Fußball: "Original Neusser" mit Herz für Kinder

Fußball : "Original Neusser" mit Herz für Kinder

Fußball Gründungsmitglied Adam Pohl (76) wurde für seine Verdienste um die SG Erfttal als "Ehrenamtler des Jahres" ausgezeichnet

Adam Pohl trägt sein Herz auf der Zunge. Als ihn Hermann-Josef Koch, Vorsitzender des Fußballkreises 5 Grevenbroich/Neuss, am Samstag im Klubheim der SG Erfttal an der Parisstraße mit der Auszeichnung zum "Ehrenamtler des Jahres" überraschte, rührte das den 76-Jährigen fast zu Tränen. "Ich bin bald zusammengebrochen", sagt er, "das ist so fantastisch und eine Riesenanerkennung".

Menschen wie Adam Pohl müssen die hohen Herren beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Sinn gehabt haben, als sie den in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden erstmals 1997 ausgelobten Ehrenamtspreis in diesem Jahr unter das Motto: "Soziale Integration durch Fußball" stellten. Schließlich ist die SG Erfttal Integration pur. "Im Verein sind Sportler aus 15 verschiedenen Nationen vertreten", erklärt Koch, der vor allem die kleinen Kicker bei Adam Pohl in bester Obhut weiß. Der bestätigt: "Kinder sind für mich das Größte."

Der Mitbegründer der SG Erfttal (1975) hat mit seiner Frau Maria, seit 57 Jahren verlässliche Partnerin an seiner Seite ("Ohne sie geht gar nichts."), drei Söhne und vier Töchter großgezogen. Und wenn die beiden durch Erfttal flanieren, erinnert das irgendwie an die Sage vom "Rattenfänger von Hameln". — "Die Kinder hängen an mir wie Kletten", sagt der ehemalige Grenadiermajor, der es 1999 sogar bis zum Erfttaler Schützenkönig gebracht hatte.

Erfttal ist seine Heimat — und die SG Erfttal sein Verein! Ob als Trainer, Schiedsrichter, Talentspäher oder Organisator stimmungsvoller Weihnachtsfeiern — Adam Pohl, als linker Verteidiger auch bei der DJK Rheinkraft längst Legende, lebt für die SG. Groß geworden ist er zwar im Schatten des Obertors, doch in Erfttal baute er für seine Familie das erste Haus, und hierhin kehrte er nach einem Abstecher ins benachbarte Norf vor knapp zwei Jahren auch wieder zurück.

Dass der Ausländeranteil bei 22,3 Prozent liegt (Stadt Neuss 12,5%), hat ihn nie gestört. Im Gegenteil: "Ich komme sehr gut mit denen aus." Obwohl eine Studie ergab, dass hier Menschen aus mehr als 50 Nationen quasi Tür an Tür wohnen, sind ihm Verständigungsprobleme vollkommen fremd. "Ich bin halt ein original Neusser", sagt er schmunzelnd. Und die kommen ja bekanntlich überall zurecht.

Für das gute Näschen von Hermann-Josef Koch und seiner Kollegen bei der Auswahl der Kandidaten spricht, dass die Preisträger des Kreises 5 regelmäßig für ein Jahr Aufnahme in den "Club 100" des DFB finden. Unter diesen 100 privilegierten Ehrenamtlern (von bundesweit 360) befindet sich selbstverständlich auch Adam Pohl, der nun nicht nur in einer offiziellen Feierstunde geehrt, sondern auch zu einem Länderspiel der A-Nationalmannschaft eingeladen wird.

Für den leidenschaftlichen Trainer ("Das liegt mir im Blut.") ein gehöriger Ansporn weiterzumachen. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. "Ich kann nicht einfach nur zu Hause sitzen." Gut so.

(NGZ/rl)
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