1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Radrennen des VfR Büttgen wegen Corona-Virus abgesagt

Radsport : Büttgener Radrennen pausiert erstmals seit 1963

Es hat bisher alle Krisen überstanden, doch die Corona-Pandemie zwingt es in die Knie: Erstmals seit 1963 wird es am 1. Mai kein Straßen-Radrennen in Büttgen geben. Der gleichfalls abgesagte „Spurt in den Mai“ soll im November nachgeholt werden.

Da hatte der Radsport gedacht, er hätte alle Krisen gemeistert, da trifft ihn die Corona-Pandemie ins Herz: Erstmals seit der Premiere vor 57 Jahren wird es am 1. Mai 2020 kein Straßenrennen im „Sportdorf“ Büttgen geben. Während der knapp neunstündige Familientag, der vom Rennen für Laufräder bis zu dem der Elite-Amateure reicht, ersatzlos gestrichen wird, soll der „Spurt in den Mai“ am 14. November nachgeholt werden – natürlich unter einem anderen Titel: Das Sportforum an der Olympiastraße sieht dann die „Büttscher Sixdays Night“.

„Wir sind damit in terminlicher Nähe zur Sechstagesaison und hoffen, damit attraktiv für die entsprechenden Fahrer zu sein,“ sagt Friedhelm Kirchhartz. Der Gesamtleiter der beiden Büttgener Radsporttage hat sich die gemeinsam mit Abteilungsleiter Lars Witte und dem Organisationsteam getroffene Entscheidung nicht leicht gemacht. Auf ihrer Sitzung am vergangenen Freitag hatte die Runde das Thema noch vertagt, am Mittwoch entschlossen sie sich zur Absage: „Aufgrund der aktuellen Entwicklungen hinsichtlich des Corona-Virus ist die Planungssicherheit einfach nicht mehr gegeben,“ sagt Kirchhartz, „das Wohl aller Bürgerinnen und Bürger und aller Sportlerinnen und Sportler steht auch für uns an oberster Stelle.“ Weil die „weitere Entwicklung des Virus leider nicht absehbar“ sei und „eine zu große Gefahr für unsere Veranstaltung“ darstelle, seien die seit November laufenden Vorbereitungen auf die beiden Großveranstaltungen mit mehreren Tausend Zuschauern gestoppt worden.

Es ist eine Zäsur, denn Radrennen und Büttgen haben fast sechs Jahrzehnte lang ununterbrochen zusammen gehört. Es war 1962, als Franz Bresser, der Wirt des im Büttgener Bahnhof gelegenen Vereinslokals des 1912 gegründeten Vereins für Rasensport (VfR), beim damaligen Vereinspräsidenten Hermann Dropmann mit der Idee vorstellig wurde, den bis dahin reinen Fußballverein um eine Radsportabteilung zu erweitern. Der Wirt, den ältere Büttgener noch heute als „Original“ bezeichnen, war einst selbst im Trikot des zwischenzeitlich sanft entschlafenen Vereins „Staubwolke Büttgen“ Radrennen gefahren. Und ihm wie anderen, so erzählt es die Überlieferung, war es ein Dorn im Auge, dass es in Büttgen zwar nach wie vor Radsportler gab, diese aber für den Neusser Radfahrerverein von 1888/09 auf Deutschlands Straßen unterwegs waren. Weil zu diesen auch Willi und Dieter Kirchhartz gehörten, delegierte Dropmann den Auftrag an deren Vater Peter Kirchhartz – und der Chef der örtlichen Sparkasse erledigte ihn so prompt und gründlich, dass bereits am 1. Mai 1963 das erste Straßenrennen im Büttgener Ortskern ausgetragen wurde. Dort hat es bis zum Vorjahr, wenn auch auf wechselnden Rundkursen, 57 Auflagen erlebt.

Der Spurt in den Mai hat eine nicht ganz so lange, wenngleich nicht minder traditionsreiche Geschichte. Sechs Jahre nach Gründung der Radsportabteilung schrieb diese gemeinsam mit dem Reiterverein Holzbüttgen einen Brief an den damaligen Gemeindedirektor Möllmann. Beigefügt war ein Antrag auf Errichtung einer 333 Meter langen, offenen Radrennbahn mit Asphaltdecke nebst eines Reit- und Springparcours in deren Innenraum. Gebaut wurde schließlich nach Plänen des Münsteraner Architekten Herbert Schürmann ein 250 Meter langes Oval aus Doussie-Afzelia-Holz, das aus Kamerun importiert worden war – auf den Parcours im Inneren hatte der Reiterverein schon längst verzichtet.

Eröffnet wurde die Bahn am 2. Mai 1971 im Beisein von NRW-Innenminister Willi Weyer, der, so notiert die Chronik, eigens mit einem Polizeihubschrauber eingeflogen wurde. Zum Sportforum wurde das Ganze aber erst 1980, als die Anlage ein Dach erhielt, das eine Fläche von 4000 Quadratmetern überspannt, was Büttgen ein größeres Raumvolumen beschert als der Dortmunder Westfalenhalle.

Radrennen Büttgen - Spurt in den Mai - Strassenrennen - 1. Mai. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)
Radrennen Büttgen - Spurt in den Mai - Strassenrennen - 1. Mai. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)

In der finden längst keine Radrennen mehr statt. Der bei der Premiere von den Franzosen Pascale Poisson und Jean Rebiere gewonnene „Spurt in den Mai“ hat dagegen überlebt und sah neben Seriensieger Andreas Beikirch auch Radsportgrößen wie Olympiasieger Robert Bartko und Weltmeister Theo Reinhardt am Start – bis Corona zur Absage und – im besten Fall – zur Terminverschiebung zwang.