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Radrennen Tour de Neuss 2018 mit André Greipel

Radsport : Der Sieger ist diesmal nur Nebensache

Trotz des unerwarteten Todes ihres Sportlichen Leiters Andreas Kappes soll die Tour de Neuss zu einem Radsportfest werden.

Am Montag erlebte Christian Stoll „eine stimmungsvolle Radsportnacht“ in Hannover, kommentierte gewohnt launig den Sieg von André Greipel vor Max Walscheid und Rick Zabel. Das Trio wird am heutigen Mittwoch ab 19.15 Uhr auch bei der Tour de Neuss am Start sein, ebenso wie Christian Stoll am Mikrofon auf der Moderationsbühne an Start und Ziel auf der Kaiser-Friedrich-Straße.

Doch dort wird es wesentlich ruhiger zugehen als gewohnt. Grund ist der unerwartete Tod von Andreas Kappes – der Ex-Profi verstarb in der Nacht zu Dienstag an den Folgen eines Insektenstiches, der eine allergische Reaktion mit Herzstillstand auslöste. Seither herrscht Schockzustand in der Radsportszene. Aus dem löste sich der Neusser Radfahrerverein (NRV) als erster. Zwangsweise. „Es muss ja weitergehen,“ sagt der Vorsitzende Stephan Hilgers.

Eine Absage des Rennens, das im vergangenen Jahr mehr als 20.000 Zuschauer in die Neusser Innenstadt lockte, stand für ihn außer Frage: „Das wäre nicht im Sinne von Andreas Kappes gewesen, das hat uns inzwischen auch seine Tochter bestätigt.“ Die unterstützte den fünfmaligen Tour de France-Teilnehmer bei der organisatorischen Abwicklung der Fahrerverpflichtungen.

Zum 15. Mal war Kappes, der in den Anfangsjahren gleichzeitig noch selbst bei der Tour de Neuss startete, dafür zuständig. „Und hat erneut ganze Arbeit geleistet,“ lobte NRV-Vize Barthel Winands den Sportlichen Leiter bei der Pressekonferenz in der vergangenen Woche. Zu recht, denn trotz schwieriger Bedingungen war es Andreas Kappes gelungen, wieder acht Fahrer nach Neuss zu holen, die direkt aus der am Sonntag zu Ende gegangenen Tour de France kommen. An der Spitze Sprinterkönig André Greipel (Team Lotto Soudal), der vor Jahresfrist zum dritten Mal auf der Kaiser-Friedrich-Straße gewann. Vor Rick Zabel (Katusha Alpecin) und Marcus Burghardt (Bora Hansgrohe).

Der mittlerweile in Köln lebende Sohn von Sprinterlegende Erik Zabel und der Deutsche Straßenmeister von 2017 werden am Mittwoch ebenfalls dabei sein, wenn um 19.15 Uhr die 49 Elitefahrer auf den wegen einer Baustelle auf 1300 Meter verlängerten Rundkurs geschickt werden. Burghardt ist dabei ebenso wie der jetzt für Australien fahrende Freiburger Heinrich Haussler (Team Bahrain-Merida) Einzelkämpfer, alle anderen Tour de France-Fahrer bringen Unterstützung mit: Greipel seinen „Edelhelfer“ Marcel Sieberg, der mit ihm gemeinsam die Tour de France vorzeitig beendete. Rick Zabel, dem ebenso wie dem Duo die Alpenetappen zum Verhängnis wurden, bringt Nils Politt mit, der seine zweite Tour de France auf Platz 87 beendete und Platz 13 in der Wertung für den besten Jungprofi belegte. Nikias Arndt (Team Sunweb), als 67. zweitbester Deutscher in Paris, wird vom DM-Dritten Max Walscheid unterstützt. Und Paul Martens (81.), der im Team Lotto NL-Jumbo wertvolle Helferdienste für den am Ende Fünftplatzierten Primoz Roglic leistete, hat den gleichfalls Neuss-erfahrenen Robert Wagner an seiner Seite.

Wer von ihnen gewinnt – der veränderte Kurs mit den längeren Geradeausstrecken auf Breite Straße und Kaiser-Friedrich-Straße sollte den Tour de France-Teilnehmern entgegen kommen – dürfte diesmal zur Nebensache werden. Das Programm – erster Start ist um 14.30 Uhr das Jugendrennen U 11, um 16.30 Uhr wird das Firmenrennen gestartet, um 18.15 Uhr beginnt die Fahrervorstellung mit Einschreibung der Teams – bleibt unverändert. „Die Radsportparty wird dann eben ein bisschen leiser“, sagt Stephan Hilgers, Der eines, nicht nur in Bezug auf die Tour de Neuss und den Radsport, aus Erfahrung ganz sicher weiß: „Nackenschläge machen einen nur stärker.“ Und davon gab es in diesem Jahr mehr als genug.