Jüchen : Preis für engagierte Mutter

Elke Bolz setzt sich für ihren autistischen Sohn Malte ein, arbeitet in der Schule mit und kümmert sich um einen Traum, den Maltes Klasse hat: die Abschlussfahrt. Die Bürgerstiftung hat sie nun als "Alltagsheldin" ausgezeichnet.

Malte war drei Jahre alt, als seine Eltern erfuhren, dass er Autist ist. Doch für Elke (49) und Georg (49) Bolz brach die Welt nicht zusammen: "Ich bin kein Mensch, der schnell aufgibt", sagt die zweifache Mutter. Heute ist Malte 17 Jahre alt, kann laufen, sprechen — sogar Schwimmen und Fahrrad fahren haben ihm seine Eltern und seine Schwester Nicole (23) mit viel Geduld und Liebe beigebracht. "Sein Lieblingsort ist die Schaukel im Garten. Auch das hätte er nach Aussage der Ärzte motorisch niemals lernen können", sagt Elke Bolz.

Ihr Sohn ist ihr so vertraut, dass sie über die Symptome nachdenken muss. "Er hat Schwierigkeiten, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Malte telefoniert nicht gerne und lässt sich nicht gerne anfassen. Auch, dass er alleine vor die Tür geht oder gar am Straßenverkehr teilnimmt, ist undenkbar." Typische Dinge, die ein Jugendlicher in dem Alter mache, seien für Malte nicht realisierbar oder aber mit genauen Planungen verbunden.

Malte Bolz geht zur Rheinischen Förderschule in Mönchengladbach. Dort werden die Schüler in ihrer motorischen Entwicklung gefördert. Elke Bolz ist eine der Mütter, die sich einbringen. Als stellvertretende Klassenpflegschaftsvorsitzende hilft sie zum Beispiel tatkräftig mit, Schulfeste zu organisieren. "Für mich ist das selbstverständlich", sagt sie bescheiden.

Die Bürgerstiftung Jüchen zeichnete sie jetzt für ihr beispielhaftes ehrenamtliches Engagement zur Förderung autistischer Kinder und Jugendlicher mit dem Bürgerpreis in der Rubrik "Alltagshelden" aus. Vorgeschlagen hatte sie Marcel, der Freund ihrer Tochter. "Er bringt sich wie selbstverständlich in unserer Familie ein, hilft gemeinsam mit meiner Tochter bei Schulveranstaltungen", lobt Elke Bolz. Für sie hat ihre ehrenamtliche Tätigkeit nur ein Ziel: "Es gibt nichts Schöneres, als die Kinder lachen zu sehen."

Deshalb arbeitet sie mit den anderen Eltern und den Lehrern auch darauf hin, dass die Klasse ihres Sohnes im Mai 2012 ihre Abschlussfahrt nach Italien machen kann. "Das Preisgeld von 500 Euro bringt uns ein großes Stück weiter", sagt Bolz. "Ich wage es fast zu sagen: Sie fahren."

Durch die Behinderung ihres Sohnes habe sie gelernt, wie viel Spaß es macht, anderen zu helfen. "Anfangs war das Loch, in das wir gefallen sind, tief. Aber wir sind ein eingespieltes Team", sagt sie. Nach der Schule wird Malte in der Werkstatt für Behinderte in Hemmerden seinen Einstieg in das Berufsleben finden. "Dort hat er jemanden, der ihm durch den Alltag hilft. Das braucht er."

(NGZ)