Galopp : Renntag stand kurz vor der Absage

Starterangaben für die derzeit laufende Wintersaison in Dortmund und Neuss sind schwere Geburten. Das war für die Veranstaltung am Dienstag ab 16.10 Uhr mit acht Rennen auf der Neusser Sandbahn nicht anders.

Es sind zwar 66 Pferde im Aufgebot, doch etliche davon sind mit mehr oder weniger sanfter Gewalt vom Dachverband in Köln nach Neuss gelockt worden. Hans-Ludolf Matthiessen aus Hamburg, der Geschäftsführer der BGG (Zusammenschluss aller Rennvereine) hat Klartext geredet: "Wenn wir nicht gegenüber dem PMU verpflichtet gewesen wären, hätte es eine Absage gegeben." Die Rennen werden live nach Frankreich übertragen und die Provisionen der Wetteinsätze bilden die Grundlage der Finanzierung.

Dem normalen Besucher (Eintritt und Parken frei) sind solche Hintergründe im Grunde egal. Wer mehr als einmal im Winter auf der Bahn war, der kennt jedes Pferd, denn im Grunde treten die gleichen Pferde immer wieder an. Sehr wohl allerdings unter veränderten Bedingungen. Das trifft diesmal besonders für den vierjährigen Wallach Gamgoom mit Steffi Hofer zu. Im fünften Rennen wird dieses Team als heißer Favorit antreten, an der Wettbörse wird es kaum mehr als 15:10 geben. Das heißt: für zehn Euro Einsatz gäbe es 15 Euro zurück. Prozentual ist das immer noch deutlich mehr als derzeit für jedes Tages-oder Festgeldkonto einer seriösen Bank. Für den letzten überlegenen Erfolg in Neuss bekam das Pferd vom dafür zuständigen Fachmann mit dem eindrucksvollen Namen Christoph Freiherr von Gumppenberg und Pöttmes-Oberbrennberg sechs Kilogramm Aufgewicht, um eine Chancengleichheit gegenüber der Konkurrenz herzustellen.

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Steffi Hofer bringt derzeit so um die 50 bis 51 Kilogramm auf die Waage. Der Rest wird ein großer Sattel und viel Blei in den Satteltaschen sein. Zur Erklärung: Ein Kilogramm Blei bedeutet auf einer Strecke von 2000 Metern rund eine Pferdelänge Abstand. Es gibt dazu den kurios wirkenden Spruch: Gewicht bringt Pferd und Esel zusammen. Oder: Wenn ein talentierter Kreismeister im Sprint gegen Usain Bolt mit einem Sack Kartoffeln auf dem Rücken antritt, gewinnt immer der Kreismeister. Deshalb ist auch der 5000 Euro BBAG-Auktionskauf seines Besitzers Guido Werner Hermann Schmitt aus Düsseldorf längst nicht so sicher wie die Bank von England. Takeda Shingen mit Dominique Porcu und vor allem Cassilero aus dem Gestüt Erlenhof mit Eugen Frank sind keine Kreismeister, sondern sandbahnerprobt und in Form. Vor allem sind sie interessante Alternativen für den gewichtsbelasteten Favoriten Gamgoom.

Steffi Hofer kann auch im sechsten Rennen punkten. Es ist der zweite Lauf der Wetten-Sieberts.de Perlenkette, die noch nie von der Krefelder Trainertochter gewonnen wurde. Im Sattel von Flame Hawk kann sie ihre Chancen für den Endlauf am 10. März verbessern. Titelverteidigerin Lena Mattes mit Funky Music wird das zu verhinder versuchen. Im vierten Rennen reitet sie Salimera, mit der sie den ersten Lauf gewann. Aus Neusser Ställen laufen die beiden Weber-Pferde Depeche im dritten und Hollywood Park im sechsten Rennen. Jeder Geldpreis wäre ein Erfolg.

(NGZ)