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Ringen: Corona legt den KSK Konkordia Neuss nicht aufs Kreuz

Ringen : Corona legt den KSK nicht aufs Kreuz

Trotz des schmerzlichen Abbruchs der Bundesliga-Saison blicken die Ringer der Konkordia recht zuversichtlich in die Zukunft. Schon jetzt steht fest, dass sie auch 2021 mit einer Mannschaft in der deutschen Eliteklasse starten wollen.

Am Freitag wählte Fatih Cinar schweren Herzens eine Mobilnummer in Ungarn. Am anderen Ende der Leitung Dariusz Vitek, dem der Sportliche Leiter des KSK Konkordia Neuss die traurige Nachricht zu übermitteln hatte, dass der Schwergewichtler den bereits gebuchten Flug nach Deutschland nicht mehr anzutreten brauche. Denn schon da stand fest, dass nicht nur der für Samstag vorgesehene Kampf beim SV Alemannia Nackenheim, sondern gleich die ganze Saison der Ringer-Bundesliga abgesetzt worden war. In der kurz zuvor beendeten Videokonferenz der eh nur noch elf verbliebenen Klubs (von anfänglich 26) war das Votum mit 5:6-Stimmen gegen eine Fortführung ausgefallen.

Das Ergebnis der Abstimmung traf den dabei neben Cinar noch durch den Vorsitzenden Robert Talaska und Nicole Schulz (Vorstand Finanzen) vertretenen KSK, der ebenso wie der ASV Mainz 88 (mit den Neussern in der Gruppe Nordwest angetreten), ASV Schorndorf, SC Siegfried Kleinostheim (beide Südost) und der KSV Köllerbach (Südwest) unbedingt hatte weitermachen wollen, wie ein Hammer. „Wir waren fest davon ausgegangen, dass sich die geforderten acht Mannschaften finden werden“, sagt Cinar. Aber Variante 2, im November ohne Zuschauer weiterzumachen, fiel ebenso durch wie Variante 3, die Saison für vier Wochen zu unterbrechen, in der Hoffnung, danach wieder vor Publikum ringen zu können. Selbst der SV Wacker Burghausen, seit 2018 dreimal in Folge Deutscher Meister, stimmte für den Abbruch. „Es ist schade, dass wir die Saison nicht zu Ende bringen können, aber aus momentaner Sicht wäre es wirklich schwierig gewesen, bis zu einer Endrunde durchzukommen“, begründete Abteilungsleiter Jürgen Löblein: „Ohne Zuschauer wäre eine Saison für uns auch nicht weiter finanzierbar gewesen.“ Der KSK wäre dazu bereit gewesen. Cinar: „Zur Not wären wir nach dem vierwöchigen Lockdown auch ohne Zuschauer wieder an den Start gegangen, dann hätten wir die Heimkämpfe eben im kostenlosen Livestream übertragen.“ 

Noch in der vergangenen Woche hatten sich die Schützlinge der Trainer Oleg Dubov und Erich Marjalke unter Volldampf auf das bevorstehende Duell mit Nackenheim vorbereitet. So arbeitete im heimischen Berlin der unmittelbar vor dem Heimauftritt gegen die Wrestling Tigers Rhein-Nahe aus Witten an den Rhein gelotste Daniel Sartakov daran, sein Körpergewicht binnen weniger Tage von 80 auf die für seinen Einsatz in der Bundesliga geforderten 75 Kilogramm zu reduzieren. Cinar: „Er war genau wie wir bereit, ihm fehlte nur noch ein Kilo.“

Das vorzeitige Aus ist für die Neusser Ringer, die Anfang Oktober nach achtjähriger Abwesenheit mit so viel Euphorie in die deutsche Eliteklasse zurückgekehrt waren, auch deshalb nur schwer zu ertragen, weil ihnen damit die Plattform wegbricht, ihre ganz auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris eingestellten Toptalente unter Wettkampfbedingungen zu entwickeln. „Die Jungs sollten sich mit der Weltspitze messen“, betont Cinar. „Wir haben alle auf die Liga gewartet.“ Die aktuelle Coronaschutzverordnung lässt an den Landesleistungsstützpunkten in Neuss und Dormagen freilich nur Kaderathleten auf die Matte. Landestrainer Sevket Karapinar und Leistungssportkoordinator Ayhan Aytemiz haben u.a. Aaron Bellscheidt, Samuel Bellscheidt, Nikita Lejkin, Albert Nakaev, Deni Nakaev (alle KSK Konkordia Neuss), Nina Hemmer, Laura Mertens und Jennifer Rösler (alle AC Ückerath) entsprechende Angebote unterbreitet.

Ab Dezember hofft Cinar wieder auf so etwas wie Normalität. „Mein Gefühl sagt mit aber, dass es noch bis Januar dauert.“ Das Ticket für die Saison 2021/2022 auf höchstem Niveau sei derweil schon fest gebucht, fügt der stets optimistische Sportchef der Konkordia an. „Die Bundesliga ist safe!“ Allerdings haben die beiden starken Liga-Auftritte des Neulings gegen die Wrestling Tigers Rhein/Nahe (22:7) und den ASV Mainz (14:16) längst Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz geweckt. „Jungs wie Deni Nakaev und die Bellscheidt-Brüder wären für Vereine wie Mainz absolute Hauptgewinne“, weiß Cinar. Deshalb sein Appell an die heimische Wirtschaft: „Um sie in Neuss halten zu können, müssen wir gute Sponsoren an Land ziehen.“