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Neusserin im Rennboot: Rasanter Ritt auf der Rakete

Neusserin im Rennboot : Rasanter Ritt auf der Rakete

Die Honda Formula 4-Stroke Round Britain ist die größte Offshore-Rennserie der Welt. Am Wochenende gibt Simone Schuft in Plymouth ihr Debüt im Team "Power of Dreams Germany". Die Neusserin ist die erste Frau , die in einem offiziellen Rennen in eines der acht Meter langen Rennboote steigt.

Die Honda Formula 4-Stroke Round Britain ist die größte Offshore-Rennserie der Welt. Am Wochenende gibt Simone Schuft in Plymouth ihr Debüt im Team "Power of Dreams Germany". Die Neusserin ist die erste Frau , die in einem offiziellen Rennen in eines der acht Meter langen Rennboote steigt.

"Ja, ich bin eine Frau", bestätigt Simone Schuft, noch bevor die Frage raus ist. So was nervt! Ihren Platz als Navigator im Team "Power of Dreams Germany", für das sie am Wochenende im englischen Plymouth als erste deutsche Frau in einem Offshore-Rennboot an den Start gehen wird, habe sie sich nämlich hart erstritten, klärt die 33-Jährige auf. "Durch eine gute Performance in den vergangenen zwei Jahren."

Mit ihrem kleinen, aber feinen Powerboat Racing Team Schuft hatte die Neusserin als Einsteigerin zunächst die Formel ADAC aufgemischt. Nach ihrem Wechsel in die Formula Mercury 2008 lag sie bis zu ihrem Unfall sogar auf Kurs Richtung Deutsche Meisterschaft. Auf Rang vier war sie schließlich beste Deutsche der internationalen Wertung. Und trotzdem geriet sie komplett aus dem Häuschen, als im Frühjahr plötzlich Günter Steinbach, umtriebiger Manager des Rennteams "Power of Dreams", bei ihr vorstellig wurde.

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Sein "Mega-Angebot fast aus dem Nichts" für sie: ein Platz im Cockpit seiner acht Meter langen Rakete, angetrieben von einem 225-PS-Viertakt-Außenborder, und damit einen Job in der Honda Formula 4-Stroke Round Britain, der größten Offshore-Rennserie der Welt.

Ein echter Hammer für jemanden, der bislang ausschließlich "inshore", also auf Seen, Flüssen oder in Hafenbecken unterwegs war. "Offshore ist schon eine andere Nummer", schwärmt Simone Schuft: "Die Boote sind viel länger und größer. Und auf offener See springst du über bis zu vier Meter hohe Wellen, schlägst hart auf und hebst sofort wieder ab. Da gehst du physisch und konditionell an deine Grenzen."

Damit während des Rennens nichts Schlimmeres passiert, werden die Powerboote, die auf eine Spitzengeschwindigkeit von gut 125 Stundenkilometern kommen, von Helikoptern begleitet. Nach ersten Testfahrten über die Ostertage auf der Ijssel in Holland stand für Simone Schuft und ihre Teamkollegen Silvia Rassmes und Dennis Radimerski fest: "Wir müssen unbedingt auf der Rakete reiten!"

Per Auto, hinten dran auf einem Hänger das in mühevoller Kleinarbeit optimal eingestellte Hochleistungsboot, ging es gestern von Krefeld zunächst nach Calais, dann mit der Fähre weiter nach Dover und schließlich in insgesamt elf Stunden nach Plymouth, wo morgen und am Sonntag zwei Läufe über rund 26 Seemeilen auf dem Programm stehen.

Probleme, das deutsche Boot während der knapp 40-minütigen Rennen auszumachen, dürfte es keine geben, denn Team Germany trägt die rote Spezialhaube des Spitzenreiters im Gesamtklassement. Zum Saisonauftakt Mitte Mai hatte es nämlich beim Grand-Prix von Wales in Pwllheli einen Doppelsieg gegeben. Als Navigator an der Seite des erfahrenen Piloten Mark Niemann saß dabei allerdings Ronny Steudel, der ebenso wie Simone Schuft aus dem Inshore-Racing kommt.

