Korschenbroich : Pfarrhaus vor dem Abriss?

Das alte Korschenbroicher Pfarrhaus befindet sich in einem trostlosen Zustand. Während der Kirchenvorstand von St. Andreas auf Sanierung beziehungsweise Umbau drängt, tritt das Bistum Aachen auf "die Bremse".

Wie ein vergessenes Kleinod aus einer anderen Zeit fristet das alte Pfarrhaus zwischen Andreas-Brunnen, Andreas-Pfarrkirche und den GdG-Büros ein trostloses Dasein. Der gute Hirte — mit Hut — wacht über der seit Monaten verriegelten Eingangstüre. Dass endlich etwas passieren muss, darüber sind sich die Mitglieder im Kirchenvorstand lange einig. Allerdings treten die Verantwortlichen in Korschenbroich auf der Stelle: Ohne das Bistum Aachen geht gar nichts.

"Wir sind hilflos und mittlerweile auch ratlos", beschreibt Rita Mielke (54) die aktuelle Situation. "Das Haus könnte seit 2006 saniert und vermietet sein, wenn das Bistum uns 2005 die Sanierung genehmigt hätte", sagt die geschäftsführende Kirchenvorstandsvorsitzende. Und ihr Stellvertreter Klaus Segbert (54) ergänzt: "Mittlerweile hat sich das Thema Sanierung überholt."

Dabei hatte der Kirchenvorstand in Aachen zwei Sanierungskonzepte zur Genehmigung eingereicht. "Ziel war es, das Haus auf eigene Kosten umzubauen und zwei Wohnungen für die Pfarrer Frank Josef van de Rieth und Thomas Wieners zu schaffen. "Das war damals Wunsch und Vorgabe des Bischofs", erinnert sich Rita Mielke. "Trotzdem verweigerte das Generalvikariat alle angedachten Baumaßnahmen", so Segbert. Der Grund: "Die fehlende Rendite."

Das Pfarrhaus wurde 1858 errichtet. Für den Bau war der damalige Pfarrer Nikolaus Kniprath verantwortlich. Zuletzt wurde das Gebäude fast 30 Jahre von Pfarrer Wilhelm Doerges bewohnt. Seit seinem Tode im August 2003 ist es unbewohnt. Während es anfangs noch vom Pfarrgemeinderat genutzt wurde, ist das marode Gebäude am Kirchplatz 4 seit zwei Jahren verriegelt. "Aus Sicherheitsgründen", sagt Segbert. Der Zustand war immer schlecht, ein Wasserrohrbruch gab der Immobilie dann den Rest.

Bei allen Nutzungsüberlegungen hat der Kirchenvorstand die "Optik des Kirchplatzes" im Blick: Die "kirchliche Geschlossenheit" soll erhalten bleiben. Daher wird ein Verkauf ausgeschlossen. Ein Abriss — mit Erhalt der Außenfassade — sei hingegen vorstellbar. Der Kirchenvorstand hat bereits Gespräche mit möglichen Investoren geführt, um das Haus einer behinderten- oder altengerechten Nutzung zuzuführen. Im Juni wird mit der Caritas Gladbach verhandelt.

Entspannt sieht Franz Kretzmann, Pressesprecher des Bistum Aachens, die Situation. "Das Haus gehört in das Kirchliche Immobilien-Management (KiM)." Zur aktuellen Bestandsaufnahme sollen im zweiten Schritt Nutzungsvorschläge der GdG gemacht werden. Kretzmann: "Zum alten Pfarrhaus hat das Bistum keine Position."

(NGZ)