"Six-Day-Night" im Sportforum Kaarst-Büttgen: Olympiasieger begrüßt vier Olympiasieger

"Six-Day-Night" im Sportforum Kaarst-Büttgen : Olympiasieger begrüßt vier Olympiasieger

Zur Olympiareife fehlen der Bahn im Sportforum Kaarst-Büttgen ein paar Zentimeter. Doch wenn am 31. Oktober von 19 Uhr bis kurz vor Mitternacht die "Six-Day-Night" ihre Premiere auf dem 333 Meter langen Holzoval feiert, werden gleich fünf Olympiasieger in der Halle sein - vier auf dem Rad und einer als Kopf des Organisationsstabes. Sie werden es schwer haben, bei der Six-Day-Night am 31. Oktober im Sportforum Kaarst-Büttgen ganz noch vorne zu fahren, die Brüder Sven und Lars Teutenberg (von links), die beide beim VfR Büttgen mit Radsport begannen. Denn die Konkurrenz ist groß, auch wenn ihnen mit dem Olympia-Zweiten Etienne de Wilde (Lars) und Olympiasieger Scott Mc Grory starke Partner zu Seite stehen. NGZ-Foto: Roth

Zur Olympiareife fehlen der Bahn im Sportforum Kaarst-Büttgen ein paar Zentimeter. Doch wenn am 31. Oktober von 19 Uhr bis kurz vor Mitternacht die "Six-Day-Night" ihre Premiere auf dem 333 Meter langen Holzoval feiert, werden gleich fünf Olympiasieger in der Halle sein - vier auf dem Rad und einer als Kopf des Organisationsstabes. Sie werden es schwer haben, bei der Six-Day-Night am 31. Oktober im Sportforum Kaarst-Büttgen ganz noch vorne zu fahren, die Brüder Sven und Lars Teutenberg (von links), die beide beim VfR Büttgen mit Radsport begannen. Denn die Konkurrenz ist groß, auch wenn ihnen mit dem Olympia-Zweiten Etienne de Wilde (Lars) und Olympiasieger Scott Mc Grory starke Partner zu Seite stehen. NGZ-Foto: Roth

Denn bei Udo Hempel, der 1972 im "Gold-Vierer" von Gustav Kilian in München zum Olympiasieg fuhr (siehe: Das Porträt), laufen die organisatorischen Fäden der rund eine Viertelmillion Mark teuren Veranstaltung zusammen. Hempel ist für diesen Job gleich zweifach prädestiniert: Der 55-Jährige war nicht nur Olympiasieger, Radprofi und später auch Bundestrainer - mittlerweile arbeitet er als selbständiger Unternehmensberater, erstellt Konzepte in Sachen Personalentwicklung. - Das Erstellen eines Konzeptes hat ihn auch auf die Idee mit der "Six-Day-Night" gebracht: "Wir suchten jemand, der uns ein Marketingskonzept für das Sportforum erstellt", erinnert sich Manfred Stranz, Zweiter Vorsitzender des Trägervereins, "da lag die Verbindung zu Udo Hempel nahe."

Der machte sich an die Arbeit, wobei er die Marschrichtung gleich selber vorgab: "Wir wollen mit einer Sache beginnen, die soll aber erstklassig sein." Er möchte die Nacht zum "Klassiker im Bahnradsport" machen, "so etwas wie Filderstadt im Damen-Tennis ist", vergleicht Stranz. Für Hempel stand von Anfang an fest: "Dafür brauchen wir Stars. Wer Mittelmaß bietet, der hat Probleme, seine Veranstaltung richtig zu vermarkten."

Ihm scheint dies mit Blick auf den 31. Oktober gelungen zu sein: Die Liste der Sponsoren ist ebenso lang wie (teilweise) prominent, angefangen bei der Deutschen Post AG, die zusammen mit der Stadt Kaarst als Titelsponsor ("Großer Preis der Stadt Kaarst um den Pokal der Deutschen Post") auftritt. Was Hempel bei deren Akquise ein wenig wunderte: "Die sogenannten Großen waren leichter zu überzeugen als die Wirtschaft vor Ort. Die Kaarster Unternehmen haben eher zurückhaltend reagiert."

