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Jüchen: Riesen-Bagger für 6 Millionen Euro repariert

Jüchen : Riesen-Bagger für 6 Millionen Euro repariert

Der Energiekonzern RWE lässt neue Komponenten in den Bagger 284 einbauen. Dieser fördert bereits seit 40 Jahren Kohle.

Bei einer Routine-Untersuchung fiel es auf: Bagger 284 kann nicht mehr — zumindest nicht so, wie er sollte. An dem Großgerät, das im Tagebau Garzweiler gemeinsam mit sieben anderen Megatonnern die Braunkohle aus der Erde befördert, zeigten sich Verschleißspuren. "Wir haben zunächst versucht, die betroffenen Teile zu reparieren. Doch das hat nicht ausgereicht", erläutert Jan-Peter Cirkel, Unternehmenssprecher von RWE Power. Rasch wurde deutlich: Das Hauptlager musste ebenso ausgetauscht werden wie der tragende Unterbau. Dafür muss der Bergbautreibende rund sechs Millionen Euro in die Hand nehmen. Erstmals wird im Rheinischen Revier ein kompletter Träger samt auffliegendem Lager ersetzt. Dafür sind zurzeit rund 50 Experten aus dem Unternehmen und von externen Fachfirmen im Einsatz.

Schaufelradbagger 284 im Tagebau Garzweiler II wird fit gemacht: Dazu musste der schwenkbare Oberbau angehoben werden und ruht auf bis zu 25 Meter hohen Stützen. Foto: RWE

Der Bagger 284 ist seit 40 Jahren im Betrieb. 7958 Tonnen schwer, 64 Meter breit und 180 Meter hoch — bei solchen Größenordnungen überrascht es, dass es bei der Instandsetzung auf Millimeter ankommt. Die Monteure müssen äußerst präzise arbeiten, haben bei den Schlosserarbeiten nur wenig Bewegungsfreiheit.

Die Industriemechaniker Miriam Bronnenmayer und Antonio Scaffidi setzen Komponenten des Hauptlagers in der Werkstatt Gustorf instand. Foto: RWE Power

Da kann bereits ein ausladender Schutzhelm zu groß sein. Deshalb müssen die Einsatzkräfte ihre gewohnte Sicherheitskopfbedeckung gegen eine kleinere tauschen: Sie schützen ihre Köpfe jetzt mit sogenannten Hardcaps — einer speziellen Form der Baseballkappe, die mit Stahl im Sichtschirm verstärkt ist. "Die Passgenauigkeit des neuen Bettungsträgers beträgt nur plusminus zwei Millimeter, und das auf einem Durchmesser von 18 Metern", erläutert Lars Krone, Projektleiter vom Technikzentrum Tagebaue. Für ein Stahlbauteil sei dies eine Spitzenleistung.

Auf dem 18 Meter breiten Kranz ruht der 3200 Tonnen schwere Oberbau des Baggerriesen — ihn abzustützen, das gehört zu den größten Herausforderungen, die jetzt für den Einbau der neuen Komponenten zu lösen waren. Er musste zunächst angehoben und anschließend sicher abgestützt werden, solange die Grundinstandsetzung läuft. Um sich optimal auf die Erneuerung vorzubereiten, haben die Einsatzkräfte die unterschiedlichen Arbeitsabläufe zunächst en miniature — an einem Modell — simuliert. Dazu gehörte auch die Simulation eines Unfalls: Wie sollten verletzte Mitarbeiter geborgen werden?

Noch bis Mitte August wird es dauern, bis der Bagger 284 wieder hergerichtet sein wird. Eine solche Rundumerneuerung sei — trotz des stolzen Betriebsalters von mehr als 40 Jahren — für ein solches Spezialgerät keine Seltenheit, wie Jan-Peter Cirkel erläutert. Wann darf ein Baggerkoloss denn in Rente? "Eine Altersgrenze für Bagger gibt es nicht. Im Fall des 284 wird es noch einige Zeit dauern", erläutert der Unternehmenssprecher. Er verweist auf einen älteren "Kollegen", den Bagger 255 im Tagbau Inden. Dieser ist bereits seit dem Jahr 1955 im Einsatz. Und auch für das inzwischen 58 Jahre alte Großgerät ist noch lange nicht Schicht: Es soll bis zum Ende der Kohleförderung in Inden — dies wird 2035 sein — weiterhin Braunkohle fördern. Dann ist es 80 — dagegen erscheint der 284 ja noch jung.

(NGZ)