Radsport: Olympiasieger ohne Allüren fährt in Büttgen

Radsport: Olympiasieger ohne Allüren fährt in Büttgen

Der Australier Luke Roberts ist einer der Favoriten beim "Spurt in den Mai" heute Abend im Büttgener Sportforum an der Olympiastraße.

Eigentlich, gibt Andreas Beikirch freimütig zu, ist es ein bisschen Etikettenschwindel, wenn Luke Roberts in der Starterliste für den "Spurt in den Mai", das Bahnradrennen heute ab 19.30 Uhr auf dem Holzoval des Büttgener Sportforums an der Olympiastraße, unter "Australien" aufgeführt wird. Denn der gerade 37 Jahre alt gewordene Radprofi wurde zwar in Adelaide geboren, lebt aber seit Jahren mit seiner Familie im rheinischen Kerpen.

"Doch dem Starterfeld verleiht das ein bisschen mehr Internationalität", sagt Beikirch. Nicht, dass der Sportliche Leiter, der selbst zwischen 1991 und 2008 14 Mal den "Spurt in den Mai", einen solchen "Schwindel" bei der 35. Auflage nötig gehabt hätte. Denn das Feld für das aus fünf Wettbewerben bestehende Omnium der Asse ist so hochklassig besetzt, dass selbst Luke Roberts nur zum erweiterten Favoritenkreis gehört.

Dabei ist der Wahl-Kerpener nicht irgendwer in der Welt des Radsports: 2004 in Athen wurde er mit Australien Olympiasieger im Bahnvierer, stellte dabei im Halbfinale einen neuen Weltrekord auf. Drei Mal war er Weltmeister in dieser Disziplin, zwei Mal Vize-Weltmeister in der Einverfolgung. Doch weil man vom Bahnradsport nur bedingt leben kann, kam Roberts nach Europa und fuhr fortan verstärkt auf der Straße. Der ganz große Erfolg gelang ihm dort zwar nicht, doch in den namhaften Teams war der Olympiasieger ohne Allüren bald als zuverlässiger "Edelhelfer" eine feste Größe: 2005 fuhr er im CSC-Team (zusammen mit Jens Voigt) seine erste Tour de France, 2010 trug er (zusammen mit Markus Fothen) den Milram-Dress, nach dessen Auflösung bekam er einen Vertrag beim Team Saxo Bank. Seit einem Jahr verleiht Roberts dem aufstrebenden Stölting-Team die nötige Routine.

Sein eigentliches Metier, die Bahn, hat der 37-Jährige dabei nie vernachlässigt: 2013 belegte er bei den Sechstage-Rennen in Bremen und Kopenhagen jeweils Rang zwei. Die aktuelle Sechstage-Saison musste Luke Roberts allerdings sausen lassen: Bei einem Sturz im vergangenen November zog er sich einen Oberschenkelhalsbruch zu und musste danach lange pausieren. Sein Comeback feierte er erst am Ostermontag bei "Rund um Köln". "Wegen der ganzen Operationen hatte ich mich entschieden, nur zu trainieren. Ich bin aber alt genug, schlau genug, um auch über reines Training in Form zu kommen", sagt Roberts.

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Dass das auch für die Bahn gilt, will er heute Abend beweisen. An der Seite von Stefan Schneider gehört er zu den Mitfavoriten auf den Sieg im "Großen Preis der Sparkasse Neuss". Schneider (19), der auch mal für das "Team Sportforum" fuhr, kennt das Metier, gewann er doch Anfang des Jahres beim Bremen Sechstagerennen die U23-Konkurrenz.

Zum Sieg, sagt Beikirch, dürfte es für das Duo dennoch nicht reichen, "dafür ist Luke hinten 'raus nicht mehr antrittsschnell genug." Um so mehr, als die Konkurrenz hochkarätig besetzt ist: Angefangen bei Vorjahressieger Marcel Kalz, der gemeinsan mit Lokalmatador Nils Schomber die Startnummer eins trägt. Auch Leif Lampater, der Sieger des Bremer Sechstagerennens, und Bahn-Nationalfahrer Dominic Weinstein haben Siegchancen, ebenso wie die Österreicher Andreas Müller (Sieger des Berliner Sechstagerennens) und Dominik Imrek - Müller gewann schon zwei Mal (2011 mit Christian Schweizer, ein Jahr später mit Robert Bartko) in Büttgen, Lampater setzte sich 2006 an der Seite von Beikirch durch.

Routinier Lars Teutenberg (43) mit dem knapp 24 Jahre jüngeren Bahn-Nationalfahrer Marco Mathis und die Tschechen Milan Kadlec (2004 Olympiafünfter im Punktefahren) und Roman Fürst runden das Fahrerfeld ab. Aus dem einige auch tags darauf im Straßenrennen (1. Mai, Start um 16.20 Uhr) über 72 Kilometer zu sehen sein werden: Teutenberg, der in den vergangenen beiden Jahren gewann, Schomber, Weinstein, Mathis, Lampater, Kalz und Imrek stehen in der Starterliste. In der zwei Namen fehlen: Lokalmatador Joachim Tolles hat den Arm in Gips. Und Luke Roberts muss wie so viele sein Team bei "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt", besser bekannt als "Henninger Turm", unterstützen.

(NGZ)
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