Leichtathletik : Otto fliegt zu WM-Silber

Hinter dem Franzosen Renaud Lavillenie (5,95 Meter) sicherte sich Stabhochspringer Björn Otto (TSV Bayer Dormagen) bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Istanbul Platz zwei. Seine erste Medaille bei einer WM.

Die Freude kam mit Verspätung. Nach dem dritten Fehlversuch über die Höhe von 5,90 Meter überwog bei Björn Otto zunächst die Enttäuschung. Während der Franzose Renaud Lavillenie, bereits Freiluft- und Hallen-Europameister, nach dem Satz über 5,95 Meter und der Drittplatzierte Brad Walker (5,80 Meter/USA) mit übergeworfenen Landesfahnen ihre Triumphe feierten, wanderte der Straberger wie geistesabwesend über die Anlaufbahn. Ein Augenblick, der die hohen Erwartungen widerspiegelte, mit denen der 34-Jährige zu den Hallen-Weltmeisterschaften gefahren war.

Otto brauchte eine Weile, ehe er den größten Erfolg seiner Karriere zu realisieren wusste. "Die erste Medaille bei einer Weltmeisterschaft ist schon etwas Besonderes", stellte er schließlich lächelnd fest. "Mit Silber bin ich zufrieden, es war eine super Hallensaison." Der Routinier, der in diesem Winter schon zweimal 5,92 Meter gemeistert hatte, war mit der Anlage in der Istanbuler Ataköy-Athletics-Arena von Beginn an nicht zurechtgekommen: "Die Bahn war sehr schnell, ich war immer zu dicht an der Latte." Außer beim zweiten Versuch über 5,90 Meter, "den habe ich gut getroffen. Da habe ich mich geärgert, dass die Latte nicht liegengeblieben ist". Weil er jedoch selbst mit dieser Höhe Renaud Lavillenie nicht vom Thron gestürzt hätte, machte den Schützling von Trainer Michael Kühnke auch Silber glücklich: "Zweiter mit 5,80 Meter — damit kann ich gut leben."

Immerhin hatte der Routinier des TSV Bayer Dormagen, der seine Karriere im Herbst schon beenden wollte, damit den zweiten Vizetitel für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nach Rang zwei für Kugelstoßer David Storl (Chemnitz) eingebracht.

Seinem Stabhochsprung-Kollegen Malte Mohr, vor zwei Jahren noch WM-Zweiter, blieb diesmal Edelmetall versagt. Bereits bei 5,60 Meter benötigte der Wattenscheider den dritten Versuch, nach im ersten Anlauf gemeisterten 5,75 Metern vermochte er die 5,85 Meter nicht mehr zu überwinden.

Rang vier stellte für ihn eine herbe Enttäuschung dar: "Schon das Einspringen war schlecht. Anlauf, Absprung — nichts hat gepasst. Ich habe nichts auf die Kette bekommen." Derweil blickte Björn Otto im Olympia-Jahr bereits voraus: "Jetzt will ich mich auf die Freiluftsaison genauso vorbereiten wie auf die Halle. Am wichtigsten ist es, gesund und ohne Zipperlein durchzukommen."

In Peter Emelieze war in Istanbul noch ein weiterer Athlet, der in den vergangenen Wochen am Dormagener Höhenberg trainiert hatte, am Start. Der Nigerianer schied über 60 Meter allerdings im Halbfinale aus.

(NGZ)