Respekt vor der Zweitliga-Truppe: Reifeprüfung im Hexenkessel

Respekt vor der Zweitliga-Truppe : Reifeprüfung im Hexenkessel

Von Volker Koch Von wegen Intermezzo zwischen zwei Spitzenspielen: Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen fährt Mittwoch mit "Höllenrespekt" zu Neuling TSG Münster. Trainer Wandschneider spricht von der "Reifeprüfung im Hexenkessel."

Von Volker Koch Von wegen Intermezzo zwischen zwei Spitzenspielen: Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen fährt Mittwoch mit "Höllenrespekt" zu Neuling TSG Münster. Trainer Wandschneider spricht von der "Reifeprüfung im Hexenkessel."

Eines mag Kai Wandschneider gar nicht: wenn man eine Sache nicht ernst nimmt. Ansichten, seine Schützlinge könnten die Aufgabe am Mittwoch bei Zweitliga-Neuling TSG Münster (Anwurf um 20 Uhr, Eichendorffhalle in Kelkheim) mal eben so im Vorübergehen zwischen den Spitzenspielen gegen Oßweil (28:23) und am Samstag gegen Aue erledigen, erteilt der Trainer des TSV Bayer Dormagen eine klare Abfuhr: "Münster ist alles andere als ein Neuling.

Das ist eine routinierte und abgezockte Zweitliga-Truppe, vor der ich einen Höllenrespekt habe." Der nur durch eine Tatsache geschmälert wird: Dass sich die Münsterer (so heißen die Hessen im Gegensatz zu den Münsteranern aus dem Westfälischen) nicht an die in der Liga übliche Absprache halten, Gegnern aktuelle Videoaufnahmen zur Verfügung zu stellen: "Ich konnte mir nur das erste Heimspiel anschauen", sagt Wandschneider, "das haben die eigentlich gar nicht nötig, die sind auch so gut genug."

Das verrät allein ein Blick auf den Kader von Trainer Hans Josef Embs. Ihm stehen mit Carsten Bengs, der von der TSG Groß-Bieberau kam, und Steffen Weber (SG Kronau/Östringen) zwei Akteure zur Verfügung, die bei der SG Wallau-Massenheim reichlich Erstliga-Erfahrung sammelten. Weber, der 80 Länderspiele absolvierte, "spielt viel besser als in der vergangenen Saison bei den Kröstis", meint Wandschneider; Bengs operiert in der 3-2-1-Deckung der TSG als vorgezogener Mann. Allerdings ist der Neuling auch in der Lage, eine 6:0-Deckung zu spielen. Torhüter Konrad Bansa und die Brüder Thomas und Matthias Mauch gehören der Deutschen Beach-Handball-Nationalmannschaft an, Linkshänder Ziad Rejab hat 144 Länderspiele für den Irak bestritten.

Und der polnische Halblinke Eryk Kaluzinski führt mit 54 Treffern die Liste der besten Feldtorschützen in der Zweiten Liga Süd an. Da wird verständlich, warum Wandschneider das erst vierte Auswärtsspiel seiner Schützlinge in dieser Saison als "Reifeprüfung" bezeichnet. Und als "verdammt wichtiges Spiel: Gewinnen wir, können wir uns oben festsetzen. Gewinnen wir nicht, sind die anderen wieder dran." Und sich ein gewisses Punktepolster zu verschaffen, wäre allein schon mit Blick auf das Restprogramm der Hinrunde ratsam: Da hat Bayer nämlich nur noch vier Mal Heimrecht, inklusive der heutigen Auseinandersetzung aber sieben Auswärtsspiele vor der Brust.

Wie das am Mittwoch, aber auch die anderen erfolgreich zu überstehen sind, weiß Wandschneider natürlich auch: "Indem wir so spielen wie gegen Wetzlar und Oßweil. Nur eine Top-Leistung hilft uns weiter." Die aber möglichst über 60 Minuten: "So eine Schlussphase wie gegen Oßweil oder Wuppertal können wir uns in Münster nicht leisten", sagt der Trainer und kann auch mit Zahlen belegen, wie die Konzentration seiner Schützlinge nachlässt: Gegen Oßweil verwandelte der TSV vor der Pause sieben von sieben Gegenstößen erfolgreich, nach der Pause waren es nur noch sieben von elf.

Vor der Pause betrug die Wurfquote siebzig Prozent, nach der Pause nur noch fünfzig. Konditionelle Ursachen schließt er aus, dafür sei die Mannschaft zu gut drauf. "Das liegt eher im Kopf", meint Wandschneider, die zur Zeit von ihm bevorzugte 4:2-Deckung koste eben nicht nur viel Kraft, sondern auch ebenso viel "mentale Energie. Und wenn du dann mit sechs, sieben Toren führst, glauben manche, sie könnten jetzt erst mal durchatmen." Möglicherweise will er am Mittwoch deshalb schon früher durchwechseln, fit sind nämlich alle.

(NGZ)
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