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Korschenbroich: Raser im Ortskern ausbremsen

Korschenbroich : Raser im Ortskern ausbremsen

Zu viel, zu laut, zu schnell – so empfinden viele Anwohner den Verkehr im Ortskern. Bei einer Bürgerdiskussion auf Einladung der CDU wurde nun nach Lösungen für die Problematik gesucht. Wolfgang Christ vom Ingenieurbüro IVV stellte dabei die jüngst erstellte Verkehrsanalyse vor.

Zu viel, zu laut, zu schnell — so empfinden viele Anwohner den Verkehr im Ortskern. Bei einer Bürgerdiskussion auf Einladung der CDU wurde nun nach Lösungen für die Problematik gesucht. Wolfgang Christ vom Ingenieurbüro IVV stellte dabei die jüngst erstellte Verkehrsanalyse vor.

In der politischen Theorie gibt es eine Definition zur Aufgabe von Parteien: Unter anderem sollen sie Interessen bündeln und konsens- beziehungsweise beschlussfähig machen. CDU-Fraktionsvorsitzender Marc Venten und Andreas Heidemann, stellvertretender CDU-Ortsverbandsvorsitzender, wissen, dass dies kein einfacher Prozess ist.

Das wurde jetzt auch im Hannen-Stammhaus deutlich. Dorthin hatten die Christdemokraten zu einer Bürgerdiskussion geladen. Thema des Abends: die Verkehrssituation im Ortskern von Korschenbroich. "Machen wir uns nichts vor: Jede Maßnahme hat Nebeneffekte", stellte Heidemann klar. "Der Verkehr verschwindet ja nicht, sondern er verlagert sich."

Das bedeutet: Werden bestimmte Straßen durch verkehrsberuhigende Maßnahmen entlastet, müssen die Anwohner an umliegenden Straßen mit deutlich mehr Autofahrern vor ihrer Haustür rechnen. Wolfgang Christ vom Ingenieurbüro IVV aus Aachen, das ein Gutachten zur Verkehrssituation im Ortskern samt Vorschlägen zur Verkehrsberuhigung anfertigte, belegte dies mit Zahlen. Grundlage ist eine Verkehrsanalyse, die von März bis Juni erstellt wurde. "Das größte Problem sind die zu hohen Geschwindigkeiten in den verkehrsberuhigten Zonen", meinte Christ.

In der Sebastianusstraße zum Beispiel sind die Autofahrer oft doppelt so schnell wie erlaubt unterwegs. "Viele sind offenbar der irrigen Ansicht, dort seien 30 km/h erlaubt", sagt Christ. Es gilt aber Schritttempo.

Nach seinem Vortrag diskutierten die Bürger Vorschläge. Dabei wurde deutlich: Über das Ziel "Verkehrsberuhigung" sind sich alle einig. Doch für den Weg dorthin mangelt es an einem — wie Bürgermeister Heinz Josef Dick formulierte — "Patentrezept".

Die Sebastianusstraße zur Fußgängerzone oder zur Einbahnstraße zu machen, würde zum Beispiel eine extreme Zunahme des Verkehrs für die Willi-Hannen-Straße (etwa 1700 zusätzliche Fahrten), Don-Bosco-Straße (700), An der Alten Post (700) und Pescher Straße (500) bedeuten. Eine Alternative: das Aufstellen von Blumenkübeln, die den Verkehrsfluss unterbinden. "Das würde vermutlich zu weniger Verkehr führen", meint Christ. Nebeneffekt sei aber, dass die Autofahrer durch die Hindernisse häufiger bremsen und wieder anfahren müssten. Die Konsequenz wäre eine erhöhte Lärmbelastung.

Zur Reduzierung des zu hohen Tempos schlägt Christ daher das Aufstellen mobiler Geschwindigkeitsanzeigen vor. "Studien belegen, dass die durchschnittliche Geschwindigkeit dadurch deutlich gesenkt wird", sagt er.

(NGZ/rl)