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Korschenbroich: Orgel-Großmeister begeistert in St. Andreas

Korschenbroich : Orgel-Großmeister begeistert in St. Andreas

Wenn Olivier Latry, Hauptorganist an der berühmten Kathedrale Notre-Dame in Paris, Konzerte gibt, strömen die Liebhaber zu Hunderten in die Gotteshäuser. In Korschenbroich fanden sich 70 Zuhörer ein, um einen der weltweit größten Organisten zu hören.

Ungeachtet dessen schuf Olivier Latry mit einem fantastischen Programm und in bestechender Interpretation den Höhepunkt bei der 35. Internationalen Orgelwoche in der St. Andreas-Kirche. Der gleich an zwei bedeutenden Musikhochschulen seines Landes mit einer Professur betraute Organist sieht sich als "Botschafter der französischen Musik des 17. bis 20. Jahrhunderts". Diesen Anspruch erfüllt er bewundernswert. In Korschenbroich begann er aber mit einer Hommage an einen großen deutschen Komponisten und den Veranstaltungsort mit Introduktion und Passacaglia in d-Moll von Max Reger. Glänzend registriert die kurze Einleitung, die Passacaglia-Variationen über meditativ-ruhigem, gleichbleibendem Bass wurden zum Erlebnis. Latry ignorierte die überzogenen Vortragsangaben Regers völlig und baute eine eindrucksvolle Steigerung auf. Genau so, nämlich "seelisch bewegt" muss dieser Reger gespielt werden, formulierte der 1950 verstorbene Leipziger Thomaskantor und exzellente Reger-Kenner Karl Straube.

Als Meister der Dynamik mit vorzüglich ausgewogenem Einsatz des Schwellwerkes machte Olivier Latry auch den zweiten Choral h-Moll von César Franck zu einem Werk mitreißenden Ausdrucks. Neben makellos-perfektem Spiel musste auch die kenntnisreiche Wahl ansprechender Farbkontraste der Andreasorgel zum freien Spiel über selbst erfundenem Choralthema begeistern. Mit fliegendem Manualwechsel und pittoresk registriert schwebten die "Irrlichter" von Louis Vierne durch den Raum, wiederum dynamisch höchst abwechslungsreich die vier sinfonischen Meditationen über Christi Himmelfahrt, "L'Ascension" von Olivier Messiaen.

Als wären das nicht Höhepunkte reichlich, setzte Latry mit einer Improvisation über den Choral "O Haupt voll Blut und Wunden" allem die Krone auf. Mystisch beginnend breitete er die ganze Leidensgeschichte Christi aus. Grandios!

(NGZ)