Rennboot : London Docks – große Show, große Probleme

Nach einem hoffnungsvollen Start muss Pilotin Simone Schuft ihr Rennboot beim Klassiker mit defektem Motor abstellen.

Die wilde Jagd durch die Viktoria Docks in London – ein Abenteuer, das schon James Bond fasziniert hatte. Für die in der Rennserie F1H20 engagierten Teams der Formel 1 hieß das: mehr Publikum, mehr Presse, mehr TV. Für Simone Schuft in ihrem Powerboat des italienischen Profistalls Blaze Performance allerdings: auch mehr Probleme. In der elften Runde der wilden Hatz war Schluss, weil der Motor streikte.

Und das war ausgesprochen schade, hatte sich die Neusserin in ihrem zweiten Einsatz in der Königsklasse doch mächtig gesteigert. Und das bei keineswegs optimalen Bedingungen: Generell war die legendäre Strecke nach 33-jährigem Dornröschenschlag nämlich Gift für die heutigen Kraftpakete mit Spitzengeschwindigkeiten von weit mehr als 200 Stundenkilometern, „da sehr eng und durch die Spundwände rechts und links sehr schnell extrem rau und damit für unsere leichten, wendigen Boote sehr tricky“, fasste Simone Schuft zusammen. „Dazu kam der teilweise sehr starke und böige Wind.“

Trotzdem machte schon das erste freie Training Lust auf mehr. Lag die 43-Jährige im Zeittraining zu Beginn noch rund 8,5 Sekunden hinter der Spitzenposition, waren es am Ende nur noch 4,5 Sekunden. „Ein wirklich ordentliches Ergebnis.“ In einem hochkarätig besetzen Feld reichte das zwar nur zum 17. Startplatz, „aber wir waren sehr optimistisch für das Rennen.“ Indes: „Leider hatte ich im Training schon einen Motor mit Totalschaden eingebüßt, also musste das gute Stück (und die Reste) bis zum nächsten Einsatz komplett entfernt, der neue Motor montiert und eingefahren werden. Dass das tatsächlich geklappt hat, spricht für die Erfahrung in unserem Team.“ Das zweite freie Training nutzte die Pilotin aus Neuss, um sich auf den harten, engen Zwei-Bojen-Kurs mit einer echten 180-Grad-Wende am oberen Ende und einer etwas entspannteren Doppelboje am unteren Ende, einzustellen. „Das war für alle anstrengend und sehr ungewohnt.“

Dass sich die Rennleitung zu einem „Rolling Start“ entschied – „dabei werden alle Boote nacheinander auf die Strecke geschickt, und erst, wenn alle hintereinander aufgereiht unterwegs sind, wird das Startsignal gegeben“ –, erwies sich ebenfalls als Nachteil für die Debütantin. „Denn das eröffnet guten Startern wie mir kaum eine Chance, schon zu Beginn des Rennens etwas gutzumachen.“ Erwartungsgemäß dauerte es nur bis zur siebten Runde, ehe die schnellsten Boote von hinten an das Feld heranrasten, um zum Überrunden anzusetzen. Eine Problematik, mit der sich Simone Schuft nicht mehr zu beschäftigen hatte, denn kurz darauf muckte der Motor auf „und zwang mich, rauszufahren.“ Etwas besser lief es für ihren Teamkollegen Francesco „Franz“ Cantando. „Er hatte ein super Setup für die Strecke gefunden, flog die erste Hälfte nur so übers Wasser und arbeitete sich bis auf Rang vier nach vorne.“ Pech für den Italiener: Wie bei Simone Schuft tat sich plötzlich ein großes Loch in seinem Motor auf – auch für ihn war das Rennen vorzeitig beendet. „Einziger Lichtblick für uns in London: Max Stilz, unser junger Fahrer in der Formel 4, schaffte es, zwei Siege herauszufahren.“

Zeit, mit dem eigenen Unglück zu hadern, blieb Simone Schuft und ihrem Team freilich nicht. Unmittelbar nach dem Rennen in London hingen die Katamarane schon wieder am Haken, schließlich steht bereits am Wochenende der dritte WM-Lauf auf dem Plan, diesmal im am französischen Südufer des Genfersees gelegenen Evian. Schufts Credo: „Die Saison ist noch lang und abgerechnet wird am Schluss.“

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