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Leichtathletik: Otto will "mit Lächeln nach Hause gehen"

Leichtathletik : Otto will "mit Lächeln nach Hause gehen"

Der Stabhochspringer aus Straberg gilt bei der am Samstag in Moskau beginnenden Leichtathletik-Weltmeisterschaft als Medaillenkandidat.

Wer im vergangenen Jahr bei Hallen-Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Olympischen Spielen jeweils auf Platz zwei landete, der darf bei den Weltmeisterschaften getrost zu den Anwärtern auf eine Medaille gezählt werden.

Trotzdem gibt sich Björn Otto vor den am Samstag im Moskauer Luschniki-Stadion beginnenden Leichtathletik-Weltmeisterschaften ebenso kryptisch wie zurückhaltend: "Ich will nach dem Finale mit einem Lächeln nach Hause gehen", sagt der aus Straberg stammende 35-Jährige, der seit Jahresbeginn für den ASV Köln startet.

Der Olympiazweite von London und mit 6,01 Meter Inhaber des deutschen Rekordes ist einer von drei deutschen Stabhochspringern, die eine Medaille anpeilen. "Es kann sein, dass man sechs Meter springen muss, um Weltmeister zu werden. Wenn alles optimal läuft, traue ich mir das zu", sagt Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken), der in London hinter Otto (5,91 Meter) und dem Franzosen Renaud Lavillenie (5,97 Meter) die Bronzemedaille gewann und aktuell mit 5,91 Meter die nationale Rangliste anführt. "Ich will die sechs Meter knacken", kündigt Malte Mohr (TV Wattenscheid), der sich bislang über 5,86 Meter schraubte, recht selbstbewusst an. Björn Otto, der parallel zu seiner sportlichen Karriere seine Ausbildung zum Verkehrspiloten vorantreibt, steht bislang mit 5,90 Meter zu Buche.

Vielleicht gibt er sich deshalb etwas vorsichtiger als die Konkurrenz. Immerhin hat Mohr noch Sprünge über 5,84 und 5,82 Meter in seiner Saisonbilanz stehen, Holzdeppe katapultierte sich neben den 5,91 Meter noch über 5,84 und 5,82 Meter. Ottos Bilanz fällt mit einem Sprung über 5,83 Meter und dreien über 5,80 Meter etwas bescheidener aus. Bei den Deutschen Meisterschaften vor fünf Wochen in Ulm ließ er die nationale Konkurrenz allerdings klar hinter sich und sicherte sich im zarten Alter von 35 Jahren seinen ersten Meistertitel im Freien.

Gäbe es in Moskau eine Teamwertung, wären die Deutschen kaum zu schlagen. So aber müsste es schon mit dem Stabhochsprung-Teufel zugehen, wenn der Titel nicht an Renaud Lavillenie fiele. Der Franzose hatte nicht nur bei allen drei Großereignissen des vergangenen Jahres die Nase — jeweils vor Björn Otto — vorn, der 26-Jährige ist bisher auch in dieser Saison das Maß aller Dinge im Stabhochsprung: Ende Juli sprang er beim Diamond League Meeting in London über 6,02 Meter und scheiterte erst an der Weltrekordhöhe von 6,15 Meter. Und in weiteren fünf Wettbewerben sprang der Olympiasieger höher als alle Konkurrenten.

Freilich: Ende April, bei den Drake Relays in Des Moines im US-Bundesstaat Iowa, konnte Björn Otto seinen Dauerrivalen bezwingen — und das gleich zwei Mal: Im Stadion hatte er mit 5,70 zu 5,50 Meter die Nase vorn, drei Tage zuvor siegte er in einem Einkaufszentrum mit 5,80 zu 5,70 Meter.

Den Träumen aller Stabhochspringer könnte im Übrigen der Zeitplan ein Ende bereiten. Schließlich steht für sie die Qualifikation heute bereits um 10.15 Uhr Moskauer Zeit an — da ist es bei uns gerade mal viertel nach acht. Und solch frühe Sprünge behagen den Filigrantechnikern unter den Leichtathleten gar nicht.

(NGZ)