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Korschenbroich: Rheinländer organisiert Kampf gegen Hunger

Korschenbroich : Rheinländer organisiert Kampf gegen Hunger

Ob in Äthiopien, in Peru, Ecuador oder Bolivien, die Welthungerhilfe ist dort engagiert, wo die Ärmsten der Armen Unterstützung brauchen. Die Philosophie der Organisation ist dabei rasch auf den Punkt gebracht. Sie lautet "Hilfe zur Selbsthilfe". Das ist auch für Albert Otten (60) das Erfolgsrezept.

Der fast jugendlich wirkende Unternehmer aus Korschenbroich-Raderbroich ist als ehrenamtlicher Geschäftsführer der Stiftung Deutsche Welthungerhilfe rund um den Globus unterwegs.

Das Thema Entwicklungshilfe ist dem Volkswirt und Banker nicht fremd. "Während meines Studiums habe ich mir oft vorgestellt, in der Entwicklungshilfe zu arbeiten." Das war in Konstanz, in den friedensbewegten 70er Jahren, als in Lateinamerika Befreiungstheologen wie Erzbischof Oscar Romero gegen Armut und Despoten kämpfen. Geprägt von dieser Entwicklung, promovierte Otten 1977 zum Thema "Die negative Einkommensteuer als sozialpolitische Alternative". Die soziale Gerechtigkeit war für den Korschenbroicher immer ein Thema, auch wenn er vom Bodensee aus als Banker zunächst in die Main-Metropole Frankfurt und dann nach Hongkong wechselte.

Wieder in Deutschland zurück, baute er mit vier seiner sechs Geschwister von Raderbroich aus die Allkauf-Otten-Gruppe auf. Als ehemaliger Geschäftsführender Gesellschafter kannte er sich nicht nur in der Lebensmittelbranche aus, er wusste auch um die Marktzwänge im Einzelhandel. "Wir haben rechtzeitig den Konzentrationstrend erkannt, 1998 an die Metro-Gruppe verkauft und so zum richtigen Zeitpunkt auf Immobilien umgeschaltet", blickt Otten auf eine erfolgreiche Unternehmertätigkeit zurück.

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Vor drei Jahren dann gab er in der Famos-Otten-Gruppe Verantwortung ab, um sie an anderer Stelle zuübernehmen: Er heuerte als "Ein-Euro-Manager" bei der Stiftung Deutsche Welthungerhilfe an. Seit Juli 2007 sammelt und verwaltet der Vater von vier erwachsenen Kindern an drei Tagen in der Woche von Bonn aus Vermögen für die Stiftung. "Mit den Geldern wird dauerhaft die Projektarbeit der Welthungerhilfe in rund 50 Ländern gefördert", erklärt er nicht ohne Stolz. Und dass Otten ein Stiftungskapital von rund 23 Millionen Euro verwaltet, ist ihm Ansporn und Verpflichtung zugleich. "Ich bin ehrgeizig", sagt er von sich selbst. Dabei bilden Ehrgeiz und Ehrenamt für ihn keine Diskrepanz: "Na klar, das passt zusammen." Ehrgeizig sind die Ziele, der Organisation, der Otten sich zu dienen verpflichtet hat.

Schließlich hat er als ehrenamtlicher Geschäftsführer auch einen Vertrag unterzeichnet: "Ich habe Rechte und Pflichten." Und die will er zunächst für fünf Jahre erfüllen. Eine straffe und effektive Führung helfen ihm dabei, nachhaltig gegen die Armut zu kämpfen. Und dass der Sohn eines bodenständigen Landwirtes in dieser Aufgabe seine Erfüllung gefunden hat, unterstreicht er mit seiner persönlichen Zwischenbilanz: "Wenn die Stiftung mich auch über die fünf Jahre hinaus noch braucht, bin ich weiter dabei."

Die Stiftung, die vor gut zwölf Jahren gegründet wurde, arbeitet ausschließlich mit den Zinserträgen der angelegten Vermögen. "Spenden fließen in voller Höhe und zeitnah in unsere Projekte", skizziert Otten die verschiedenen Ansätze. Er, der nicht müde wird, für die Stiftung zu werben und potenzielle Spender zu gewinnen, weiß schließlich, "Zustiftungen vergrößern den Kapitalstock und sichern durch die Erträge dauerhaft die Hilfe in den Entwicklungsländern".

Die angestrebte "Hilfe zur Selbsthilfe" ist dabei vielfältig. Als Stichworte nennt Otten Saatgut, Maschinen, Qualifizierung und Bildung für Kinder. Der Korschenbroicher, der bei seinen Projektreisen die Armut dieser Welt hautnah erfahren hat, weiß: "Das Elend kann keine Statistik widerspiegeln." Um so begeisterter ist Albert Otten dann auch von dem aktuellen Stiftungsvorhaben "ÖkoHuman — gegen den Hunger und für unsere Umwelt".

Das neue ÖkoHuman-Projekt ist in Peru und Ecuador angesiedelt und soll die Lebensbedingungen der Menschen im Amazonasbecken verbessern. Im Mittelpunkt steht dabei der Regenwald als Lebensgrundlage und Ressource. "Gemeinsam mit der dortigen Bevölkerung wird ein einzigartiges Waldmanagement entwickelt und umgesetzt, das sowohl die Abholzung dauerhaft reduziert als auch den Wald als nachhaltige Einkommensquelle nutzt", schwärmt Otten.

In beiden ausgesuchten Nationalparks, dem Manu in Peru und dem Yasuni in Ecuador, sollen zunächst 1000 Familien in dem Projekt mitarbeiten und direkt davon profitieren. Für Otten steht fest: "Auf diese Weise bleibt der Wald Ernährer der Menschen und wird langfristig durch den Verkauf von Klimazertifikaten auch noch ein erlebbarer Wirtschaftsfaktor."

(NGZ)