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Oscar Schwarz aus Hoisten betreut junge Fußballer in Südafrika

Fußball : Aus Hoisten in die Townships

Statt für die DJK Hoisten auf Torejagd zu gehen, betreut der 18-jährige Oscar Schwarz junge Fußballer in Südafrika – und sammelt in der Heimat Fußballschuhe für die Barfuß-Kicker aus den Townships.

Sportlich läuft es für die DJK Hoisten und ihren Trainer Marcus Schwarz in der Kreisliga A in dieser Spielzeit überhaupt nicht – deshalb ist es umso schöner, dass das Hoistener Eigengewächs Oscar Schwarz positive Schlagzeilen schreibt. Der 18-Jährige macht Verein und Vater mit seinem Engagement bei der Young Bafana Soccer Academy in Südafrika mächtig stolz.

Die Reise von Oscar Schwarz begann vor einem halben Jahr. Nach dem Abitur im Sommer ließen ihm seine Eltern die freie Wahl. „Wir haben ihm gesagt, dass er sich ein Jahr ausprobieren darf“, erzählt Marcus Schwarz. Studium oder ein klassisches Auslandsjahr waren Optionen, die Entscheidung fiel aber auf den Trainerjob in Südafrika. „Oscar hätte auch beim DFB in Frankfurt oder bei der Sportschule in Wedau hospitieren können. Die Entscheidung war aber relativ schnell klar“, so Schwarz. Es sollte die Young Bafana Soccer Academy werden.

Die Idee für das Projekt hatte Bernd Steinhage, der Sohn eines Deutschen und einer Namibierin, im WM-Jahr 2010. Seit 2012 trainiert die Young Bafana „zum großen Teil unterprivilegierte schwarze Spieler aus den umliegenden Townships.“ Über die Jahre entwickelte sich die NGO (Abkürzung für Non-profit organization) – eine private Organisation, die durch ihre Aktivitäten versucht, das Leid zu mindern – zu einer Anlaufstelle für benachteiligte Kinder. Seit 2013 unterstützen auch Praktikanten wie Oscar Schwarz die Organisation von Steinhage.

Gemeinsam mit sechs Deutschen und einer Österreicherin wohnt der Hoistener in Somerset West, knapp 30 Kilometer von Kapstadt entfernt. In der Young Bafana Academy betreut und trainiert der 18-Jährige eine U12-Mannschaft. Im Sommer hatte er noch seine Trainer C-Lizenz absolviert. Aber neben den Aufgaben als Coach ist er auch als „Mädchen für alles“ im Einsatz. „Vor dem Training müssen Wasserflaschen befüllt werden, Sandwiches geschmiert und der Bus mit Bällen, Trainingstrikots, Leibchen, Hütchen und den Schuhen der Spieler gepackt werden. Dann holen wir die Spieler im Township Lwandle ab“, berichtet freiwillige Helfer in seinem Tagebuch. Zusätzlich steht noch Nachhilfeunterricht an. Die Kinder müssen nämlich, bevor es auf den Trainingsplatz geht immer noch in den Mathematik- und Englischunterricht.

Obwohl sein Sohn momentan über 10.000 Kilometer entfernt lebt, ist Marcus Schwarz völlig entspannt: „Ich war beruflich schon sehr oft in Südafrika. Ich kenne die Gegend und habe kein schlechtes Gefühl.“ Trotzdem hält die Familie natürlich über Telefon oder Skype ständig Kontakt. Von der Entwicklung seines Sohnes ist Schwarz sehr beeindruckt: „Er wird sehr bodenständig, ist immer positiv. Man sieht, wie er erwachsen wird. Ich bin stolz, dass er das alleine durchzieht.“

Die Arbeit in Südafrika macht dem aus Hoisten stammenden Oscar Schwarz sichtlich Spaß. In seinem Tagebuch (r.) berichtet der 18-Jährige regelmäßig darüber. Fotos: Schwarz. Foto: Schwarz
Hoistener Oscar Schwarz in Südafrika. Foto: Schwarz

Das Weihnachtsfest verbringt Oscar Schwarz in Südafrika auf dem Weingut eines Freundes von Vater Marcus. „Er ist dort gut aufgehoben und hat Familienanschluss. Das beruhigt uns“, sagt Marcus Schwarz. Anfang Februar sehen er und seine Frau ihren Sohn dann auch wieder. „Wir fliegen ein paar Wochen runter und holen ihn ab“, berichtet Schwarz. Mit im Schlepptau hat Familie Schwarz dann hoffentlich auch einen ganzen Sack voller Fußballschuhe. Oscar hat nämlich eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Bis zum 15. Januar kann man seine aussortierten Fußballschuhe zur Sammelbox bringen: „Da viele der Kinder barfuß spielen müssen, kommt es natürlich häufig zu Blessuren“, schreibt Oscar Schwarz. Zur Rückrunde soll der Torjäger wieder in Deutschland auf dem Platz stehen und die DJK Hoisten zum Klassenerhalt schießen, bis dahin wird er sich aber noch um die Kinder in Afrika kümmern …