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Radsport: 19. Tour de Neuss - nur der Termin steht bislang

Radsport : 19. Tour de Neuss: Nur der Termin steht

Der Neusser Radfahrerverein ist wild entschlossen, das Radsportspektakel nach den coronabedingten Absagen 2020 und 2021 in diesem Sommer zurück in die Innenstadt zu bringen. Aber das Comeback ist keineswegs ein Selbstläufer.

Die Erinnerung ist nicht mehr ganz so frisch. Am  31. Juli 2019 fand die 18. Tour de Neuss nach 82 Kilometern den Sieger, auf den die meisten der mehr als 25.000 Zuschauer gehofft hatten: Emanuel „Emu“ Buchmann, drei Tage zuvor auf den Champs Élysées als Gesamtvierter der Tour de France vom Rad gestiegen, triumphierte dank eines fulminanten Antritts drei Runden vor Schluss, dem weder Nikias Arndt noch Nils Politt (gewann 2018 in Neuss) folgen konnten. Was für ein fantastischer (Sport-) Abend für die Quirinusstadt.

Wer hätte damals ahnen können, dass der glanzvolle „18. Geburtstag“ der Tour de Neuss ihr vorerst letzter sein sollte. Sowohl 2020 als auch 2021 ging wegen der einfach nicht enden wollenden und gerade wieder an Fahrt gewinnenden Corona-Pandemie nichts. Und 2022? „Das ziehen wir auf jeden Fall durch“, verspricht Heinz Hegger, getragen von offenbar grenzenlosem Optimismus. Doch auch der Zweite Geschäftsführer des ausrichtenden Neusser Radfahrervereins von 1888/09 lebt nicht in Wolkenkuckucksheim und weiß: guter Wille allein reicht nicht. Um zu ergründen, was wirklich machbar ist, „haben wir am Freitag, nach langem Kampf, eine kleine Vorstandssitzung abgehalten“, sagt NRV-Vorsitzender Stephan Hilgers. Er kam danach zu dem Schluss: „Der Termin steht mit dem 27. Juli, aber wir müssen sehen, was die Zeit bringt. Es ist verfrüht, Aussagen zur Tour de Neuss in diesem Jahr zu machen.“

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Das mit Abstand drückendesten Problem neben Covid-19: Obwohl sich das Team um Barthel Winands, der seinen Posten als 2. Vorsitzender zwar an den Düsseldorfer Rechtsanwalt Alexander Deigert abgegeben hat, der Veranstaltung aber als Repräsentant erhalten bleiben möchte, in den beiden vergangenen Jahren trotz Absage weiter um den Kontakt zu den Sponsoren bemüht hatte, „haben wir uns ein bisschen aus den Augen verloren“, räumt Hilgers ein. Spätestens bis zu einem für den 25. April im Drusus 1 angesetzten Sponsoren-Treffen soll darum in persönlichen Gesprächen mit den Hauptgeldgebern abgeklärt werden, wie sie zu einem weiteren Engagement stehen. Hilgers: „Bis dahin wollen wir verbindliche Zu- oder Absagen bekommen.“ Erst dann, kündigt der Vorsitzende an, könne man zu einem Entschluss kommen.

Der Sponsorenkatalog gehe bei 200 Euro los und ende bei 10.000 Euro, erklärt Hegger. Die Schmerzgrenze, fügt Hilgers an, liege insgesamt bei einem Betrag im mittleren fünfstelligen Bereich, „wenn wir den unterschreiten, sind uns die Hände gebunden, dann hilft auch der größte Idealismus nichts mehr.“ Er sei zwar nach wie vor fest davon überzeugt, schiebt er in typisch rheinischer Gelassenheit nach, „dass wir das schaffen. Aber es wird ein harter Weg. Wir müssen rödeln und sollten dabei nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Wichtig ist, dass was passiert!“ Grundsätzlich sieht Hegger den NRV äußerst solide aufgestellt. „Wir hatten zuletzt sogar einen Mitgliederzuwachs, liegen jetzt bei 58. Damit stehen wir im Vergleich mit anderen radsporttreibenden Vereinen in Nordrhein-Westfalen sehr gut da.“

Und damit noch mal zurück zu besseren Tagen: Vor zwei Jahren hatten an der Kaiser-Friedrich-Straße der „Hype“ um Fanliebling Emanuel Buchmann und ein spektakuläres Rennen für unvergessliche Momente gesorgt.  Von Beginn an war so viel Dampf auf dem Radsportkessel, dass selbst dem erfahrenen Moderator Christian Stoll fast die Spucke wegblieb: „So ein Rennen habe ich noch nie erlebt.“ Und das will einiges heißen, schließlich kommentiert der Bremer seit gut vier Jahrzehnten Radrennen.