Korschenbroich : Polizei ermahnt Radfahrer

Donnerstag führte die Polizei in Korschenbroich Verkehrskontrollen durch. Die NGZ schaute den Beamten dabei über die Schulter. Insbesondere Radfahrer nahm die Polizei ins Visier. Die Reaktionen waren größtenteils positiv.

Wenn das Läuten ertönt, gibt es kein Halten mehr. Schulschluss, alle Kinder und Jugendlichen strömen nach draußen, möchten so schnell wie möglich den Heimweg antreten. Am schnellsten geht das für viele mit dem Fahrrad. In der Unterführung am S-Bahnhof Kleinenbroich kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen mit Radfahrern. "Einige rauschen dort einfach durch, die Fußgänger rechnen nicht damit. Da kann es schon mal brenzlig werden", erklärt Polizeihauptkommissar Jürgen Steinberg die Verkehrskontrolle am S-Bahnhof. Die Jugendlichen reagieren einsichtig, als Steinberg und seine Kollegen auf das Fehlverhalten aufmerksam machen.

Belehrung statt Knöllchen

Einmal reagiert ein junger Mann nicht auf die Aufforderung, bitte abzusteigen. Erst als sich die Polizisten ihm mit Handzeichen in den Weg stellen, bleibt er stehen. Grund ist nicht etwa Böswilligkeit — der Radfahrer trägt Musikkopfhörer und hat die Aufforderung einfach nicht gehört. Der Polizeihauptkommissar kennt das schon. "Kopfhörer im Straßenverkehr sind so gefährlich, da sie Umgebungsgeräusche, etwa ein nahendes Auto, völlig abschirmen. Ein Ohr sollte immer frei sein, um den Straßenverkehr wahrzunehmen", sagt er.

Szenenwechsel — nicht nur während der Stoßzeiten morgens und mittags hat die Polizei ein Auge auf den Verkehr. Diesmal gerät auf der Hochstraße ein Radfahrer ins Visier der Beamten. Hier gibt es auf einer Straßenseite einen kombinierten Fuß- und Radweg. Der Mann fährt jedoch auf der Straße. Auf die Zurechtweisung der Polizei reagiert der Radfahrer positiv. "Solche Kontrollen sind schon eine vernünftige Sache, da muss man als Radfahrer auch mal selbstkritisch sein", sagt der 44-Jährige. "Allerdings ist dieser Weg auch gar nicht so leicht zu erkennen. Hier in Kleinenbroich muss man schon aufpassen." Ein Bußgeld für den Mann ist nicht fällig, er setzt seine Fahrt nach der Kontrolle ordnungsgemäß fort. "Wir wollen ja nicht auf Teufel komm raus Knöllchen verteilen, sondern den Leuten klar machen, in welche Gefahr sie sich begeben", sagt Steinberg. Viele Angehaltene reagierten freundlich auf die Kontrollen, in manchen Fällen werden die Beamten aber auch in Diskussionen verwickelt. Bußgelder werden oft nur dann verhängt, wenn ein Radfahrer grob fahrlässig handelt — und zum Beispiel im Dunkeln ohne Licht fährt. Steinberg ist das Wohl des Bürgers am wichtigsten. "Fußgänger und Radfahrer haben nun mal keine Knautschzone wie ein Auto. Sie ziehen bei einem Unfall immer den Kürzeren", sagt er.

(NGZ/url)