Jüchen : Pater Andreas verlässt Damm

Nach 18 Jahren wird Andreas Petith (55) die Leitung der Oblatenmönche im Nikolauskoster abgeben. Er wird in den niederösterreichischen Wallfahrtsort Maria Taferln versetzt. Am 29. April 2012 wird er verabschiedet.

Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam haben die Mönche des Oblatenordens im Nikolauskloster gelobt. Auch Andreas Petith (55), der Leiter des Klosters. Das Gelübde des Gehorsams wird er jetzt erfüllen — schweren Herzens, denn im April 2012 wird er das Nikolauskloster verlassen müssen. "Ich werde nach drei mal drei Jahren turnusmäßig abberufen in eine andere Klostergemeinschaft. Mein neuer Wirkungsort wird Maria Taferln sein, der zweitgrößte Wallfahrtsort in Österreich", erklärt Petith auf Anfrage unserer Zeitung.

18 Jahre im beschaulichen Damm und bald an einen Ort, der in der Saison bis zu 500 000 Gäste zählt: Für Pater Andreas ist die jetzige Versetzung zwar keine Überraschung, "kommt aber dennoch plötzlich". Er wird am 29. April verabschiedet werden, am 8. Mai soll sein Nachfolger offiziell beginnen. Insgesamt zweimal neun Jahre hat Petith im Kloster verbacht, hat viele Veränderungen miterlebt. Eine auffällige: "Unsere Aufgabe als Schudienheim für junge Männer, die über den zweiten Bildungsweg Priester werden wollen, hat deutlich an Bedeutung verloren." Gründe seien zu wenig Nachwuchs und das verschwindende Interesse an geistlichen Berufen. "Zurzeit leben noch drei junge Männer bei uns — und es werden nicht viel mehr werden", meint der Pater Prior.

Gewachsen sei in seiner Zeit die Bedeutung von Nikolauskloster als geistliches Zentrum. "Viele Menschen schätzen es, dass unsere Tür immer offen steht. Hier können sie sicher sein, dass der Gottesdienst stattfindet, dass jemand ein offenes Ohr für sie hat", weiß Pater Andreas. Daraus hätten sich zahlreiche enge Beziehungen ergeben — solche müsse er am neuen Wirkungsort erst wieder aufbauen: "Die Menschen, die das Kloster als geistige Heimat sehen, werden mir am meisten fehlen." Wie eng die Jüchener mit den Patres verbunden seien, zeige das große ehrenamtliche Engagement.

"Das Kloster bezieht kein Geld vom Bistum, auch nicht für die Seelsorge", sagt Andreas Petith, der sich auch als Schulseelsorger um die St.-Bernhard-Gymnasiasten kümmert. "Wir finanzieren uns durch Übernachtungsgäste, mit Veranstaltungen und aus Spenden." Dies allein reiche aber nicht aus, um das Kloster zu erhalten. "Ohne einen Stamm von 60 bis 70 Ehrenamtlern könnten wir unsere Aufgabe nicht erfüllen", sagt der Kloster-Chef. Sie würden Aufgaben, die über eine externe Kräfte nicht zu finanzieren seien, übernehmen: von Grünpflege über die Reinigung der Wäsche bis zum Aufräumen der Zimmer. Ähnliche Kontakte muss Andreas Petith erst wieder aufbauen — ab 2012 in "Maria Taferln".

(NGZ/jul)