Korschenbroich: Rätsel um Golfbälle in Epsendorf

Korschenbroich : Rätsel um Golfbälle in Epsendorf

Michael Kentsch und seine Nachbarn finden täglich neue Golfbälle in ihrem Garagenhof. Wer für die sonderbare Bescherung verantwortlich ist, weiß er nicht. Fest steht aber: "Der Golfclub Rittergut Birkhof ist zu weit weg."

Epsendorf/Lüttenglehn Michael Kentsch ist ratlos. Angefangen hat alles vor knapp einem Monat. Da fand der 44-jährige Familienvater erstmals Golfbälle vor seinem Haus in Epsendorf. Kentsch dachte, einer der Nachbarn habe sie verloren. Doch das war der erste Trugschluss: Keiner der Nachbarn vermisste die Golfbälle, und es sollte nicht bei diesem einen Mal bleiben. "Inzwischen finden die Kinder aus der Nachbarschaft alle paar Tage neue Golfbälle in unserem Garagenhof", sagt Kentsch. Sogar die Sammelleidenschaft ist schon entfacht worden. Wie viele Golfbälle die Kinder mittlerweile ihr Eigen nennen? "Bestimmt mehr als 100", schätzt Michael Kentsch.

In der Nachbarschaft wird über die Herkunft der Bälle längst gerätselt. "Beim Sommerfest war es das Thema Nummer eins", sagt Kentsch. Alle Golf-begeisterten Anwohner stellten jedoch klar, dass die Bälle nicht von ihnen sind. "Wir tappen im Dunkeln", betont Kentsch. "Irgendwo müssen die Bälle ja herkommen."

Sicher scheint: Direkt aus dem gut drei Kilometer entfernt gelegenen Golfclub Rittergut Birkhof können die Bälle nicht bis nach Epsendorf geschlagen werden. Das wäre weltrekordverdächtig. Auch Karl-Heinz Grasskampf (63), Präsident des Golfclubs Rittergut Birkhof, muss nicht lange überlegen: "Die Golfbälle können nicht von uns sein. Epsendorf ist von Lüttenglehn viel zu weit weg. Golfbälle fliegen maximal 200 bis 250 Meter weit." Für den 63-Jährigen ist der Golfball-Regen in Epsendorf mehr als eine Posse. Denn die Wucht fliegender Golfbälle ist nicht zu unterschätzen.

"Bei einem kräftigen Abschlag kann der Ball schnell das Tempo eines Kleinwagens erreichen." Für Karl-Heinz Grasskamp ist das kein Spaß. Der passionierte Golfer warnt vor unachtsamem Verhalten und der sich daraus ergebenden Gefahr.

Für den Golfclub-Präsidenten gibt es keine eindeutige Erklärung. Grasskamp vermutet, dass sich ein Unbekannter auf einem angrenzenden Acker austobt und ungeachtet der Gefahr, Abschläge übt. "Ein verantwortungsbewusster Golfer tut so etwas nicht", betont Grasskamp und verurteilt "diesen Spaß": "Das Spektakel kann ganz schnell kippen und zu einer lebensbedrohlichen Verletzung führen."

Michael Kentsch bezweifelt die Theorie vom auf dem Feld Abschläge übenden Hobby-Golfer. "Dann wäre doch längst etwas zu Bruch gegangen", meint er. Doch bislang segelte kein Ball in eine Auto- oder Fensterscheibe. Im Gegenteil: Die Bälle lagen nah beieinander im 30 mal 30 Meter großen Garagenhof.

(NGZ)
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