Lokalsport: Platz sechs soll es schon werden

Lokalsport : Platz sechs soll es schon werden

Mit einem halben Dutzend neuen Namen im Kader stellt sich der KSK Konkordia Neuss ab der kommenden Woche der Herausforderung in der auf zwei Gruppen reduzierten Ringer-Bundesliga. Platz sechs ist das Minimalziel.

Ausfall des Hauptsponsors hier, gerade abgewendete Insolvenz da — allen Widrigkeiten, zu denen oft genug auch noch die eigene Gesundheit gehört, zum Trotz werkelt Hermann J. Kahlenberg unverdrossen an seinem Lebenswerk: den Kraftsportklub Konkordia Neuss auf Dauer in der deutschen Ringerszene zu etablieren. Aus dem früheren Fahrstuhlteam ist längst ein ernst zu nehmender Konkurrent für die etablierten Ringervereine der Republik geworden: Wenn der KSK am 29. August zum ersten Auswärtskampf bei Aufsteiger RG Hausen-Zell aufläuft, ist es die neunte Saison in Folge, die die Neusser in der Bundesliga verbringen.

Vier Mal gelang ihnen der Einzug in die Play-off-Kämpfe um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Altmeister VfK Schifferstadt (2002) und die bayerischen Vertreter SV Hallbergmoos (2005), Wacker Burghausen (2007) und SC Anger (2008) bedeuteten jeweils in der ersten Runde die Endstation. "Um diesmal in die Play-offs zu kommen, muss alles wirklich optimal laufen", sagt KSK-Präsident Kahlenberg anderthalb Wochen vor dem Start. Der Grund liegt nicht etwa in einer schwächeren Mannschaft, die das Trainergespann Ayhan Aytemiz und Oleg Dubow auf die Matte schickt. Viel mehr hat der Deutsche Ringer-Bund (DRB) einmal mehr seine Ligeneinteilung einer Reform unterzogen, der dritten innerhalb der vergangenen vier Jahre. Statt jeweils acht Mannschaften in drei Staffeln — 2006 waren es noch fünf in vier Gruppen — bewerben sich nun insgesamt 20 Vereine in zwei Bundesligen um die acht Plätze im DM-Viertelfinale.

Der KSK bekommt es im Westen mit Titelverteidiger KSV Köllerbach, den alten Bekannten RWG Mömbris-Königshofen, SV Germania Weingarten und ASV Mainz sowie fünf Unbekannten zu tun: KSV Aalen, RKG Freiburg und den Aufsteigern ASV Nendingen, KSV Seeheim und Auftaktgegner RG Hausen-Zell. In der Oststaffel sind Vizemeister 1. Luckenwalder SC, die KG Frankfurt/Eisenhüttenstadt, ASV Hof, AC Lichtenfels, AV Germania Markneukirchen, SV Hallbergmoos, SC Anger, RV Thalheim, KFC Leipzig und Wacker Burghausen am Start.

Für Hermann J. Kahlenberg ist die Sache klar: "Weingarten und Köllerbach sind die Top-Favoriten, eventuell kann Aalen noch mithalten." Dahinter bewerben sich fünf Teams mehr oder weniger auf Augenhöhe um den einen noch verbleibenden Play-off-Platz: Mömbris, Mainz, Nendingen, Freiburg und Neuss. "Irgendwo zwischen vier und sechs" möchte der KSK-Chef sein Team in der Endabrechnung schon sehen. Abstiegssorgen hat er keine: "Da müsste schon alles schief laufen."

Seinen Optimismus gewinnt er aus der Tatsache, dass der Kader breiter aufgestellt ist denn je: 23 Namen umfasst die Liste für die weiterhin sieben Gewichtsklassen zwischen 55 und 120 Kilogramm. "Wir können jetzt Ausfälle besser kompensieren", ist Kahlenberg überzeugt. Dafür sogt gleich ein halbes Dutzend Zugänge, zumeist ambitionierte Nachwuchskräfte wie der vom Deutschen Meister Köllerbach gekommene Georg Harth (21), der Deutsche Juniorenmeister der vergangenen drei Jahre und Fünfte der Junioren-WM 2008 (74 kg). Oder Ilyas Özdemir (21), der vor drei Jahren schon einmal sein Glück beim KSK versuchte und jetzt aus Witten nach Neuss zurückkehrte — er ist amtierenden Deutscher Vizemeister in der Klasse bis 74 Kilogramm Freistil. Neu sind auch der Kubaner Eduarnis Tellez-Zamora (25), im vergangenen Jahr Sieger des Großen Preises von Deutschland in 55 Kilogramm, der Aserbeidschaner Makhmut Magomedov (23), vor drei Jahren Junioren-Europameister in 60 Kilogramm, der Bulgare Plamen Palev (24), der aus Witten gekommene Islam Masaev (23) und der griechische EM-Fünfte dieses Jahres, Ioannis Arzoumantidis. Der 120-Kilo-Mann soll aber nur zu bestimmten Kämpfen eingeflogen werden. "Alle anderen leben und trainieren während der Saison in Neuss", sagt Kahlenberg. Auch das war mal anders, doch auch das gehört zu seinem Lebenswerk.

(RP)
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