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Radsport Kurt Sitterle (NRV) ist am Sonntag mit 85 Jahren verstorben.

Nachruf : Ein Leben für den Radsport

Kurt Sitterle vom Neusser RV ist am Sonntag im Alter von 85 Jahren verstorben. Radsport im Rhein-Kreis ist ohne ihn nicht denkbar.

(sit) In der vom Stadtsportverband erstellten (ersten) Vorschlagsliste für die „Wall of Fame“ des Neusser Sports taucht sein Name nicht auf. Doch die Menschen, die Kurt Sitterle, der am Sonntag daheim in Weckhoven nach langer schwerer Krankheit im Alter von 85 Jahren friedlich einschlafen durfte, wirklich gekannt haben, brauchen ohnehin keine Stele, um sich an den Nüsser Jung‘ von der Klara-Fey-Straße erinnern zu können.

Obwohl er nie unter profimäßigen Bedingungen trainierte, machte er die Stadt Neuss in den 1950er Jahren gemeinsam mit Willi Franssen, den Hünerbein-Brüdern Franz und Hubert sowie Hako Maier bundesweit zu einem Markenzeichen für erstklassigen Radsport. Er fuhr gegen Sportlegenden wie Rudi Altig, Hennes Junkermann und Rolf Wolfshol. Auch nach der aktiven Karriere blieb der bis zur Rente in leitender Position bei der International Harvester Company (später bis zur Schließung Case) im Neusser Hafen beschäftigte Modellbauer seinem Sport treu, bestimmte die Geschicke des Neusser Radfahrervereins von 1888/09, dessen Geschäfte er fast drei Jahrzehnte führte, maßgeblich mit. Mehr noch: Der Träger der goldenen Ehrennadel des NRV und des Stadtsportverbandes Neuss diente dem Stadtsportverband als Volkssportwart und Sportwart, gehörte dem Jugendwohlfahrtsausschuss an, meldete sich als sachkundiger Bürger im Sportausschuss zu Wort. Als Fachwart für Radsport leitete er fast 40 Jahre die Abnahme fürs Sportabzeichen. Er war Mitveranstalter des Klassikers Neuss-Aachen-Neuss und des Rennens „Rund um die Drususallee“, gehörte bei der „Tour de Neuss“ des NRV quasi zum Inventar. 1974 begründete der passionierte Zitherspieler gemeinsam mit Hubert Schäfer, Eberhard Henke und Josef Stahl die sportliche Städtepartnerschaft zwischen Neuss und Châlons-en-Champagne.

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Kurzum: Kurt Sitterle war ein (Familien-)Mensch, der das Leben stets bei den Hörnern packte und damit alle um sich herum mitriss. In der Erinnerung fährt er nach den Rennen in Mönchengladbach, Krefeld, Dülken, Viersen oder Köln, das Rennrad zerlegt auf der Rückseite der längst legendären BMW-Isetta seines Bruders Herbert, noch immer zurück „ins kleine Zimmer auf der ‘Klara’ – mit mindestens sieben Personen, vielleicht noch mehr, so genau weiß ich das nicht mehr. Aber auf jeden Fall hatten wir immer Riesenspaß.“

Als seine Frau Edith im März 2018 in der Nacht nach ihrem mit der Familie und Freunden verbrachten (76.) Geburtstag starb, stand auf der Trauerkarte zur Beerdigung: „Wenn Ihr an mich denkt, seid nicht traurig; erzählt lieber von mir und traut Euch, zu lachen; lasst einen Platz zwischen Euch wie ich ihn im Leben hatte.“ So soll es auch jetzt sein.