Nichtsdestotrotz: Der Etat von rund einer Viertelmillion Mark ist gedeckt, "und das, bevor wir die Zusage von Erik Zabel hatten", freut sich Hempel. Der Telekom-Star, zurzeit Nummer eins der Weltrangliste und sechs Mal in Folge Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France, bildet damit sozusagen das "Sahnehäubchen" auf einem erlesenen Feld. Der 31-Jährige fährt zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Teamkollegen Rolf Aldag; beide nutzen die günstige Gelegenheit, sich quasi "vor der Haustür" - Zabel lebt in Unna, Aldag im westfälischen Ahlen - für die Sechs-Tage-Saison einzurollen.

Zabels Zusage hat Hempel und seinen Sponsoren ein weiteres "Sahnehäubchen" beschert: Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) wird am 31. Oktober live aus dem Sportforum übertragen. "Damit haben wir nicht 2500 bis 3000 Zuschauer" - mehr passen in die Halle nicht hinein - "sondern drei bis vier Millionen", rechnet Hempel vor, "wer da nicht mitmachen will, ist eben selbst schuld." Freilich gibt er auch zu, dass die Verhandlungen über eine Fernsehübertragung "ein hartes Stück Arbeit waren. Die meisten Sender haben abgewunken."

Darunter auch, was er nun gar nicht verstehen kann, der WDR: "Der müsste doch Interesse haben", meint Hempel, "so viele Top-Sportereignisse gibt es in seinem Sendegebiet nun auch nicht." Und schließlich sitzt am 31. Oktober auch WDR-Radsportexperte Herbert Watterott (zusammen mit Udo Hempel) am Hallenmikrofon. Der hat dafür die Sportliche Leitung des Abends an einen alten Weggefährten übertragen: Karl-Heinz Küster, 1972 Olympia-Teilnehmer im Straßenvierer. "Mit ihm als Partner bin ich meine ersten beiden Sechs-Tage-Rennen gefahren", erinnert sich Udo Hempel, der mit den Ex-Weltmeistern Didi Thurau und Hennes Junkermann zwei weitere der ganz großen Radsport-Namen vergangener Tage ins Sportforum eingeladen hat: "Beide kommen, und beide werden den Startschuss abgeben."

Im Mittelpunkt stehen aber natürlich die Stars auf der Bahn, neben Zabel und Aldag allen voran die genannten vier Olympiasieger: Stefan Steinweg, Guido Fulst und Jens Lehmann sowie der Australier Scott Mc Grory. Steinweg fuhr 1992 in Barcelona zusammen mit Fulst und Lehmann im Vierer zu Gold, die beiden Letzteren wiederholten diesen Triumph acht Jahre später in Sydney. Mc Grory wurde in seinem Heimatland Olympiasieger in der Zweier-Verfolgung, in Büttgen soll er zusammen mit Lokalmatador Sven Teutenberg das Feld aufmischen. Dessen Bruder Lars fährt an der Seite des belgischen Routiniers Etienne de Wilde, der in Sydney hinter Mc Grory Silber gewann: "Gegen ihn bin ich sogar noch gefahren", erinnert sich Hempel voller Respekt.

Last but not least sind mit den Italienern Silvio Martinello und Marco Villa die Drittplatzierten dieses olympischen Rennens ebenfalls am Start, ebenso wie die Elften, Bruno Risi und Kurt Betschart aus der Schweiz. Da dürfte es Lokalmatador Andreas Beikirch schwer haben, an der Seite von Andreas Kappes seine Erfolge vom "Spurt in die Maiennacht" an gleicher Stelle zu wiederholen. Volker Koch

(NGZ)
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