Quirinus-Cup steht in seiner 27. Ausgabe vor ganz neuen Problemen

Handball : Quirinus-Cup steht vor ganz neuen Problemen

Über Pfingsten nehmen rund 1700 Handballer aus neun Nationen in knapp 150 Mannschaften am 37. Turnier des Neusser HV teil.

Ja sicher, der Quirinus-Cup ist auch in seiner 37. Auflage seit seiner Premiere 1983 ein Hingucker. Wenn ab Freitag rund 1700 Nachwuchs-Handballer aus halb Europa um eines der begehrten Tickets für die Finalspiele am Sonntag ab 14 Uhr in der wahrscheinlich wieder mal viel zu kleinen Elmar-Frings-Sporthalle an der Bergheimer Straße kämpfen, ist das in den besten Momenten immer noch großes internationales (Sport-)Kino. Doch der Klassiker, der zu seinen Glanzzeiten vor allem mit seinen ausgezeichneten Kontakten in den ehemaligen Ostblock Maßstäbe setzte, steht vor neuen, bislang unbekannten Herausforderungen.

Martin Eggert, der vor zwei Jahren die Nachfolge seines seit einer gefühlten Ewigkeit für die Spielpläne und die Turnierleitung verantwortlichen Mentors Jochen Kallenberg angetreten hatte, schlägt sich in der heißen Phase der Vorbereitung mit einer ihn zunehmend irritierenden Anspruchshaltung der beteiligten Vereine herum. Fragen, ob die Klassenzimmer des Schulzentrums an der Weberstraße, wo an den drei Tages des Turniers mehr als 1000 Handballer die Nächte auf mitgebrachten Luftmatratzen verbringen, mit Video-Beamern und Feldbetten ausgestattet seien, beantwortet der Vorsitzende des veranstaltenden Neusser HV mittlerweile so: „Nein, dieses Jahr gibt es dort nur Wasserbetten und eine Minibar ...“ Dieses von ihm spöttisch als Vollkasko-Mentalität bezeichnete Gebaren belastet ihn und die immer kleiner werdende Schar ehrenamtlicher Helfer darum besonders, weil parallel dazu auch die Bereitschaft, sich an Zusagen zu halten, nachlasse: „Stornierungen auf den letzten Drücker werfen Spielpläne durcheinander. Und gerade erst erreichte mich eine Mail mit der Bitte eines Trainers, alle Spiele seiner Mannschaft auf den Samstagvormittag zu legen, weil für den Nachmittag ein Trip nach Köln geplant sei.“

Doppelt froh macht ihn deshalb die spontane und unbürokratische Hilfe „unserer Freunde aus Meerbusch.“ Nur weil der TuS Treudeutsch Lank und der Meerbuscher HV als Co-Veranstalter zum TSV Norf, Förderverein Druschba Neuss-Pskov (blieb an Bord auch ohne Team aus der Partnerstadt) zur HG Kaarst/Büttgen und zur HSG Neuss/Düsseldorf gestoßen seien, „konnten wir den QuirinusCup in gewohntem Umfang realisieren.“ Dadurch habe man den Wegfall der im Vorjahr noch genutzten Hallen in Düsseldorf, Dormagen und Zons kompensieren können. Besonders traurig stimmt Eggert in diesem Zusammenhang der Ausstieg des TSV Bayer Dormagen, der auch mit keiner Mannschaft beim Cup vertreten ist. „Dabei war der TSV als Co-Veranstalter fest gebucht.“

Sehr gut aufgestellt sieht sich der NHV dagegen in anderen Bereichen. Etwa beim Catering, das die über ihre Vorstandsvorsitzende Jutta Zülow eng mit dem Turnier verbundene Zülow AG komplett übernommen hat. Die Reduzierung der Teilnehmerzahlen (einst kamen über Pfingsten bis zu 3000 Aktive an den Rhein) und der Spielhallen (von 14 auf elf) verkauft Eggert als gewiefter Öffentlichkeitsarbeiter sogar als Fortschritt: „Das bedeutet eine Konzentration zugunsten der Athleten. Wir sind wieder ein bisschen familiärer geworden. Außerdem ist es uns damit möglich, den Zeitrahmen entsprechend zu staffeln. Es gibt mehr Pausen, so dass die Spieler und Spielerinnen am Abend nicht total kaputt aus der Halle fallen.“

Nachgelegt hat das Turnier auch in Sachen Digitalisierung. Das gute alte Hallenheft zum Cup hat ebenso ausgedient wie das Ergebnisportal SIS-Handball. Dafür steht nun eine eigene Turnier-Software zur Verfügung, alles rund um die Veranstaltung gibt es auf der Homepage www.quirinuscup.org, auf der Facebook-Seite /quirinuscupneuss und auf Instagram (quirinuscup). „Wir sind moderner geworden“, stellt Eggert stolz fest.

Und natürlich gibt es in der A- und B-Jugend (männlich und weiblich) außer Pokalen und Medaillen wieder etwas zu gewinnen: 1000 Euro für Platz eins,  600 Euro für Platz zwei und noch 400 Euro für Platz drei.

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