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Handball: Quirinus-Cup - und der ganz normale Wahnsinn

Handball : Quirinus-Cup - und der ganz normale Wahnsinn

Wenn 3000 Nachwuchssportler aus 13 Nationen in gut 200 Teams drei Tage um den Turniersieg spielen, ist das viel mehr als nur Handball.

Wer seine komplette Freizeit an und rund um die Pfingsttage in stickigen Sporthallen verbringt und sich dabei quasi im Minutentakt um kleine und mittelschwere Krisen zu kümmern hat, muss schon aus einem ganz besonderren Holz geschnitzt sein. Die Aussicht auf drei abenteuerliche Turniertage mitten unter mehr als 3000 Handballern aus 13 Nationen bringt Jochen Kallenberg, seit dem 2. Quirinus-Cup 1984 an Bord, jedenfalls nicht aus der Ruhe. Seine erste Wasserstandsmeldung gestern kurz vor Beginn der Mammutveranstaltung lautete lapidar: "Einige Mannschaften haben abgesagt, was gut ist, so müssen wir am Freitag nicht bis Mitternacht spielen lassen. Ansonsten herrscht hier der ganz normale Wahnsinn!"

Die schiere Größe des Turniers beeindruckt, auch die Qualität ist in Europa fast schon ein Alleinstellungsmerkmal - vor allem die Vergleiche mit den Talenten aus den ehemaligen Ostblock-Staaten kann in dieser Form nur der Neusser HV bieten. Doch auch in seiner bereits 32. Auflage ist der Quirinus-Cup viel mehr als nur Sport. Monsignore Guido Assmann, als Oberpfarrer an der Basilika St. Quirinus zu Neuss und Schirmherr diesem Großereignis in besonderem Maße verbunden, bringt die Sache auf den Punkt: "Wenn hier junge Menschen über alle Sprach- und Landesgrenzen hinweg erfahren, wie schön es sein kann, zusammenzuleben und etwas zu erleben, dann kann daraus auch der Einsatz werden für die Freiheit eines jeden Einzelnen."

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Aktuelle Beispiele für das selbstlose Miteinander der ursprünglich als Konkurrenten angereisten Sportler kennt Organisationschef Wolfgang Spangenberger viele: So erklärten sich die ungarischen Kollegen aus Budapest spontan dazu bereit, die wie sie im Mercure-Hotel in Erfttal untergebrachten tschechischen Handballer aus Strakonice und Pisek zu chauffieren, als deren Busfahrer ihre Lenkzeiten überschritten hatten. Schon da sind auch die Handballer aus dem vom Hochwasser besonders betroffenen Doboj (Bosnien-Herzegowina), denen der Neusser HV mit einer Spendenaktion unter die Arme greifen will.

Der Cup beschäftigt den ganzen Rhein-Kreis. Die HG Kaarst-Büttgen, ebenso als Co-Veranstalter im Einsatz wie die SG Zons, TuS Reuschenberg, TSV Norf, TSV Bayer Dormagen und der Förderverein Druschba/Freundschaft - Neuss-Pskow, freut sich in der von ihr betreuten Stadtparkhalle auf deutsche Spitzenteams wie TSV Hannover-Burgdorf, MT Melsungen und TuSEM Essen, aber besonders auf die Gäste aus Celje (Slowenien), Gliwice (Polen), Pisek, Prag und Doboj. Melanie Hinzpeter ist sich sicher, dass Kaarst ein guter Gastgeber sein wird. "Letztes Jahr haben wir von den Mannschaften sehr positives Feedback bekommen." Gastfreundschaft wird eben großgeschrieben am Rhein. So hat Spangenberger den finanziell chronisch klammen Moldawiern aus Chisinau, die mit zehnstündiger Verspätung angereist waren, eine Tankfüllung spendiert.

(NGZ)