Ringen : Olympiasiegerin besucht Ringer

Oksana Chusovitina (37), die in London zum sechsten Mal an Olympischen Spielen teilnehmen wird, stieg im Ringerzentrum am Nordparkbad auf die Matte. Ihr Mann Bakhodir Kurbanov (39) ringt für den KSK Konkordia Neuss.

Oksana Chusovitina bringt bei einer Körpergröße von 1,53 Meter gerade mal 43 Kilogramm auf die Waage. Ein Floh im Vergleich zu Hermann J. Kahlenberg. "Sie reicht mir nur bis zum Bauchnabel", witzelt der Vorsitzende des KSK Konkordia Neuss.

Und doch. Beim Besuch der bei Olympia schon mit Gold dekorierten Turnerin zeigte sich Kahlenberg schwer beeindruckt von der 37-Jährigen, die ihre Turnkarriere noch in der Sowjetunion begann, später für ihr Heimatland Usbekistan startete und seit ihrer Einbürgerung im Sommer 2006 die deutschen Farben vertritt.

Gut möglich, dass Chusovitina die 2002 nach Köln umgesiedelt war, um ihren an Leukämie erkrankten Sohn Alisher behandeln zu lassen, demnächst öfter in Neuss zu Gast sein wird. Zwar will sie nach dem Ende ihrer einmaligen Laufbahn — London werden ihre sechsten Olympischen Spiele sein — ihre Arbeit als Nationaltrainerin Usbekistans intensivieren, doch trägt ihr ringender Mann Bakhodir Kurbanov in der anstehenden Saison das Trikot des nun in der Verbandsliga antretenden ehemaligen Bundesligisten KSK Konkordia Neuss.

Rang fünf bei Olympia

Der 39-Jährige leitet in Usbekistan, wo er mit dem inzwischen zwölf Jahren alten Alisher lebt, eine Sportschule. Den einstigen Schüler des beim KSK als Trainer tätigen Oleg Dubov könnte sein bei den Neusser Ringern für den schwierigen Neuaufbau zuständiger Kollege Max Schwindt gut gebrauchen. Er zählt den Fünften der Olympischen Spiele von Sydney (2000) "zu den besten Technikern in der Welt. Die ganz großen Erfolge sind ihm nur deshalb versagt geblieben, weil er zu offensiv gerungen hat".

Theoretisch könnte der Usbeke beim KSK mit einer ganzen Reihe hochkarätiger Teamkollegen auf die Matte steigen. Denn da sich aus dem Bundesliga-Kader Makhmud Magomedov, Eduarnis Tellez-Zamora, Georgi Makishvili, Emilyan Todorov, Yusuf Köse, Patrick Loes, Islam Masaev, Akif Canbas, Lennie Persson und Georgi Zlatanski nicht abgemeldet haben, wären sie für den Verbandsligisten startberechtigt. "Aber natürlich wird das nicht der Fall sein", beruhigt Kahlenberg schmunzelnd. Mit Kurbanov rechnet er dagegen fest: "Er hat schon seit 2005 seinen Pass bei uns. Und wenn er in Deutschland ist, kämpft er für uns."

In Alisher, der in Usbekistan eine deutsche Schule besucht, wächst unterdessen kein neuer Ringer heran. Der Zwölfjährige, von seiner Krankheit mittlerweile vollständig genesen, spielt nämlich lieber Fußball.

(NGZ/rl)