Jüchen : "Ostern ein Zeichen des Lebens"

Regionaldekan Ulrich Clancett, Pfarrer in St. Jakobus Jüchen, über die Bedeutung des Osterfestes, weshalb ihn der Karfreitagsgottesdienst am meisten beeindruckt und was er kürzlich in Jerusalem erlebte

Herr Clancett, auf einem Kindergeburtstag gab es neulich ein Streitgespräch. Die Streitfrage: Weihnachtsmann oder Osterhase. Das war fast wie früher bei den Beatles und den Rolling Stones, also auch eine Art Glaubensfrage. Was sagen Sie diesen Kindern?

Ulrich Clancett Ich würde ihnen erklären, warum Ostern das zentrale Fest im christlichen Glauben ist. Wir feiern den Sieg des Lebens über den Tod. Daraus kann jeder Kraft ziehen. Osterhase und Weihnachtsmann sind ja nur Symbole. Sie können helfen, den Inhalt unserer christlichen Feste zu vermitteln. Das ist in Ordnung. Schwierig wird es erst, wenn das Symbol selbst zum Inhalt wird.

Die Osterzeit ist ja eine zweischneidige Sache. Einerseits ist da dieses Karfreitagsgefühl: die Stille, die Traurigkeit über Jesu Kreuzigung. Andererseits vermittelt Ostern ein Gefühl der Zuversicht: Der Herr ist auferstanden.

Clancett Genau das ist das Spannende. Ich würde den Begriff des Todes dabei ausdehnen: Es geht nicht so sehr um den physischen Tod. Es gibt auch Momente, da fühlen sich Menschen wie tot. Zum Beispiel durch soziale Vereinsamung, Mobbing oder Krankheit. Es tut gut, dagegen ein Zeichen des Lebens zu setzen. Auch das lehrt uns die Ostergeschichte. Manchmal muss man sich gegen alle Widerstände und Trauer einfach umdrehen und ins Licht blicken, um neue Hoffnung zu finden. Diese Hoffnung gibt uns die Auferstehung Christi. Es gibt eine Zeit der Trauer. Aber man muss den Blick danach auf das Leben richten, nicht auf den Tod.

Zu Ostern läuft "König der Könige" im Fernsehen. Die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu wird eindringlich dargestellt. Auch das kann ermuntern, sich mit Ostern auseinander zu setzen. Erinnern Sie sich, wie Sie sich zum ersten Mal mit der Bedeutung des Osterfestes beschäftigt haben?

Clancett Das war erst während meines Studiums. Ich war zwar seit meiner Erstkommunion Messdiener, aber damals bedeutete Ostern vor allem Stress (lacht). Allerdings fand ich schon damals: Der Karfreitagsgottesdienst ist der Gottesdienst, der mich am meisten beeindruckt. Das liegt an dieser Stille, und am Pendeln zwischen bedrückender und erlösender Stimmung.

Wie beurteilen Sie denn die Filme im TV-Osterprogramm?

Clancett Sie sind ein Versuch, die Ereignisse in historischer Reihenfolge zu schildern. Mich interessiert dabei mehr die Botschaft, nicht die Frage historischer Genauigkeit. Auch bei den Evangelisten kommt Pontius Pilatus mal besser und mal schlechter weg. Erst kürzlich war ich in Jerusalem. Dort haben wir die Passionsgeschichte vor dem Hintergrund archäologischer Funde untersucht. Am meisten hat mich dabei ein Gedanke fasziniert: Über diese Straßen ist Jesus einst gelaufen. Das macht Glauben erlebbar.

Andreas Buchbauer führte das Gespräch.

(NGZ)