Olympische Spiele 1968 : Goldmädels und ein handfester Skandal

Vor 50 Jahren steuerten die Olympischen Spiele in Mexiko ihrem Höhepunkt zu, zumindest aus Sicht des Rhein-Kreises Neuss. Denn am 21. Oktober 1968 gewann der Büttgener Udo Hempel Silber mit dem deutschen Bahnvierer, vier Tage später wiederholten die Holzheimer Kanutinen Annemarie Zimmermann und Roswitha Esser ihren Goldtriumph von Tokio 1964.

Dass es in Holzheim eine Tokio- und eine Mexiko-Straße gibt, hat seinen Grund. Denn diesen beiden Städten, genauer gesagt den dort 1964 und 1986 ausgetragenen Olympischen Spielen, verdankt der Neusser Vorort (der damals noch selbstständige Gemeinde war) einen Bekanntheitsgrad, den er seit dieser Zeit nie wieder erreicht hat.

Es war der 25. Oktober 1968, als zwei Kanutinnen der Holzheimer SG Sportgeschichte schrieben. Fast auf den Tag genau vier Jahre nach ihrem Olympiasieg von Tokio (22. Oktober 1964) wiederholten Annemarie Zimmermann und Roswitha Esser auf dem Cuemanco-Kanal in Mexiko ihren Goldtriumph im Zweier-Kajak. In 1:56,44 Minuten war das Duo eine halbe Sekunde schneller im Ziel als vier Jahre zuvor auf dem Sagami-See – und mehr als zwei Sekunden schneller als die Ungarinnen Anna Pfeffer und Katalin Rozsnyoi, die Silber gewannen.

Dabei war der zweite Olympiasieg alles andere als selbstverständlich. Denn eigentlich hatte sich das Duo nach dem Triumph von Tokio getrennt, weil Annemarie Zimmermann nach der Geburt ihres Sohnes Peter mehr Zeit der Familie als dem Paddeln widmen wollte. Roswitha Esser versuchte es mit anderen Bootspartnerinnen, 1965 wurde sie EM-Dritte, ein Jahr später Vize-Weltmeisterin, jeweils im Vierer. Doch so gut wie im Verbund mit Annemarie Zimmermann lief es nicht. Deshalb überredeten Trainer Franz-Josef Esser (nicht verwandt oder verschwägert mit seinem Schützling) und Ehemann Hans Zimmermann die damals 27-Jährige zum Comeback. Im Herbst 1967 begann sie mit dem Wintertraining, nach nicht einmal zwölf Monaten harter Plackerei – beim Krafttraining dienten zwei mit Beton ausgegossene Sauerkrauteimer als Hanteln – war der zweite Goldtriumph perfekt. Der Annemarie Zimmermann ein Jahr später die Ehrenbürgerschaft der (damaligen) Gemeinde Holzheim – und dieser nach der Tokio- nun die Mexiko-Straße (und die Olympiasiegerstraße) bescherte.

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Vier Tage zuvor hatte Udo Hempel das Velodrom in der mexikanischen Hauptstadt weniger strahlend verlassen. Denn der deutsche Bahnvierer mit dem damals 21 Jahre alten Büttgener als jüngstem Fahrer war im Finallauf gegen Dänemark klar in Führung liegend disqualifiziert worden, weil Jürgen Kißner den vor ihm fahrenden Karl-Heinz Henrichs berührte, was laut Reglement verboten war. Deutschland sollte nicht nur der Sieg, sondern auch die Silbermedaille aberkannt werden, die die drittplatzierten Italiener jedoch dankend ablehnten. Pikant: Kißner war vier Jahre zuvor aus der DDR geflohen – und die war in den mit der Disqualifikation befassten Gremien mit zwei ihrer Funktionäre vertreten. Im Westen schrie man „Skandal“, die Aufregung legte sich ein wenig, als der Welt-Radsportverband dem BDR-Vierer vier Wochen später nachträglich die Silbermedaille zuerkannte. Umgehängt bekam sie Udo Hempel im Februar 1969 bei der Querfeldein-WM in Magstadt. 1972 in München vergoldete er sie – auf eine Straße wartet er allerdings noch.