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Geldmacher zum zweiten Mal Präsidenten des VfR Neuss: Rigoroser Sparkurs soll fortgesetzt werden

Geldmacher zum zweiten Mal Präsidenten des VfR Neuss : Rigoroser Sparkurs soll fortgesetzt werden

Der "worst case", also der schlimmste anzunehmende Fall, war für Hans Geldmacher als Aufsichtsratsvorsitzender des VfR Neuss eingetreten, als am Montagabend bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Traditionsvereins im Vereinslokal "Alte Liebe" die Wahl des neuen Präsidenten anstand. Niemand von den insgesamt 53 anwesenden Vereinsmitgliedern wollte sich für dieses heikle Amt zur Verfügung stellen, nur die Namen Geldmacher und Josef Kokesch standen auf der Vorschlagsliste. Die neue Führungscrew des VfR Neuss: (v.l.) Geschäfstführer Heinrich Becker, Sportlicher Leiter Josef Kokesch, Präsident Hans Geldmacher, Schatzmeister Klemens Pelzer und Vizepräsident Adi Hamacher. NGZ-Foto: H. Jazyk

Der "worst case", also der schlimmste anzunehmende Fall, war für Hans Geldmacher als Aufsichtsratsvorsitzender des VfR Neuss eingetreten, als am Montagabend bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Traditionsvereins im Vereinslokal "Alte Liebe" die Wahl des neuen Präsidenten anstand. Niemand von den insgesamt 53 anwesenden Vereinsmitgliedern wollte sich für dieses heikle Amt zur Verfügung stellen, nur die Namen Geldmacher und Josef Kokesch standen auf der Vorschlagsliste. Die neue Führungscrew des VfR Neuss: (v.l.) Geschäfstführer Heinrich Becker, Sportlicher Leiter Josef Kokesch, Präsident Hans Geldmacher, Schatzmeister Klemens Pelzer und Vizepräsident Adi Hamacher. NGZ-Foto: H. Jazyk

Da der Ehrenspielführer der legendären VfR-Regionalligatruppe, bisher ebenfalls im Aufsichtsrat aktiv, dankend abwinkte, fielen die erwartungsfrohen Blicke auf den Mann, der Geschicke des Klubs schon ein Mal von 1998 bis 1999 leitete. "Wir haben uns natürlich im Vorfeld Gedanken gemacht, was passiert, wenn niemand das Amt des Vorsitzenden übernehmen will, alles andere wäre unverantwortlich gewesen", meinte Geldmacher, der sich bereit erklärte, noch einmal für die Führungsposition im Verein zu kandidieren, wenn auch eine vom ihm vorgeschlagene Vorstandscrew von den Mitgliedern akzeptiert würde.

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"Für diese schwierige Aufgabe brauche ich Leute, auf die ich mich absolut verlassen kann", erklärte Geldmacher und stellte seine Wunschkandidaten vor. Josef Kokesch sollte sein Fachwissen als Sportlicher Leiter einbringen, Heinrich Becker, schon im zurückgetreten Vorstand unter Thomas Perlick als Kassenwart tätig, als Geschäftsführer und Finanzexperte Klemens Pelzer wollte er als Schatzmeister sehen. Außerdem stellte er klar, dass er sich nur für eine Übergangszeit zur Verfügung stellen wolle. Er hoffe bis August einen geeigneten Nachfolger gefunden zu haben, dann wolle er wieder abtreten.

Als sich für seine Pläne eine breite Mehrheit abzeichnete, stellte sich Geldmacher der Wahl, schickte aber vorweg: "Was mir die Entscheidung so schwer gemacht hat, ist die Tatsache, dass wir aus finanzieller Sicht immer noch eine sehr schwere Situation vor uns haben. Außerdem fühle ich mich nach den Anfeindungen der vergangenen Wochen und Monate in Neuss verbrannt."

Das konnte die Versammlung allerdings nicht davon abhalten, den 59-Jährigen ohne Gegenstimme bei sieben Enthaltungen zum Präsidenten zu bestimmen. Auch für die restlichen Posten wurden Geldmachers Wunschkandidaten mit überragenden Mehrheiten gewählt. Nicht ganz auf der Rechnung schien der neue "alte" Vorsitzende allerdings die Wahl zu seinem Stellvertreter gehabt zu haben. Schneller als er sich versah, war das langjährige VfR-Mitglied Adi Hamacher, der sich im vergangenen Jahr auch schon mal als Präsidentschaftskandidat ins Gespräch gebracht hatte, inthronisiert.

Geldmacher: "Adi ist für mich eine Überraschung, aber das war eine demokratische Wahl und ich denke, wir werden keine Probleme miteinander haben. Schließlich haben wir nur ein Ziel, den VfR nach vorne zu bringen." Wie das funktionieren soll, hatte Geldmacher bereits in seinem Situationsbericht konkretisiert, den er zu Beginn der Versammlung noch in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender abgab. Um dem VfR eine Zukunft zu geben, müsse man den von Ex-Präsident Peter Mehler eingeschlagenen Kurs beibehalten und eine gnadenlose Konsolidierung durchziehen.

"Wir dürfen wirklich nur noch das Geld ausgeben, das wir haben." Daraus ergibt sich, dass keine teuren Spieler verpflichtet werden dürfen. Man müsse verstärkt auf die Jugend setzen, um aus den eigenen Reihen heraus einen vernünftigen Unterbau zu schaffen. Außerdem müsse man sich um eine Verbesserung der Außenwirkung bemühen. "Wenn wir uns überall als eine einige Truppe präsentieren, dann perlen alle Anfeindungen an uns ab."

Dass der VfR zumindest in dieser Hinsicht auf einem guten Weg scheint, hat das couragierte Auftreten der Landesliga-Mannschaft am Sonntag beim Sieg in Walbeck gezeigt. Eine langer Weg steht allerdings noch in Sachen Schuldenabbau bevor. Denn wie Geldmacher gestand, sind noch Verbindlichkeiten in Höhe von rund 65.000 Euro offen. Zwar verfügt der Klub noch über Reserven von etwa 40.000 Euro, doch der Rest will ebenfalls noch aufgetrieben sein. Auch insofern ein Problem, als zu allem Unglück die Autop GmbH, bisheriger Hauptsponsor des VfR, seinen Vertrag zum 30. Juni gekündigt hat. Doch Geldmacher hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben: "Ich werde noch einmal das Gespräch suchen. Aber wir müssen natürlich auch nach Alternativen Ausschau halten." David Beineke

(NGZ)