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Ringen: Ex-Weltmeister Frank Stäbler bringt Glanz nach Neuss

Ringen : Ex-Weltmeister bringt Glanz nach Neuss

Im Duell der Generationen bezwingt Frank Stäbler (32), Bronzemedaillengewinner der olympischen Sommerspiele in Tokio, Aaron Bellscheidt, 18 Jahre altes Toptalent des Ringer-Bundesligisten KSK Konkordia. Heilbronn gewinnt in Neuss mit 27:5.

Nach dem vorletzten Kampf im von Anfang an ungleichen Duell des Tabellenführers mit den personell arg geschwächten Gastgebern brachte Horst Faller, Mitglied im Ehrenrat des KSK Konkordia Neuss, dessen Expertise als international hochgeehrter Kampfrichter auch nach dem Ende seiner Jahrzehnte umspannenden Karriere immer noch zählt, die Bedeutung des Augenblicks auf den Punkt: „Es gibt nur zwei deutsche Ringer, die dreimal Weltmeister geworden sind: Maik Bullmann, der zusätzlich noch Olympiasieger ist, und Frank Stäbler.“

Das machte für Aaron Bellscheidt die genau 4:17 Minuten dauernde Lektion bis zu seiner 0:15-Niederlage immerhin erträglicher, zufrieden war der ehrgeizige Nachwuchsmann freilich nicht mit seiner Leistung. „Ich hatte von mir schon ein bisschen mehr erwartet.“ Umso offener zeigte er sich für die Tipps des Ausnahmeringers. „Er hat mir geraten, ich solle mehr nach vorne gehen, die Initiative ergreifen.“ Am Willen scheiterte es nicht, aber an der Umsetzung. „Er hört nach dieser Saison auf, das war also die letzte Chance, mal gegen ihn zu ringen“, sagte Bellscheidt und fügte einordnend hinzu: „Seine aktive Karriere geht zu Ende, ich dagegen kann noch zwei Jahre bei den Junioren ringen.“

 Kampfrichter Nikolai Schum sieht, dass der dreimalige Weltmeister Frank Stäbler im Duell mit dem jungen Aaron Bellscheidt alles in Griff hat.
Kampfrichter Nikolai Schum sieht, dass der dreimalige Weltmeister Frank Stäbler im Duell mit dem jungen Aaron Bellscheidt alles in Griff hat. Foto: Dirk Sitterle
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Für die meisten seiner Teamkollegen war ebenfalls nichts holen. Nur drei Kämpfe gingen über die vollen sechs Minuten. So dauerten die ersten drei Auseinandersetzungen zusammen nur 5:47 Minuten: Der ohnehin mit Übergewicht angetretene Ahmed Aruhanov hatte in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm bei seiner Niederlage nach nur 49 Sekunden auf Schulter gegen Dogus Ayaczi ebenso keine Chance wie Ilyias Abdurashidov (61 kg), den Recep Topal nach 55 Sekunden aufs Kreuz legte. Der im Schwergewicht (bis 130 kg) eingesprungene Fatih Cinar hielt beim 0:15 gegen Andre Timofeev immerhin 4:02 Minuten durch. Damit sah der hinterher völlig ausgepumpte Sportliche Leiter der Hausherren seine Aufgabe als erfüllt an: „Mein Ziel waren drei Minuten, das habe ich geschafft.“

 Atempause: Frank Stäbler in der Neusser Stadionhalle.
Atempause: Frank Stäbler in der Neusser Stadionhalle. Foto: Gerd Motes

Beim Studium des Mannschaftsprotokolls war Horst Faller und dem KSK-Ehrenvorsitzenden Hermann J. Kahlenberg allerdings aufgefallen, dass für den in dieser Bundesliga-Saison erstmals eingesetzten Timofeev kein Pass vorlag und damit nicht zu überprüfen war, ob der eingetragene Wert von 28 Mannschaftspunkten tatsächlich stimmte. Im Protokoll vermerkte Kampfrichter Nikolai Schum daraufhin: „Wir bitten den Deutschen Ringer-Bund um Überprüfung der Gesamtpunktzahl.“ Am Tag darauf sorgte Carsten Schäfer (DRB) für Aufklärung: Timofeev, Dritter der Deutschen Freistil-Meisterschaften 2019 im saarländischen Riegelsberg, geht als aus dem eigenen Nachwuchs stammender Athlet mit einer „-2“ in die Wertung ein. Alles in Ordnung also.

Damit lag der Spitzenreiter schon zu diesem Zeitpunkt mit 12:0 vorne. Erst Routinier Bogdan Eismont, der zum ersten Mal seit Januar 2019 für die Red Devils auf die Matte ging, musste beim 0:2 in einem verbissen geführten Duell mit Julian Lejkin (98 kg) den ersten Punkt abgeben, ehe der bärenstarke Iraner Abdolmohammad Papi (66 kg) mit seinem technisch überlegenen Punktsieg über den zwar beim KSK ausgebildeten, nach seiner Ausweisung aus Deutschland aber für Polen auch international tätigen Tschetschenen Arslanbek Salimov für den 16:1-Pausenstand sorgte.

Den erhöhte Taimuraz Friev (86 kg) mit seinem Schultersieg nach 61 Sekunden über den jungen Adam Bachor auf 20:1. Die Klasse bis 71 Kilogramm ließ der Primus unbesetzt, womit KSK-Topmann Ayub Musaev kampflos vier Punkte einstrich. Deni Nakaev (80 kg) wehrte sich beim 3:10 gegen Yunus Emre Basar nach Kräfte, im „Finale“ gab Lom-Ali Eskijev (75 kg) im Revanche-Fight gegen den Ex-Neusser Daniel Sartakov neun Sekunden vor Schluss einen 4:2-Vorsprung noch aus der Hand.