1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Ringen: KSK Konkordia Neuss legt ein beeindruckendes Comeback hin

Ringen : KSK legt ein beeindruckendes Comeback hin

Im ersten Bundesliga-Kampf nach acht Jahren bezwingen starke Neusser Ringer die Wrestling Tigers Rhein/Nahe deutlich mit 22:7. Am kommenden Samstag geht’s zum ersten Auswärtskampf beim ehemaligen Deutschen Meister ASV Mainz 88.

Ringen ist in Neuss wieder in. In normalen Zeiten, also ohne Corona-Krise und ihre vermaledeiten, wenn auch dringend nötigen Hygienebestimmungen, „hätten wir heute wahrscheinlich 1000 Zuschauer  gehabt“, durfte Robert Talaska, seit Anfang August Vorsitzender des KSK Konkordia Neuss, unwidersprochen feststellen. Die lange Schlange am Eingang der wie verbarrikadiert wirkenden Stadionhalle gab ihm recht. „Wir mussten Leute nach Hause schicken“, bestätigte Nicole Schulz, im neuen Vorstand für die Finanzen zuständig. Rund 200 Zuschauer, ausgestattet mit  Mund-Nasen-Masken, durften schließlich rein – und wurden Zeugen eines überaus beeindruckenden Comebacks.

Acht Jahre nach dem Rückzug aus dem deutschen Oberhaus meldeten sich die Neusser Ringer mit einer Klasseleistung zurück, fertigten den keineswegs schwachen Mitaufsteiger Wrestling Tigers Rhein/Nahe unerwartet deutlich mit 22:7 ab. Einen Vortrag, den selbst Ehrenvorsitzender Hermann J.  Kahlenberg als „sensationell“ adelte. Nicht der Erfolg, aber seine Höhe überraschte auch Fatih Cinar, als 2. Vorsitzender und Sportlicher Leiter in Diensten des KSK stehender Berufsoptimist. „Dass es so klar wird, hätte ich echt nicht gedacht.“ Die Dramaturgie:

1) Klasse bis 57 Kilogramm (Freistil): Vladimir Tumparov - Ahmed Alfaraj 10:22 (0:3 Mannschaftspunkte). Dem in der vergangenen Saison mit der SU Witten-Annen noch gegen die Zweitvertretung des KSK um den Titel kämpfenden Routinier ging nach furiosem Auftakt (8:8 zur Pause nach drei Minuten) schlichtweg die Puste aus.

2) 130 kg (Griechisch-Römisch): Dariusz Vitek - Martin Otto 10:1 (3:0). Der Ungar, Dritter der Junioren-WM, beherrschte den erfahrenen Bundesliga-Ringer der Gäste nach Belieben, ließ es, gesundheitlich leicht angeschlagen, nach deutlicher Halbzeitführung (9:1) in den zweiten drei Minuten ruhiger angehen.

3) 61 kg (G): Ahmed Aruhanov - Martin Scherer 5:11 (0:2). Das 18 Jahre alte Eigengewächs der Konkordia war für Cinar die „Überraschung des Abends“. Aruhanov gestattete seinem mit allen Wassern gewaschenem Rivalen, dessen Vater Markus Scherer 1984 Silber bei den Olympischen Spielen in Los Angeles geholt hatte, nämlich nur zwei Punkte für das Gesamtergebnis.

4) 98 kg (F): Adlan Tasuev - Stefan Kehrer 13:3 (3:0). Der für Neuss tätige Weißrusse zermürbte den „Straßenkämpfer“ aus Rheinland-Pfalz, immerhin mehrfacher Deutscher Meister in der Gewichtsklasse bis 97 Kilogramm.

5) 66 kg (F): Ayub Musaev - Alexandru Chirtoaca 15:0 (4:0). Der international für Belgien ringende auch erst 18 Jahre alte Neusser zerlegte den auf diesem Niveau hocherfahrenen Rumänen in 4:23 Minuten nach allen Regeln der Kunst und bescherte den Hausherren zur Pause eine 10:5-Führung.

Den erfreulichen Zwischenstand nahm Cinar ziemlich entspannt zur Kenntnis, versprach aber, sehr zum Leidwesen des da noch energisch mitgehenden Gästetrainers Karl-Heinz Helbing (Olympia-Bronze 1976), schmunzelnd: „Das wird noch besser!“ Und das stimmte.

6) 86 kg (G): Julian Lejkin - Vaslie Tsaran 5:1 (2:0). Obwohl ebenfalls gerade mal 18, blieb Lejkin nach 0:1-Rückstand erstaunlich cool und sicherte im zweiten Kampfabschnitt mit drei Punkten in Folge den Sieg ab.

7) 71 kg (G): Iwan Tagner - Daniel Meiser 4:11 (0:2). Die letzte von nur drei Niederlage der Neusser. Tagner (17) bewies dabei jedoch Nehmerqualitäten und verkürzte nach einem 0:10-Rückstand noch auf 4:11.

8) 80 kg (F): Daniel Sartakov - Maximilian Otto 15:0 (4:0). Ein 4:42-minütiges Dokument der totalen Dominanz. Den Freistil-Experten hatte der KSK kurzfristig als Ersatz für den erkrankten Imran Daurbekov verpflichtet. Eigentlich stand Sartakov beim Westrivalen KSV Witten unter Vertrag, doch der siebenmalige Deutsche Meister hat sich nach einem positiven Test-Ergebnis eines seiner Athleten sowie zahlreicher Kontaktpersonen, die sich inzwischen in Quarantäne befinden, nach Rücksprache mit dem DRB abgemeldet. Auch die  Ostermann-Halle ist bis zum 18. Oktober gesperrt.

9) 75 kg (F): Lom-Ali Eskijev - Arkadiusz Böhm 16:1 (4:0). Der Vollkontakt-Kampfsportler (Mixed Martial Arts) ist einer der Publikumslieblinge in Neuss. In der Oberliga ungeschlagen, sorgt der 28-Jährige nun auch in der Eliteklasse für Furore und machte fünf Sekunden vor dem Schlusssignal seinen vier Punkte bringenden Kantersieg perfekt.

10) 75 kg (G): Samuel Bellscheidt - Vladislav Iranov 5:0 (2:0). Keine Probleme für den 19-jährigen Bellscheidt, für Talaska „der Topstar der Mannschaft.“

Für Kahlenberg steht derweil fest: „Der Gegner hat uns ganz offensichtlich unterschätzt.“ Weiter geht es für den KSK am Samstag beim ASV Mainz 88, Deutscher Meister 1973, 1977 und 2012.