ausgebildeten Talente in Neuss zu halten, haben die Neusser das Abenteuer Bundesliga ja überhaupt nur gewagt.

Weil das aber alleine mit dem Oberliga-Team der vergangenen Saison nicht zu stemmen gewesen wäre, haben Fatih Cinar und Co. den Ringermarkt nach Verstärkungen abgesucht. Kein leichtes Unterfangen: „Deutsche Ringer zu verpflichten, war für uns nicht machbar,“ sagt Kahlenberg, „deren finanzielle Forderungen konnten wir nicht bezahlen.“ Zu viele Athleten mit ausländischem Pass dürfen es aber auch nicht sein, weil das negative Auswirkungen auf das selbst in Kahlenbergs Augen „hoch komplizierte, aber sehr gute“ neue Punktsystem hätte, das der Deutsche Ringerbund für seine oberste Liga eingeführt hat.

In Kurzfassung: Jeder Ringer wird vor Saisonbeginn mit Punkten bewertet, in die Nationalität und Erfolge einfließen. Deutsche Ringer „kosten“ grundsätzlich nur einen Punkt, haben sie Erfolge bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften vorzuweisen, werden ihre Punkte sogar abgezogen. Am anderen Ende der Skala bewegen sich ausländische Top-Stars, die acht Zähler aufgebrummt bekommen. Die Mannschaft, die am Kampftag auf die Matte tritt, darf in ihrer Gesamtheit 28 Punkte nicht überschreiten – und nur einen „klassischen Ausländer“ und vier EU-Ringer aufweisen.

Fünf deutsche Ringer in der Aufstellung sind Pflicht, was das Ganze mit Blick auf Gewichtsklassen und Stilarten zu einer Art Puzzlespiel macht. Doch zu einem, das den Neussern mit ihren vielen „Eigengewächsen“ Vorteile bescheren sollte. Denn in einem sind sich Ehrenpräsident, Sportlicher Leiter und das Trainerteam einig: Stehen in einer Gewichtsklasse zwei oder mehr Ringer zur Verfügung, „hat immer der Neusser Vorrang,“ erläutert Hermann J. Kahlenberg. Was so oft aber nicht vorkommen wird: Im Moment kämpfen die Athleten eher darum, das Gewicht für ihre angestammte Kategorie zu halten – offensichtlich wird es Zeit, dass die Saison startet.