Nicht mehr für kirchliche Aufgaben: Pfarrhaus soll vermietet werden

Nicht mehr für kirchliche Aufgaben : Pfarrhaus soll vermietet werden

Von Ruth Wiedner

Von Ruth Wiedner

Mit dem Jahreswechsel soll das Herrenshoffer Pfarrhaus nicht mehr für kirchliche Aufgaben genutzt werden. Es soll bereits im ersten Quartal 2006 vermietet werden. Der Grund: Die Umorganisation im Rahmen der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Korschenbroich. Es soll künftig anders genutzt werden: das Pfarrhaus von Herz-Jesu Herrenshoff. Es ist geplant, das alte Gebäude zu vermieten. Dabei denken die Verantwortlichen an eine Arztpraxis: Dann würden sich Kirche und Mieter nicht gegenseitig stören. NGz-Foto: M. Reuter

Die Gerüchteküche brodelt - es wird erzählt, dass das Pfarrhaus in Herrenshoff zum Verkauf ansteht. Richtig ist viel mehr, dass "das historische Gebäude" an der Schaffenbergstraße 9 bereits im ersten Quartal 2006 vermietet werden soll. Als Grund dafür führt Pfarrer Thomas Wieners eine organisatorische Umstrukturierung der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) an, zu der die katholischen Pfarrgemeinden St. Andreas Korschenbroich, St. Dionysius Kleinenbroich, Herz Jesu Herrenshoff, St. Georg Liedberg und St. Marien Pesch gehören.

Zurzeit teilen sich die beiden Pfarrer, Thomas Wieners und Frank-Josef van de Rieth, das Kleinenbroicher Pfarrhaus an der Hochstraße. "Daran wird sich auch nichts ändern", erklärte Wieners am Dienstag auf Anfrage der NGZ. Da sich aber durch das Ausscheiden von Pfarrer Alois Müller - er wird am 30. Oktober in der Pfarrkirche St. Andreas offiziell verabschiedet - neue Arbeitsbedingen ergeben, "sollen die Mitarbeiter an einem Punkt zusammengeführt werden".

Daher ist geplant, dass das Pfarrbüro zum Jahreswechsel in das benachbarte Gemeindehaus umzieht und das Pastoralteam ebenfalls das Herrenshoffer Pfarrhaus räumt. Manfred Schulz, Claudia Förster und Pastoralreferent Dieter Praas werden dann ihre Büros im Korschenbroicher Pfarrhaus von St. Andreas einrichten. "Mit dem Ausscheiden von Alois Müller wird es keinen neuen und damit dritten Pfarrer für die Gemeinschaft der Pfarrgemeinden geben", spricht Wieners offen die personellen Veränderungen an. "Wir müssen die Pfarre St. Andreas komplett übernehmen.

Da macht es Sinn, wenn die Büros der Seelsorger im Pfarrverbund an einem Ort konzentriert sind, um so noch effektiver arbeiten zu können." Aus diesem Grund wird nun "ernsthaft geplant", dass Pfarrhaus von Herz Jesu einer anderen Nutzung zuzuführen. "Es wird nicht verkauft", betonte Thomas Wieners mit Nachdruck. "Schließlich ist es direkt an die Kirche gebaut." Dies wäre einem Käufer nicht zuzumuten, gibt der Pfarrer zu bedenken.

"Die Pfarre will nicht auf Dauer einen fremden Eigentümer direkt neben der Kirche haben. Damit wäre der Ärger nur programmiert", skizzierte Wieners die Überlegungen. So sei auch der Wunsch entstanden, dieses schmucke Pfarrhaus zu vermieten. Bei der Beschreibung des historischen Gebäudes geriet Wieners ins Schwärmen: "Dieses kleine Herrenhaus verfügt über eine phantastische Innentreppe, ist top-gepflegt und wurde zuletzt von Dekan Dr. Albert Damblon bewohnt. Zurzeit wird es noch als Pfarrbüro und die Sitzungsräume von den Seelsorgern des Pastoralteams genutzt."

Bei der anstehenden Vermietung denken die Verantwortlichen der GdG an einen Privatmann, der das Pfarrhaus künftig vielleicht als Arztpraxis nutzen könnte. Auch wenn noch nicht geklärt ist, ob das Pfarrhaus überhaupt für gewerbliche Zwecke genutzt werden darf, kann Thomas Wieners dem Gedanken etwas abgewinnen: "Kirche und Mieter würden sich nicht gegenseitig stören."

Denn vom Hauptbetrieb der Herz-Jesu-Kirche wäre an den Wochenenden der künftige Pfarrhaus-Nutzer nicht betroffen. Willibald Moll, Baubeauftragter im Kirchenvorstand, ist zunächst damit betraut, sich um mögliche Anfragen zu kümmern. Dass sich die GdG für die geplante Vermietung aus rein finanziellen Gründen entschlossen habe, ist für Wieners kein Thema. "Natürlich wird das Haus für die Pfarre zu einer guten Geldquelle", doch die Umorganisation des Pastoralteams in Form einer Zentralisierung in St. Andreas hat für den Pfarrer bei den Überlegungen Vorrang.

INFO: Pfarrhaus Liedberg Ein trostloses Dasein fristet hingegen das Liedberger Pfarrhaus. Es steht seit dem Tod von Pfarrer Schubert Anfang 2002 leer. Alle Versuche der GdG, das Haus in direkter Nachbarschaft der Pfarrkirche St. Georg einer anderen Nutzung zuzuführen, sind bislang gescheitert. Die Schwierigkeit sieht Pfarrer Thomas Wieners in dem bestehenden Erbbaupachtrecht. "Es muss nach 70 Jahren an die Pfarre zurückgegeben werden." Die GdG-Bemühungen laufen aber weiter, schließlich fallen monatlich Kosten für das Haus an.

(NGZ)
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