Jüchen : Politiker für vier Tage

Gesetze verabschieden, sich mit Koalitionspartnern plagen und im Berliner Plenarsaal sprechen – all das durfte jetzt der Korschenbroicher Frederik Hamm (19) bei einem Planspiel. Dass er sich dafür bewarb, war kein Zufall.

Gesetze verabschieden, sich mit Koalitionspartnern plagen und im Berliner Plenarsaal sprechen — all das durfte jetzt der Korschenbroicher Frederik Hamm (19) bei einem Planspiel. Dass er sich dafür bewarb, war kein Zufall.

Vier Tage lang Politiker sein — das durfte jetzt der Korschenbroicher Frederik Hamm. Mit über 300 Jugendlichen aus der ganzen Republik reiste der 19-Jährige zum Planspiel "Jugend und Parlament" nach Berlin. "Es war eine tolle Erfahrung", schwärmt Hamm bei einem Nachtreffen mit dem Bundestagsabgeordneten Ansgar Heveling im Café Brass am Kirchplatz. Aus acht Bewerbungen hatte Heveling Frederik Hamm ausgewählt und dem Abiturienten damit die Teilnahme an dem Planspiel ermöglicht.

Und Hamm erlebte, wie mühsam es zuweilen sein kann, Berufspolitiker zu sein: Die Jugendlichen stellten das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren nach, schlüpften in die Rollen von Abgeordneten und simulierten Gesetzesinitiativen — an den echten Schauplätzen im Parlament: im Plenarsaal, in den Ausschüssen und Fraktionssälen. Wieder daheim sagt Hamm Sätze wie: "Wir mussten uns mit den Liberalen in der Koalition rumschlagen" — und klingt dabei beinahe schon wie ein Politprofi. Als Mitglied der imaginären "Christlichen Volkspartei" musste der Abiturient beim Planspiel agieren. Im Plenarsaal hielt er eine Rede über das Thema Diskriminierung. Schwierig, so Hamm, sei es gewesen, stets in der Rolle zu bleiben. "Vielen fiel es auch schwer, die eigene Meinung abzuschwächen, um Kompromisse zu finden", erzählt der 19-Jährige. Einen Abend vor der Abreise erlebte er bei einer Podiumsdiskussion unter anderem die Politiker Frank-Walter Steinmeier, Gregor Gysi und Renate Künast. "Ich bin eigentlich eher konservativ, aber Gysi beeindruckte mich schon. Er ist rhetorisch sehr begabt."

Es war kein Zufall, dass sich der Korschenbroicher für das Planspiel beworben hatte. "Ich bin schon immer politisch sehr interessiert", sagt Hamm. Auch die Lehrerin seines Leistungskurses Geschichte am Korschenbroicher Gymnasium, Gisela Retz, hätte immer wieder politische Diskussionen angeregt. "Wir Schüler haben uns teilweise in unserer Freizeit getroffen, um über Politik zu sprechen", sagt Hamm.

Volkswirtschaft würde er gerne studieren. Beworben hat er sich in Münster. Noch weiß Frederik Hamm nicht, ob er später die Politik als Beruf betreiben will. "Ich befinde mich gerade ja in einer großen Umbruchsphase." Ein Schritt nach dem nächsten — das sei zurzeit sein Motto. Einblicke in den Politbetrieb hat er jetzt schon mal bekommen.

(NGZ/rl)
Mehr von RP ONLINE