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Radrennen Tour de Neuss am Mittwoch in der Neusser Innenstadt

Radsport : Neusser Fahrer freuen sich auf ihr Heimrennen

„In Neuss“, sagt Philipp Mamos, „kenne ich nur zwei Veranstaltungen: Schützenfest und Tour de Neuss.“ Nun lebt der 36-Jährige erst seit zweieinhalb Jahren in der Quirinusstadt und ist Radsportler – trotzdem sagt dieser Satz viel über den Stellenwert des Radsportspektakels, das am Mittwoch in seine 18. Auflage geht.

Sein Arbeitsgerät kann Philipp Mamos am Mittwoch bis zur Startlinie schiebe, denn von seiner Wohnung bis zur Kaiser-Friedrich-Straße sind es gerade mal 200 Meter. „Deshalb hat die Tour de Neuss einen sehr hohen Stellenwert für mich,“ sagt der 36-Jährige, der vor zweieinhalb Jahren „der Liebe wegen“ in die Quirinusstadt zog.

Das Radrennen, das am Mittwoch quasi vor seiner Haustür in seine 18. Auflage geht, kannte er natürlich schon vorher. Denn Philipp Mamos ist einer jener vielen Fahrer, die für den Radsport leben. Und zeitweise von ihm, auch wenn sie es nie in eines der Pro-Tour-Teams geschafft haben. Es sind jene Fahrer, die einem Rennen wie der Tour de Neuss die richtige Würze geben, die mutige Vorstöße fahren, wenn die „Stars“, die direkt aus der Tour de France kommen und mit dreieinhalbtausend Kilometern in den Beinen auf dem engen und winkligen Stadtkurs einige Zeit brauchen, um sich ein zu rollen. Manchmal gewinnt auch einer von ihnen, wie 2016, als Dominik Bauer die Elite mit einem frechen Spurt düpierte und vor Nikias Arndt, Fränk Schleck und einem gewissen Emanuel Buchmann als Erster über den Zielstrich fuhr.

Philipp Mamos wurde damals Fünfter. Er hatte Dominik Bauer in Position gebracht für den Spurt, denn der Nachwuchsmann aus Rosellen und der Routinier von der Thywissenstraße fahren in einem Team. Philipp Mamos ist bei Dauner Akkon der Kapitän, so etwas wie ein „Spielertrainer“, der sich im Training und im Rennen um die jungen Fahrer kümmert, zu denen in Sven Thurau noch ein dritter Neusser gehört, der auch am Mittwoch an der Startlinie stehen wird.

Manchmal fährt Mamos aber auch auf eigene Rechnung. Wie bei den Deutschen Bergmeisterschaften Anfang Juni in Linden, als er hinter dem Allgäuer Simon Nuber und John Mandrysch (Team P&S Metalltechnik, startet ebenfalls bei der Tour de Neuss) Platz drei belegte. Dominik Bauer wurde Vierter, sicherte sich damit den Titel in der U23. Das Klettern liegt Philipp Mamos – 2004 war er Deutscher Bergmeister, ein Jahr später und 2009 wurde er Dritter. Auf dem Rundkurs über Kaiser-Friedrich-Straße, Drususallee, Breite Straße und Hochstraße wird ihm diese Fähigkeit nicht viel nützen. „Wir wollen uns gut präsentieren,“ nennt er als Ziel für die vier Dauner-Fahrer, zu denen neben dem Neusser Trio noch Mika Heming gehört.

Dabei haben sie das letzte Rennen gerade hinter sich. Auf dem Nürburgring ging es am Sonntag um wichtige Punkte in der Radsport-Bundesliga, Temperaturen von 16 Grad und Dauerregen setzten den Fahrern auf den 110 Kilometern mächtig zu. Dominik Bauer wurde 27., Sven Thurau 42., in der von John Mandrysch angeführten Gesamtwertung ist Bauer starker Achter, Thurau folgt drei Plätze hinter seinem Teamchef auf Rang 43. Was dem Team momentan Rang fünf beschert, 26 Punkte hinter Spitzenreiter P&S Metalltechnik, bei dem Markus Fothen seit Anfang des Jahres als sportlicher Berater fungiert. Platz zwölf belegt augenblicklich das Team Sportforum Kaarst/Büttgen. Brune Schmitz (am Ring 62.), Luke Derksen (66.), Nico Brenner (69.) und Martin Nitzschmann (83.) sind am Mittwoch auch bei der Tour de Neuss dabei.

Dass diese jungen Fahrer Zeit fürs tägliche Training und die Rennen an beinahe jedem Wochenende aufbringen können ohne Profis zu sein, dafür hat Philipp Mamos eine einfache Erklärung: „Die meisten sind Studenten.“ Dominik Bauer freilich arbeitet als Vermessungstechniker, „hat aber einen Arbeitgeber mit viel Verständnis für seinen Sport und eine Halbtagsstelle,“ sagt sein Teamchef. Anders lässt sich dieses ambitionierte „Hobby“ auch kaum bewältigen – für die Dauner-Fahrer stehen als nächstes die Tour of Utah und die Tour de Gouadeloupe auf dem Programm. Da genießt es nicht nur Philipp Mamos, wenn er ausnahmsweise mal sein Rad bis zur Startlinie schieben kann.