Dass das in seinem dritten Jahr in der britischen Powerboat-Serie ausschließlich auf deutsche Kräfte setzende Team damit für ein Novum sorgte - bis dahin hatte es in der 225-PS-Klasse nur britische Sieger gegeben -, erhöht den Druck auf die Debütantin aus Neuss freilich nicht unerheblich. Schuft weiß das nur zu genau. "Auch wenn alle sagen, ich solle mich entspannen, bin ich natürlich tierisch aufgeregt", gibt sie ehrlich zu. "Den Stress mache ich mir schon ein bisschen selber."

Damit dürfte es schnell vorbei sein, wenn Samstag Nachmittag die Startampel das erste Mal auf Grün springt. Denn ein Navigator hat viel zu tun. "Da der Fahrer relativ tief sitzt, sieht er nicht so gut", erklärt Simone Schuft, "ein Navigator muss also das komplette Umfeld im Blick haben".

Ihr ist durchaus bewusst, dass ihr anspruchsvolles Hobby nicht ganz ungefährlich ist, jeder Fehler wird gnadenlos bestraft. "Bei dem manchmal ziemlich hohen Wellengang ist das leichte Einrumpfboot extrem schwer zu steuern und springt teilweise einige Meter weit über die Wellen." Die Teamleitung ist von der Klasse Schufts überzeugt.

Dass die 1,67 Meter kleine Neusserin die erste deutsche Frau ist, die bei einem offiziellen Rennen in ein Offshore-Boot steigt, interessiert Günter Steinbach höchstens am Rande. Ihm imponierte vielmehr, "wie sie ihre Karriere, aus dem Inshore-Racing kommend, kontinuierlich aufgebaut und in beeindruckender Art und Weise vorangetrieben hat. Sie machte bei nationalen und internationalen Rennen mit beständig guten Leistungen auf sich aufmerksam, und nicht umsonst hat sie der ADAC Hessen-Thüringen 2008 mit dem Preis: Motorbootsportler des Jahres ausgezeichnet".

Damit verbunden sind hohe Erwartungen. Steinbach: "Unsere Cockpitbesatzung zeichnet sich durch die Kombination von Erfahrung und lernwilligem sowie sehr begabtem Offshore-Nachwuchs aus. Für unser Ziel, eine Platzierung unter den Top 5 in der Honda Formula 4-Stroke Powerboat-Series, sind wir mit dem Trio Simone Schuft, Mark Niemann und Ronny Steudel auf jeden Fall bestens aufgestellt."

Wertschätzung, die sich allerdings (leider) nicht in barer Münze niederschlägt. Die renommierte Serie, obwohl die größte der Welt, ist bestenfalls semiprofessionell angelegt. "Es gibt kein Geld zu verdienen", sagt Simone Schuft, die ihren Lebensunterhalt auch nach ihrem sportlichen Aufstieg weiterhin als Industriekauffrau bei der Currenta-Unternehmensentwicklung im Chempark Dormagen bestreitet. Nichtsdestotrotz ist ihre Leidenschaft fürs Rennbootfahren viel mehr als ein in erster Linie von Sponsoren finanziertes Hobby zum freudvollen Zeitvertreib. "Ich mache das nicht einfach nur just for fun", stellt sie klar, "ich will vorankommen, ich will in jedem Rennen aufs Podest."

Nach dem Auftritt in Plymouth tritt das Dream-Team in dieser Saison noch drei Mal in der Formel 4-Weltmeisterschaft an:

25./26. Juli Lowestoft (im Cockpit: Mark Niemann, Ronny Steudel),
29./30. August Cowes (im Cockpit: Mark Niemann, Simone Schuft),
20./21. SeptemberIsles of Man (im Cockpit: Mark Niemann, Ronny Steudel).

Näheres zum Team "Power of Dreams Germany" gibt es im Internet auf der Homepage: www.project-raceboat.com.

(NGZ)