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Jüchen: Otzenraths älteste Urkunden übersetzt

Jüchen : Otzenraths älteste Urkunden übersetzt

Alt-Otzenrath ist ein Ort mit einer mehr als tausendjährigen Geschichte. Das belegen Urkunden, die der Archäologe Alfred Schuler schon vor einigen Jahren entdeckte. Mittlerweile konnte die Expertin Monika Grussone den Text der Dokumente übersetzen.

Der alte Ort Otzenrath hat eine mehr als 1000-jährige Geschichte. Das belegt eine Urkunde, die der Archäologe Alfred Schuler vom Amt für Bodendenkmalpflege schon vor einigen Jahren im Landesarchiv Düsseldorf entdeckte. Das Dokument wurde zwischen den Jahren 1000 und 1050 verfasst. Ein weiteres Zeugnis aus der Geschichte des Dorfs fand Schuler im historischen Archiv des Erzbistums Köln — das Schriftstück stammt von 1300. Beide Urkunden konnten jetzt übersetzt werden.

Der Förderverein des Gemeindearchivs Jüchen und der Geschichtskreis Otzenrath-Spenrath stellten gestern gemeinsam die Transkriptionen im Gemeindezentrum der evangelischen Kirche an der Hofstraße vor. Gemeindearchivar Axel Bayer stellte viele Details aus den alten Dokumenten vor — zum Beispiel, dass der Verwalter eines Fronhofes in Otzenrath dem Abt von Werden oder seinem Vertreter bei einem Aufenthalt auf dem Hof drei Schlafstellen zur Verfügung stellen musste — inklusive Verpflegung.

Wie aus einem hundert Jahre später entstandenen anderen Verzeichnis der Abtei hervorgeht, hat es sich bei dem Hof um eine fromme Stiftung für das Kloster gehandelt. Verstarben diejenigen, die zum Erwerb des Hofes beigetragen hatten, wurde bis zur Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts an ihrem Todestag für ihr Seelenheil gebetet, was in den "Memorienbüchern" des Stiftes festgehalten ist.

Gemeindearchivar Bayer ist von der älteren der beiden Urkunden — der ältesten bezogen auf die Geschichte Otzenraths — geradezu fasziniert: "Die älteste Erwähnung findet sich in einem Güterverzeichnis der Abtei Werden an der Ruhr und wurde um die Jahre 1000 bis 1050 verfasst." Der Archäologe Alfred Schuler hatte beide Dokumente im Rahmen seiner Forschungen entdeckt und sich mit der Bitte um Übersetzung an Gert Behr, den Gründer des Otzenrather Geschichtskreises, gewendet.

"Es war sehr schwierig, eine Übersetzung zu bekommen", erklärte Behr gestern. Der Otzenrather schaltete den Förderverein des Gemeindearchivs Jüchen mit dessen Vorsitzenden Dieter Peter Ohlmann und Schriftführer Axel Bayer ein. Letzterer ließ nicht locker. Durch Vermittlung von Hans-Werner Langbrandtner von der LVR-Archivberatung wurde man fündig, und die Wissenschaftlerin Monika Grussone vom Lehrstuhl "Mittlere Geschichte" in Aachen konnte helfen. Die Expertin erläuterte: "Zuerst habe ich eine Transkription der beiden Texte angefertigt — das heißt eine Übertragung der romanischen Minuskel und der gotischen Schrift in unsere lateinische Druckschrift." Anschließend übersetzte sie beide Quellen ins Deutsche. Und so wird Archivar Axel Bayer in Zukunft noch vieles über das alte Otzenrath herausfinden können.

(NGZ/ac)